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Mutmaßlicher Mörder von Lion war polizeibekannt - Junge aus Eilenburg stirbt nach Misshandlung

Mutmaßlicher Mörder von Lion war polizeibekannt - Junge aus Eilenburg stirbt nach Misshandlung

Der mutmaßliche Mörder des kleinen Lion aus Eilenburg ist polizeibekannt, aber noch nicht wegen Gewalttaten aufgefallen. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz am Dienstag gegenüber LVZ-Online.

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Quelle: Manfred Lüttich

Eilenburg. „Er ist aber ein relativ unbeschriebenes Blatt“, sagte der Sprecher der Anklagebehörde, ohne aber sein genaues Vorstrafenregister zu nennen.

Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz seien aber nicht darunter. Anwohner hatten von lauten Partys in der Wohnung in der Windmühlenstraße berichtet. Dort lebte der Mann mit seiner 20 Jahre alten Freundin und deren 19 Monate alten Sohn.

Lion war am Sonntag nach massiven Gewalteinwirkungen gestorben. Wie am Montag bekannt wurde, war das Kind zuvor offenbar schwer misshandelt worden. Ärzte der Leipziger Kinderklinik konnten es trotz intensiver Bemühungen nicht retten.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Leipzig wurde vom Ermittlungsrichter des Amtsgerichtes Leipzig gegen den 20-Jährigen Lebensgefährten wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes aus niederen Beweggründen erlassen. "Der Vollzug der Untersuchungshaft wurde angeordnet", so der Leipziger Oberstaatsanwalt Ricardo Schulz.

„Er sitzt jetzt ganz normal in einer Geimeinschaftszelle in Haft“, sagte Susann Mielke, Sprecherin der JVA Leipzig. Es sei aber durchaus denkbar, dass er noch einmal verlegt werde. Der Tatverdächtigte sei auf jeden Fall haftfähig.

Der 20-jährige Mann, der nicht der Vater des Kindes ist, bestreitet die Tat. In einer weiteren Vernehmung beim Ermittlungsrichter habe er dann die Aussage verweigert, so Schulz. Gegen die Mutter des Jungen liege dagegen derzeit kein Anfangsverdacht vor.

Was sich genau in der Wohnung in der Windmühlenstraße im Eilenburger Osten abgespielt hat, ist derzeit noch unklar. Die 21 Jahre alte Mutter des Jungen soll offenbar Sonntagnacht den Notarzt gerufen haben. Ob sie ihren Lebensgefährten zuvor mit dem Kleinkind allein gelassen hatte und er möglicherweise überfordert war, konnte Behördensprecher Schulz nicht sagen.

"Die Todesumstände müssen noch aufgeklärt werden", teilte er mit. Der Notarzt hatte das Kleinkind in die Leipziger Uni-Klinik eingewiesen. Dort wurde es sofort operiert. Die inneren Verletzungen seien aber so schwer gewesen, dass der 19 Monate alte Junge im Laufe des Sonntag starb.

"Die Ermittlungen zur genauen Todesursache und zum mutmaßlichen Tatgeschehen dauern noch an", so Schulz. Die Leiche des Kindes sei obduziert worden. Ergebnisse liegen noch nicht vor. Es seien jetzt noch Nacharbeiten im Labor notwendig.

Nachbarn im Haus und im Wohngebiet nahmen die Nachricht vom Tod des Kindes mit Erschütterung auf. Bewohner aus dem Mehrfamiliengebäude, die wie die Mutter im dritten Stock leben, wollen nichts von dem mitbekommen haben, was geschah. Man habe sich kaum gekannt, nur von Zeit zu Zeit mal gesehen.

"Der Junge hat viel geweint. Wenn die Mutter aus der Krippe nach Hause kam, hat er sich schon gewehrt und wollte nicht nach oben in die Wohnung", berichtete eine Rentnerin, die in der Etage drunter lebt. Sie habe schon mehrmals die Polizei gerufen, weil in der Wohnung oft Lärm gewesen sei, sich die jungen Leute ständig gestritten hätten. "Die haben sich fast jeden Tag geschlagen und mit Gegenständen geworfen", erzählte die ältere Dame.

Erst am Donnerstag sei sie beim Vermieter, der Eilenburger Wohnungsbau- und Verwaltungsgesellschaft, vorstellig geworden und habe sich zum wiederholten Mal beschwert. "Die haben gesagt, sie würden der jungen Familie schreiben. So etwas haben wir hier noch nicht erlebt. Das ist wirklich schlimm."

Eine Verkäuferin im benachbarten Getränkeshop, bei der der mutmaßliche Täter ab und zu Zigaretten gekauft haben soll, berichtete, der Mann sei erst vor einigen Tagen mit einer Reisetasche da gewesen und habe erzählt, er wäre zu Hause rausgeflogen. "Aber nach kurzer Zeit war er wieder da."

Bereits vor einem Jahr geriet Eilenburg mit einem ebenso traurigen Ereignis in die Negativ-Schlagzeilen. Damals hatte der 39-jährige Lutz-Peter S. die neunjährige Corinna aus Eilenburg sexuell missbraucht und anschließend getötet. Gegen den ebenfalls aus Eilenburg stammenden Mann hatte das Landgericht Leipzig am 31. März eine lebenslange Haftstrafe verhängt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt.

Kathrin Kabelitz/Karin Rieck/Matthias Roth

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