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Eilenburg Mehr Raum für die Mulde – Naturschutzprojekt soll Flutschutz sichern
Region Eilenburg Mehr Raum für die Mulde – Naturschutzprojekt soll Flutschutz sichern
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08:11 26.11.2018
Der Saal des Gasthauses „Zur grünen Muldenaue" war am Freitag voll besetzt. Quelle: Foto: H. Nyari
Glaucha

Glaucha hat Aussicht auf ein Projekt, das helfen kann, den Hochwasserschutz nach dem aktuellen Stand der Technik (HQ100) mittelfristig zu realisieren. Wie das aussehen könnte, stellte Thomas Hartmann von der Bürgerinitiative „HQ100-Schutz für Glaucha“ am Freitagabend im voll besetzten Saal „Zur Grünen Muldenaue“ vor.

Keine Frage, die zwei Hochwasser von 2002 und 2013 haben tiefe Wunden hinterlassen, über 300 Menschen waren betroffen. Der Ort ist mittlerweile vor einem Hochwasser, wie es alle 50 Jahre auftreten kann, geschützt. Doch die BI um Ortsvorsteher Thomas Hartmann lässt nicht locker, kämpft um einen erweiterten Flutschutz.

Heinz-Sielmann-Stiftung als Projektträger

Die Hoffnung für einen wirksamen Schutz ruht auf einem Projekt, das sich „Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben lebendige Mulde – Wiederherstellung natürlicher Überschwemmungsbereiche an der Vereinigten Mulde zwischen Eilenburg und Bad Düben“ nennt. Projektträger ist die Heinz-Sielmann-Stiftung. Ein Projekt, von dem Hartmann sagt: „Es ist nicht eine, es ist die Chance, den vom Freistaat für geschlossene Siedlungsgebiete angestrebten Hochwasserschutz HQ100 zu realisieren.“ Vorgesehen sind Maßnahmen in den Bereichen Hainichen-Zschepplin, Mörtitz-Gruna-Laußig, Hohenprießnitz-Glaucha sowie Laußig-Pristäblich. „Das sind Maßnahmen zur Revitalisierung von natürlichen Überschwemmungsbereichen, die durch Deichrückverlegungen im Hochwasserfall Retentionsräume bieten“, so Hartmann, der betonte, „Rückverlegung bedeutet nicht Deichrückbau.“

Landratsamt einbezogen

Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) sowie das Landratsamt Nordsachsen sind einbezogen. Für die Voruntersuchung im Sinne einer Machbarkeitsstudie ist eine Arbeitsgruppe mit Akteuren unter anderem aus Kommunen, Landwirtschaft, Tourismus vorgesehen. „Auch die BI wird dabei sein“, unterstrich Hartmann. Untersucht werde, wie mögliche Synergieeffekte zwischen natürlichem und technischem Flutschutz entstehen können. All das ist ergebnisoffen, wie Ministerialrat Heinz Bernd Bettig betonte. Das besondere sei, „es wird finanziert, ohne es umsetzen zu müssen“, so Ines Senft, Referentin im SMUL. Ob, was und wie realisiert wird, werde zusammen mit der Region entschieden. Schon jetzt aber gäbe es Verzug – all das dauert, allein die Voruntersuchung zwei, die Umsetzung drei Jahre. Eigentlich sollte die Studie im Januar beauftragt werden, momentan, so Hartmann, scheint das nicht realistisch.

Es gibt Vorbehalte

Zweifellos – es gibt Vorbehalte. Vor allem seitens der Landwirtschaft. Warum, sagte Tilo Bischoff, Vorsitzender des Regionalbauernverbandes Delitzsch. Die Landwirte seien keinesfalls gegen Hochwasserschutz. „Wenn wir unsere Flächen zur Verfügung stellen, soll es aber nicht so sein, dass wir die Folgen allein tragen.“ Er sagt das nicht ohne Grund. Es habe bei ähnlichen Naturschutzprojekten schon geheißen, „Landwirte macht euch keine Sorgen. Doch es kam anders.“ Auch der Landschaftspflegeverband (LPV) Nordwestsachsen sieht dies kritisch. „Die Mitglieder haben es mehrheitlich abgelehnt“, sagte dessen Vertreter Volker Tiefensee. Schlechte Erfahrungen mit derartigen Projekten seien ein Grund. Ob der LPV in der Arbeitsgruppe mitarbeite, entscheide die Mitgliederversammlung. Und die Gemeinde? Ein Statement gab Bürgermeisterin Roswitha Berkes nicht ab: „Das Thema ist im Gemeinderat noch nicht behandelt worden. Wir werden uns dort eine gemeinsame Meinung bilden.“

Eine Chance

Andreas Berkner, Leiter der Regionalen Planungsstelle beim Planungsverband Westsachsen gab den Anwesenden mit: „Es ist nicht mehr oder weniger als eine Chance. Die ist beendet, wenn man sagt, wir machen es nicht.“ Für die BI ist klar: Diese Chance darf nicht verpasst werden. Die Glauchaer hoffen, dass die Studie schnellstmöglich auf den Weg gebracht wird, „und wir uns bald in den Arbeitsgruppen treffen“. Dieses Stimmungsbild dürften die Vertreter des Ministeriums mitgenommen haben. Denn, so machte Bettig klar: „Wir werden nichts gegen die Region unternehmen.“

Von Kathrin Kabelitz

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