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Eilenburg Mulde bahnt sich bei Bad Düben einen neuen Weg durch alte Kiesgrube
Region Eilenburg Mulde bahnt sich bei Bad Düben einen neuen Weg durch alte Kiesgrube
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06:00 17.09.2016
Mulde und Kiesgrube (unten) sind auf dieser alten Gewässerkarte noch zwei separate Teile. Der Muldebogen rechts wird in den nächsten Jahren wohl ein sogenannter Altwasser-Arm, wenn sich der Fluss den kürzeren Weg durch den See gebahnt hat. Quelle: Repro: Karin Rieck
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Bad Düben/Eilenburg

Noch 19 Kilometer sind es auf gut ausgebauten Wegen für Radler und Wanderer durch die Muldeaue laut Wegweiser bis Eilenburg, 3,5 bis Niederglaucha in der Gemeinde Zschepplin, nur wenige Meter bis zur B 2/B 107 am Ortseingang Bad Düben nahe Profiroll. Hier brechen dieser Tage Mitglieder der Naturschutzbund (Nabu)-Gruppen Eilenburg und Bad Düben zur Exkursion rund um die ehemalige Kiesgrube und den inzwischen entstandenen kleinen See im Süden der Kurstadt auf. Soweit das bei dieser Zwei-Stunden-Tour überhaupt möglich ist: Die Mulde bahnt sich in diesem Bereich Jahr um Jahr einen neuen Weg – vorbei an menschlichen Vorstellungen und Wünschen. Darunter die der Angler in dem Revier, die sich wohl an dieser Stelle ein ruhigeres Fischgewässer gewünscht hätten für ihre Ausbeute, vermutet Ronny Papenfuß. Der Pristäblicher kennt sich hier aus. Er leitet nicht nur die Dübener Nabu-Gruppe und arbeitet im Vorstand der Eilenburger mit. Den Verlauf der Mulde bei Laußig dokumentiert der Naturfreund und Biberbetreuer bereits seit der Jahrtausendwende. „Dort gab es in dieser Zeit teilweise Differenzen im Verlauf von über 100 Metern.“ Nicht nur im Ergebnis von Hochwassern. „Schon ein Stein genügt, der von Eisgang fortbewegt wird, schon hat der Fluss wieder Angriffsfläche.“ Solch eine Dokumentation wäre auch im Umfeld der alten Dübener Kiesgrube interessant.

Alter Schutzdeich ist Hindernis für Paddler

Durch die Reste eines ehemaligen Schutzdeiches für die Kiesförderung – die bis zur Wendezeit im Süden von Düben noch lief, bis weitere Grubeninvestoren im Umfeld dem ehemaligen Kombinat Konkurrenz machten – hat sich der Fluss in den vergangenen gut zwei Jahrzehnten bereits seinen Weg durch einen Teil des Kiessees gebahnt. „An dieser Stelle müssen Schlauchboot-Ausflügler aufpassen, dass sie sich am Gestein nicht das Gefährt kaputt machen“, mahnt Dieter Wend. Der Mörtitzer führt die Gruppe an diesem sommerlichen Vormittag und kann auch einen Spontan-Gast aus Eilenburg begrüßen, der sich mit dem Boot vor einiger Zeit just in diesem Bereich verfuhr. Aus der Kiessee-Sackgasse aber wieder herausfand und sich nunmehr dafür interessiert, „was hier eigentlich Phase ist“.

Gleich zwei Muldedurchbrüche

Gleich zwei Mulde-Durchbrüche der Kiesgrube haben inzwischen an dieser Stelle ein kleines Delta geschaffen. Es entstandenen interessante Biotope, die ihre Spuren, auch dank Niedrigwasser und frei liegender Kieshäger, bei dieser Gelegenheit deutlich offenbaren: „So etwas sieht man nicht alle Tage“, zeigt Papenfuß auf frische Fischotter-Abdrücke im feuchten Sand. An einer Stelle hat das kleine, streng geschützte Raubtier nach Schnecken und Muscheln gegraben. Nicht weit davon entdeckt der Naturschützer eine Teichmuschel mit respektablen gut zehn Zentimeter Umfang, ihr Alter verraten Jahresringe. Sie könne doppelt so groß werden, erklärt der Pristäblicher. Und mit Genugtuung registrieren die Nabu-Mitglieder außerdem das Wachstum auf einem Weidenhäger, der auf dem kiesigen Untergrund für einen künftigen kleinen Auenwald Pionierarbeit leistet. Durch die früher übliche Wanderschäferei hätten solche Entwicklungen keine Chance gehabt, war zu erfahren. Weichhölzer wie Weiden und Erlen könnten auch Hochwassern trotzen.

Künstliche Barrieren für Kleintiere

Natürlich gehört der Hochwasserschutz – neben einer Fülle von Informationen zu seltenen Arten von Fauna und Flora in diesem geschützten Kerngebiet der Muldeaue – zu den Themen des Tages. Beim Einbau von hohen Wegebetonkanten und Deichsicherungen müsste mehr auf Querungsböschungen für Kleintiere geachtet werden, gibt es Kritik an künstlichen Barrieren in der Auelandschaft. „Dass nach den großen Überflutungen der vergangenen Jahre die nahe B 2 nicht deutlich höher und mit Durchlässen neu errichtet wurde“, versteht der Eilenburger Thomas Schulze nicht.

Von Karin Rieck

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