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Mit EC-Karte vom Kumpel Geld abgehoben – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Haftstrafe Mit EC-Karte vom Kumpel Geld abgehoben – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Er hat die Gutgläubigkeit eines Bekannten ausgenutzt, als der ihm seine EC-Karte samt Pin übergab. Der Angeklagte hob über 1000 Euro ab, um sich schöne Tage zu machen. Das Amtsgericht Eilenburg verurteilte jetzt den Mann aus dem Großraum Delitzsch zu einer Freiheitsstrafe.

Das Amtsgericht in Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Die Strafe vom Januar dieses Jahres hat unzweifelhaft ihre Wirkung verfehlt: Lutz P. (Name geändert) wurde wieder straffällig. Und was die Staatsanwältin ihm diesmal in der Anklage vorwarf, klang keineswegs wie ein Kavaliersdelikt. Der 38-Jährige aus dem Großraum von Delitzsch hatte eingewilligt, seinem Bekannten, bei dem er auch handwerklich das eine oder andere erledigte, eine neue Telefonkarte zu kaufen. Das alte Mobiltelefon war dem Kumpel abhandengekommen und damit er erreichbar ist, hatte er sich zwar ein neues Gerät, aber eben noch keine neue SIM-Karte geholt. Das sollte jetzt Lutz P. für ihn tun. Er sagte auch bereitwillig zu.

Mit Fußfesseln im Gerichtssaal

Ob er da bereits den perfiden Plan schmiedete, etwas ganz anderes mit der EC-Karte und der dazugehörigen Pin anzustellen, konnte in der Hauptverhandlung am Eilenburger Amtsgericht nicht geklärt werden. Darauf kam es aber auch gar nicht an. Vielmehr sprachen die Fakten, was danach passierte, für sich. Lutz P. hatte neben der Karte und der Pin auch noch eine Vollmacht, mit der er tatsächlich die Ersatz-Telefonkarte bekommen hätte.

Gesehen hat der Bekannte die Karte allerdings bis heute nicht. Stattdessen machte sich der Angeklagte daran, über insgesamt vier Tage an verschiedenen Geldautomaten Geld abzuheben, in einem Fall hatte er sogar mit der Karte in einem Bitterfelder Baumarkt bezahlt. „Wie ich dorthin gekommen bin, weiß ich bis heute nicht“, räumte der Angeklagte ein, der mit Fußfesseln auf seinem Stuhl saß und von drei Justizbeamten nicht aus den Augen gelassen wurde.

Angeklagter: War besoffen

Die Staatsanwältin schlüsselte die einzelnen Fälle auf. Beträge zwischen 130 und 500 Euro, insgesamt 1159 Euro, hob Lutz P. ab. Was er damit machte, blieb sein Geheimnis. Sonst räumte er aber alles ein, was ihm vorgeworfen wurde. „Ich war besoffen! Ich weiß nicht, was in mich gefahren war. Solche Scheiße habe ich noch nie gemacht!“ Stimmt – allerdings hatte er dafür 25 Vorstrafen wegen anderer Delikte, vor allem wegen Diebstahls und Trunkenheit im Verkehr. Die letzte Strafe saß er gerade in der Justizvollzugsanstalt Zeithain ab. Vier Monate, seit Mitte des Jahres. Das Urteil stammt noch vom Januar.

Wertersatz gefordert

Die Staatsanwältin warf dem Angeklagten vor, mit dem Geld des Geschädigten gut gelebt, es „versoffen“ zu haben. Vom Geld wurde nichts mehr gefunden. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe in Höhe von zehn Monaten, die nicht zur Bewährung auszusetzen seien. Zudem bat die Staatsanwältin, vom Vermögen des Angeklagten 1159 Euro einzuziehen. Der Wertersatz solle an den Geschädigten gehen.

Bevor die Eilenburger Amtsrichterin Carmen Grell das Urteil sprach hatte der Angeklagte noch das letzte Wort. Er bat um eine mildes Urteil.

Eine Geldstrafe kam für die Richterin aber nicht mehr in Betracht. Für sie stand der Tatvorwurf fest, jemandes anderes hatte die EC-Karte des Geschädigten nicht. Das bewies auch eine Aufnahme einer Überwachungskamera. Wie von der Staatsanwaltschaft beantragt, muss Lutz P. nun weitere zehn Monate hinter Gittern verbringen. Ein Aussetzen der Strafe auf Bewährung schloss die Richterin auf Grund der negativen Kriminalprognose aus.

Von Ditmar Wohlgemuth

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