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Eilenburg „Milchbiene“ und „Knickebein“: Comeback für Eilenburger Henri-Bonbons
Region Eilenburg „Milchbiene“ und „Knickebein“: Comeback für Eilenburger Henri-Bonbons
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10:00 06.10.2018
Frank Richter, Jens Hoffmann, Sandra Ebel von International Sweet Trading und Rosmarie Strietzel und Siegbert Strietzel (von links) beim Treffen im Stadtmuseum Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Der Zufall kochte kräftig mit: Doch in den nächsten Tagen wird in einer Produktionsstätte des Köthener Unternehmens International Sweet Trading wieder mit alten Henri-Rezepten aus Eilenburg experimentiert. Schon ab Februar 2019 sollen dann Henri-Klassiker wie die „Milchecken“, „Erdbeermilch-Bonbons“, „Milchbiene“, „Milchhaselnuss-Krokant“ und das „Knickebein“ mit Eierlikör in aller Munde sein.

Spurensuche beginnt mit einer Henri-Schachtel

Doch der Reihe nach: Sandra Ebel ist bei der Köthener Firma, die 2016 die Markenrechte der nicht mehr produzierten Henze/Henri-Produkte erwarb, eigentlich für den Wareneinkauf zuständig. Beim privaten Einkauf auf dem Flohmarkt in Dessau stöberte sie eine alte Henri-Schachtel auf und brachte die Frank Richter, Chef und Inhaber der Firma, mit. Bis zu der Idee, nach alten Henri-Rezepten zu suchen, war es dann nur ein kleiner Schritt. Das Stadtmuseum Eilenburg erhielt die Anfrage, Museumschef Andreas Flegel leitete diese als Aufruf an die LVZ weiter. Der Beitrag, der daraufhin im Juli erschien, wurde dann auch in Oschatz von Sieglinde Petzold gelesen. Die wiederum schnitt diesen aus und schickte ihn per Post ihren Cousin Siegbert Strietzel in Stuttgart mit dem Hinweis, dass dieser vielleicht von Interesse sei.

Henri-Karriere begann als 14-Jähriger

Bei dem heute 79-jährigen Siegbert Strietzel, der nach dem Krieg aus Schlesien nach Eilenburg kam, hat dieser Beitrag einige Erinnerungen aufleben lassen. „Ich habe als 14-Jähriger bei Henri den Beruf des Bonbonmachers erlernt und eine exzellente Ausbildung erhalten.“ 1957 wurde er hier noch Leiter der Jugendbrigade, 1960 wechselte er, „der als süßer Junge“ seine im Henri-Büro arbeitende Frau Rosmarie für sich gewonnen hatte, dann mit ihr nach Mühlheim an der Ruhr. „Doch da das Henri-Niveau bei der dortigen Firma nicht erreicht wurde“, sei er dann ab 1964 in die Schokoladenbranche gewechselt. Stationen, unter anderem in Aachen und Stuttgart, folgten bis zur 2002 erreichten Rente.

Henri-Bonbons made in Eilenburg haben eine lange Geschichte. Sie waren vor allem in der ehemaligen DDR bekannt und beliebt.

„Die Frage nach den Rezepten hat bei mir viel schon vergessen Geglaubtes wieder hervorgeholt“, erzählt der charmante Herr bei dem kürzlichen Treffen, das die Köthener mit Unterstützung des Museumsleiters im Stadtmuseum Eilenburg arrangiert hatten.

„Die Qualitätskontrolle waren wir“

„Die Milchecken haben wir aus Frischmilch, gezuckerter Kondensmilch, Zucker und Glukose in Vakuumkochmaschinen gekocht“, erzählt er da in der 1960er-Jahre-Ecke des Museums. Auch aus was die eine oder andere Füllung bestand, bekommt er noch zusammen. Allerdings, so verrät Siegbert Strietzel auch, seien Mengenangaben schon von Natur aus schwierig. Denn eine Qualitätskontrolle gab es nicht. „Damals haben wir und nicht die Technik das mit der Masse dirigiert.“

Arbeitsteilung: Kramen und Tippen

Er habe nun noch einmal alles aus der Hernri-Zeit, die ihn sein ganzes Berufslebens prägte, hervorgekramt und „meine Frau hat es getippt“. Als Dank gab es jetzt nicht nur einen Scheck über 500 Euro, sondern auch vorab schon ein Paket mit Henri-Bonbons. „Seit einem Jahr vertreiben wir Bonbons unter diesem Namen“, erzählt Frank Richter. Aber die „Minibonbons und Co“, so gibt der Firmeninhaber unumwunden zu, „gab es früher so gar nicht“. Dennoch fanden sie bei dem Bonbonexperten Anerkennung. „Und da wir sie im Auto deponiert hatten, haben sie sich einfach weggelutscht, vor allem auf der Beifahrerseite“, erzählt der Schwabe mit einem Schmunzeln.

Glücksfall in aller Munde

Doch um Nachschub brauchen sich die Strietzels wohl keine Sorgen machen. Sie werden zu den ersten gehören, die die neuen Produkte verkosten können. Frank Richter betrachtet es jedenfalls „als einen Glücksfall, mit so einem kompetenten Menschen, der durchgängig in der Süßwarenbranche tätig war“, sprechen zu können. Ein Glücksfall, der dazu führt, dass die klassischen Henri-Bonbons ab nächstem Jahr wieder in aller Munde sein können.

Von Ilka Fischer

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