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Mistelbefall bedroht Bestand auf Streuobstwiesen in Eilenburg

Pflanze breitet sich aus Mistelbefall bedroht Bestand auf Streuobstwiesen in Eilenburg

Als Heilpflanze ist sie bekannt, doch wegen ihrer enormen Ausbreitungs sorgt sie für fatale Folgen bei Obstbäumen. Laut Naturschutzbund Sachsen sind Streuobstbestände mit ihren alten und oftmals seltenen Apfelsorten stark von Misteln befallen und gefährdet. Vor allem in der Region Eilenburg ist das ein Problem.

Auf einer Streuobstwiese in Hainichen bei Eilenburg schneidet Florian Köbke vom Landschaftspflegeverband Nordwestsachsen am Misteln und Äste von einem über 50 Jahre alten Apfelbaum

Quelle: dpa

Eilenburg. Sie sind weltweit in subtropischen, tropischen, aber auch in gemäßigten Klimazonen verbreitet, das Küssen unter in Wohnungen aufgehängten Zweigen gehört zu den Weihnachtsbräuchen in den USA und England und ihnen wird eine heilende Wirkung nachgesagt. Und das nicht erst, seit die Misteln in den Asterix-Comics Bestandteil des vom Druiden Miraculix gebrauten Zaubertranks sind, der den Bewohnern unglaubliche Kräfte zur Verteidigung des letzten von den Römern noch nicht eingenommenen gallischen Dorfes verlieh. Vor allem aber sind Laubholz-Misteln (Viscum album) deutschlandweit auf dem Vormarsch. Anlass für den Naturschutzbund (Nabu) Sachsen, Alarm zu schlagen, weil die kugelig wachsenden Pflanzen zunehmend den meist jahrzehntealten, wertvollen und seltenen Bestand auf Streuobstwiesen gefährden.

Muldeaue bei Eilenburg betroffen

In Sachsen seien die Misteln, die langsam wachsen und bis zu 70 Jahre alt werden können, inzwischen vor allem in Nordsachsen und im Dresdner Raum „zum echten Problem geworden“, sagt Ina Ebert vom Nabu-Landesverband Sachsen: „Die Pflanzen leben als Halbschmarotzer und entziehen dem Wirt mit ihren Saugwurzeln Wasser und Nährstoffe. Gefährlich wird es für Bäume, die nicht rechtzeitig und regelmäßig gepflegt werden.“ Die weißen Früchte der Mistel sind extrem klebrig. „Viele Vögel naschen gern an den Beeren. Ein Teil der Früchte bleibt an ihren Schnäbeln haften. Wetzen die Vögel den Schnabel an einem Zweig oder hinterlassen dort ihren Kot, kleben die Mistelsamen an der Rinde des künftigen Wirtsbaumes fest. So kann sich die Mistel über mehrere Kilometer verbreiten“, erklärt Lutz Röder vom Nabu Erzgebirge. Mindestens 27 Vogelarten haben die Beeren auf dem Speiseplan.

Auffällig stark habe sich die Mistel in den Streuobst-Beständen in Hainichen bei Eilenburg vermehrt. So sehr, dass Nabu-Fachleute mittlerweile von einer Gefährdung ausgehen. Eine der Ursachen für die Ausbreitung sei laut Experten die unregelmäßige Pflege von Streuobstbeständen. Gebiete wie die Muldeaue seien zudem besonders gefährdet, „also offenbar die Areale, wo eine bestimmte Luftfeuchte herrscht“, nennt Veronika Leißner vom Landschaftspflegeverband (LPV) Nordwestsachen einen weiteren Grund. Der LPV hat vor einigen Jahren das 3000 Quadratmeter große Grundstück im Eilenburger Ortsteil Hainichen übernommen, kümmert sich hier um den Bestand von Äpfel-, Birnen-, Pflaumen- und Kirschbäumen. Rund 30 alte Apfelsorten wachsen auf dieser kleinen Naturoase, wie Kaiser Wilhelm oder der Rote Eiserapfel. Gerade letztere, um die 60 Jahre alt, sind stark von den Misteln befallen.

Rückschnitt als Gegenmaßnahme

Beim LPV beobachtet man diese Entwicklung mit Sorge, aber auch Aufmerksamkeit. Ein radikaler Rückschnitt der Bäume sei zwar wirksam, könnte den Bestand der seltenen Obstsorten aber entscheidend gefährden. „Wir müssen da sehr behutsam vorgehen“, sagt Leißner. Die Pflege sei deshalb zeitaufwendig und vor allem für Private, Vereine und Verbände schwer händelbar. Ideen wie Crowdfunding-Zeitmanagement-Aktionen seien durchaus denkbar, um Hilfe durch Freiwillige zu bekommen.

Laut Nabu Sachsen sollten befallene Obstbäume jetzt, im Spätwinter und im zeitigen Frühjahr, zurückgeschnitten werden. „Äste mit Mistelbefall sollten mindestens 30 bis 50 Zentimeter ins gesunde Holz zurück abgesägt werden. Damit kann die Ausbreitung der Pflanze in der Regel gestoppt werden, wenn der Baum noch nicht zu stark angegriffen ist“, so Ebert. Damit könne die Ausbreitung der Pflanze in der Regel gestoppt werden, wenn der Baum noch nicht zu stark angegriffen ist. Besonders häufig betroffen seien Apfelbäume sowie Ebereschen, auch als Vogelbeere bekannt. Keine Gefahr, so der Nabu, bestehe für Birnen, Kirschen, Pflaumen oder Zwetschgen.

Wie es richtig geht, wird bei Schnittlehrgängen des LPV und der Volkshochschule vermittelt: 18. März – Landhaus Böhm Glaucha. Rückfragen bei Frau Böhm oder bei Frau Jentzsch, Telefon: 034243/289544.
18. März – VHS-Schnittkurs Delitzsch, www.vhs-nordsachsen.de. Beginn 9 Uhr. Theorie und praktischer Schnittkurs auf der stadteigenen Streuobstwiese, Am Anger. Abhängig von der Teilnehmerzahl, da Gebühren anfallen.

Von Kathrin Kabelitz

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