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Eilenburg Mit großem Festumzug: Behlitz und Pressen feiern 675-jähriges Bestehen
Region Eilenburg Mit großem Festumzug: Behlitz und Pressen feiern 675-jähriges Bestehen
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00:30 01.07.2015
Trachten und altes Handwerk - Behlitz und Pressen feiern mit einem großen Umzug 675 Jahre Ersterwähnung. Quelle: Thomas Jentzsch
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Behlitz/Pressen

Ortschaftsrat und Heimatverein haben sich einiges einfallen lassen.

Höhepunkt war ein großer Festumzug, der von Behlitz nach Pressen führte. Die Einwohner stellten das Leben in früheren Zeiten zur Schau. Alte Maschinen, Arbeitskleidung, Handwerkzeuge und Alltagsgegenstände waren echte Hingucker. So liefen die Damen in schmucken, langen Kleidern mit Hut und Sonnenschirm neben bäuerlich gekleideten Männern und Frauen. Die zogen Handwagen, verziert mit Blumen, und trugen bäuerliche Arbeitsgeräte bei sich, darunter Harken, Sensen, Dreschflegel und Körbe. Wie passend, waren Behlitz und Pressen über Jahrhunderte echte Bauerndörfer.

Bei den Besuchern kam der Umzug an: "Das ist toll", sagte Chris Poltersdorf. Seit 2006 wohnt er in Pressen. "Mir gefällt das Dorfleben, die Menschen sind sehr tolerant. Eine gute Dorfgemeinschaft, in der man gern lebt." Den Festumzug verfolgte er mit Sohn Colin. Vor ihrer Hoftür hatte es sich Hildegard Hennig gemütlich gemacht und schaute dem bunten Treiben zu. "Da steckt ganz viel Arbeit drin. Es ist beeindruckend, was die Leute hier auf die Beine stellen", erzählte sie. "Mein lieber Mann, der leider schon verstorben ist, hat mich 1951 hier her geholt. Ja, der Liebe wegen hat es mich hier her verschlagen und mir hat es hier immer gefallen. Auch meine beiden Kinder haben diesen Ort gern und wohnen ganz in meiner Nähe."

Das Gebiet um Pressen war früher bewaldet, heute ist davon nur noch das Waldstück Kämmereiforst erhalten. 1950 wurde Behlitz nach Pressen eingemeindet. Am 11. Oktober 1965 schloss sich Pressen mit der Gemeinde Kospa zur Gemeinde Kospa-Pressen zusammen. Seit dem 1. Januar 1997 sind Pressen und Behlitz Ortsteile der Stadt Eilenburg. Trotzdem stehen beide Dörfer für typisches Landleben, waren die Vorfahren vieler Familien als Bauern tätig. "Wressen", so heißt es in der kleinen Festschrift des Heimatvereins Kospa-Pressen, bedeutete im Altsorbischen einst "Heide oder Heidekraut". Das ebenso wie das Nachbardorf 1340 erstmals als "Bilicz" (niedrig gelegenes Land) erwähnte Behlitz könnte als "feuchte Wiese" oder "heller, lichter Ort" mit vielen Birken gedeutet werden.

Ortsvorsteherin Roswitha Feustel (parteilos) hält die Dörfer unverzichtbar für die Ausprägung Eilenburgs. Es sei in den Ortschaften auch nach der Eingemeindung viel passiert. In Behlitz wurde die Kirche saniert, zuletzt die Straßenbeleuchtung erneuert, Spielplätze wurden gebaut und zwischendurch bereits wieder erneuert. Doch es sei wichtig, dass es einen eigenen Ortschaftsrat für die Ortsteile gebe, ein Gremium, das die Interessen vertritt. Die Ortschefin selbst ist quasi ansprechbar für jedermann. Die Rentnerin hilft, wo sie kann, fährt, wenn's sein muss, sogar mal jemanden zum Arzt. Letztlich gehe es in Behlitz, wo sie wohnt, schon fast familiär zu, stellt Roswitha Feustel fest. Gerade die Vorbereitungen des Festes hätten gezeigt: Hier hilft jeder jedem. "Auf der einen Seite gibt es die ruhige ländliche Umgebung, auf der anderen ist die Stadt auch nicht weit", sieht die aus Thüringen Stammende die Vorteile des Wohnens in den Dörfern. Trotzdem: Einwohnerzuwachs konnten die Orte in den vergangenen Jahren nicht verbuchen. "Aber wir hatten schon Zuzüge", stellt Feustel fest. Schließlich wurde zum Beispiel bei Errichtung der Papierfabrik in Behlitz eine extra Siedlung gebaut. Die bis heute Finnen-Eck genannt wird, weil die Papierfabrik zum finnisch-schwedischen Konzern Stora Enso gehört. Behlitz zählt zirka 180 Einwohner, 215 das Dorf Pressen.

Neben Behlitz und Pressen gibt es auch noch weitere Dörfer, die ebenfalls zu Eilenburg gehören."Wir werden auch Kospa und Zschettgau nicht vergessen", verspricht die Ortsvorsteherin mit Blick auf deren Ersterwähnungen. Für Zschettgau steht das 675. Jubiläum in zehn Jahren an. Der Name Kospa tauchte bereits eher in den Urkunden auf: Dort kann 2033 das 800-Jährige gefeiert werden. 2029 wäre in Hainichen 500-Jähriges zu begehen und in Wedelwitz sogar 2031 das 1000-Jährige.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.06.2015
Heike Liesaus und Thomas Jentzs

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