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Eilenburg Mit der Pappe zur Berufsschule - 18-Jähriger motzt Opas Trabi auf
Region Eilenburg Mit der Pappe zur Berufsschule - 18-Jähriger motzt Opas Trabi auf
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17:50 19.05.2015
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Noch dazu ist er mit junger Besatzung unterwegs. Christian Nitschke hat das Auto von seinem Opa vor zehn Jahren geerbt. Es stand erst eine Weile ungenutzt in der Garage. Denn während der Eilenburger selbst Baujahr 1994 ist, erblickte Schorschl, wie das beige Gefährt gerufen wird, im Jahr 1988 das Licht der Welt. Bereits vor drei Jahren begann das Aufarbeiten, der Trabi sollte rechtzeitig zum Erhalt der Fahrerlaubnis und des 18. Geburtstages im vorigen Sommer fit für den Tüv werden.

"Wir sind eigentlich zu dritt", verweist Christian Nitschke darauf, dass er in Antonio Prüfrock und Benjamin Stephan, 13 und 15 Jahre jung, Unterstützer hatte. "Das Tolle: Alles war selbst zu machen. Nur bei den Bremsen darf man das nicht, die waren auch komplett zu erneuern. Zum Glück ist mir die Werkstatt da entgegengekommen", so der Trabi-Fan. Der Dachgepäckträger ist bei Ebay ersteigert, das Kofferset, das darauf immer mitfährt, hat eine Bekannte spendiert. "Das passt doch, hat etwas von Flucht und Ausreise", so die Interpretation.

Klar, das Gefährt mit dem 60er-Jahre-Charme sei nicht jedermanns Sache. Selbst der Vater sei zum Beispiel eher dafür, dass er sich ein "richtiges" Auto anschafft. Aber die Mutter finde es eher lustig. Dass es viele Altersgenossen eher für verrückt halten, damit habe er kein Problem. Irgendetwas mache ja jeder. "Wir bilden immer Fahrgemeinschaften. Meine Mitfahrer haben schon gestaunt, dass der Trabi seine 110 Kilometer pro Stunde schafft und dass er so schnell warm wird." Mit guter Laune beschleunige Schorschl sogar auf 120.

Er könne sich gar nicht vorstellen, etwas anderes zu fahren, sagt Christian Nitschke. "Mit dem erlebt man einiges: Da drängelt sich auf der Autobahn extra jemand zwischen mich und einen LKW, um das Auto zu fotografieren. An der Tankstelle reden alte Herren mit mir und erzählen mir von ihrem Leben mit den Trabis." So darf Schorschl sogar immer mal in seine Geburtsstadt fahren, nach Zwickau. Dort geht Christian nämlich zur Berufsschule, lernt Straßenmeister bei der Straßenmeisterei. Die Schule steht gleich neben dem ehemaligen Werksgelände.

Einen kleinen Nachteil hat der Trabant schon. An den Leipziger Stadtgrenzen heißt es für ihn: "Zweitakter müssen draußen bleiben." Die Umweltzone setzt dem Bewegungsprofil Grenzen. Zum Glück hat Christians Lehrbetrieb seinen Sitz noch davor. Für den Mai aber ist ein Ausflug im Trio geplant: "Dann fahren wir gemeinsam zum Trabi-Treffen an die Ostsee."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2013

Heike Liesaus

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