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NVA-Führungszug künftig als rollendes Museum auf Schienen unterwegs

NVA-Führungszug künftig als rollendes Museum auf Schienen unterwegs

Seit Jahren steht ein Relikt aus NVA-Zeiten auf überwucherten Gleisen eines Bundeswehr-Munitionslagers im sächsischen Mockrehna nahe Torgau. In den sechs Waggons ist die Zeit vor 20 Jahren stehen geblieben, eine Staubschicht hat sich über die Innenausstattung gelegt.

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Zum Zug gehörte unter anderem eine Küche.

Quelle: Roger Dietze

Mockrehna. Original-DDR-Bohnerwachs, dutzende graue Wählscheibentelefone, Schreibmaschinen, Blechkochtöpfe und sozialistische Funktechnik gehören dazu. „Hier gibt„s noch DDR- Fernmeldetechnik vom Feinsten“, schwärmt Peter Brand von der Stiftung „Kultur auf Schienen“, die den Teil des NVA-Führungszuges am Dienstag von der Bundeswehr geschenkt bekommen hat und der Nachwelt erhalten will.

Die DDR-Oberen hatten sich mehrere Reichsbahnzüge speziell ausstatten lassen. Neben dem Führungszug der Nationalen Volksarmee (NVA), der regelmäßig durchs Land rollte, gab es etwa noch einen Regierungszug und einen Zug des Verkehrsministeriums. Den Regierungszug, in dem sich etwa 1970 Bundeskanzler Willy Brandt und DDR-Ministerpräsident Willi Stoph trafen, hat der Boogie-Woogie- Musiker Axel Zwingenberger bereits vor einigen Jahren erworben. „Schon als Kind war ich von Dampfloks fasziniert. Irgendwann vor einiger Zeit stieß ich auf das Thema der verschollenen DDR-Waggons von Regierung, NVA und Verkehrsministerium. Die sollten teils auf den Schrott!“, schildert der gebürtige Hamburger.

Er gründete die Stiftung und ließ die alten Waggons als Kulturdenkmal „Sammlung historischer Schienenfahrzeuge“ ins Denkmalverzeichnis Sachsen-Anhalt aufnehmen. Im alten Bahnbetriebswerk in Wittenberg haben die Züge ihr neues Domizil - und werden dort langsam instand gesetzt. „Das ist eine Aufgabe für viele Jahre“, sagt Zwingenberger. Was es kosten wird, weiß er noch nicht. Die Waggons sollen Stück für Stück renoviert werden. 2011 will der Musiker der Öffentlichkeit beim Tag des offenen Denkmals erste Ergebnisse präsentieren. Später sollen die Züge ein rollendes Museum sein.

Die weißen Gardinen sind vergibt und einige Fensterscheiben zersplittert, doch das Wesentliche ist im NVA-Führungszug noch gut erhalten: In der Truppenküche stehen die riesigen Töpfe so da, als wären sie gerade benutzt worden; im OP-Waggon befinden sich eine OP- Liege samt Spezial-Lampe, Medizinschränke und ein Tischsterilisator. Im Nachbarwaggon hängen im Krankenraum dutzende Pritschen.

Der Zug sei eine rollende Kommandostelle gewesen, die etwa bei Manövern eingesetzt wurde, berichtet Brand, der wie Zwingenberger aus dem Westen Deutschlands stammt und Offizier der Bundeswehr war. Auch hohe militärische Gäste wurden mit dem rollenden NVA-Relikt befördert - etwa der nordkoreanische Generalstabs-Chef. Zur militärischen Stammbesatzung gehörten 28 Mann, hinzu kamen ausgesuchte Reichsbahner. Im Juni 1984 sei bei einem großen Manöver auch Honecker mitgefahren, weiß Brand. Und: „Im Ernstfall hätten die Generäle rein theoretisch von dem Zug aus auch die Armee befehligen können.“

Sophia-Caroline Kosel, dpa

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