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Nach 105 Jahren ist Schluss: Weltewitzer Bäckerei stellt den Betrieb ein

Handwerk Nach 105 Jahren ist Schluss: Weltewitzer Bäckerei stellt den Betrieb ein

Der Weltewitzer Bäcker Roland und seine Frau Doris Fiedler backen am Sonnabend zum letzten Mal für ihre Kunden. Dann schließen sie das Geschäft und damit die letzte Bäckerei in der Gemeinde Jesewitz. Damit liegt das Ehepaar leider im Trend.

Ob traditioneller Mischbrot-Dreipfünder, Fladenbrot, Kuchen oder Brötchen – Doris Fiedler wird sie nun nur noch bis Sonnabend im Weltewitzer Geschäft verkaufen.

Quelle: Heike Liesaus

Weltewitz. Mit 23 Jahren hat er als Bäckermeister in Weltewitz angefangen. Nun sind er und seine Frau über 65. Am Sonnabend wollen Doris und Roland Fiedler zum letzten Mal in der Backstube und im Laden stehen. Danach ist also Schluss mit der Bäckerei im Jesewitzer Ortsteil. Es ist die letzte in der Gemeinde.

Immerhin haben die Fiedlers an diesem Standort auf eine 105-jährige Familien-Bäckerei-Geschichte zu verweisen. Großvater Willi war’s, der gemeinsam mit Frau Lina das Geschäft gründete. „Er hatte das Handwerk in Eilenburg in der damaligen Bäckerei Wagner in der Schulstraße gelernt“, erklärt der heutige Meister. 1938 übernahm Willis Sohn Rudi und 1959 dessen Bruder Kurt das Ruder. Wurde 1928 der altdeutsche Backofen eingebaut, kam 1972 der Dampfbackofen zum Einsatz. Außerdem erhielt die Weltewitzer Bäckerei ihren heutigen Look mit typischer 70er-Jahre-Fassade.

Die ganze Verwandtschaft hatte mit Bäckerei zu tun. „Selbst meine Mutter kam aus einer Bäckerfamilie aus dem Erzgebirge“, erklärt Roland Fiedler. Vielleicht hätte er auch in einer anderen Richtung ein hervorragender Handwerker sein können. Die selbst verlegten Fliesen und Klinker im kleinen Wintergarten und in der Werkstatt lassen darauf schließen. Als er lernte, gab es nicht so viele Bewerber für den Frühaufsteher-Beruf. Er hat’s 51 Jahre gern gemacht. Das zeigt der Geschmack der Backwaren. Im Laden stößt der Kunde auf traditionellen Brote und Brötchen ebenso wie Neuigkeiten mit Dinkel oder Fladenbrot. Aber da ist auch die eine oder andere Süßigkeit, die anderswo nicht zu haben ist. Ein luftig-weiches Gebäck mit Puddingfüllung und Schokoüberzug zum Beispiel. Im Obstkuchen mit Streuseln sind gerade Stachelbeeren, auch der Schmandkuchen sieht lecker aus. Dabei ist schon Nachmittag. Es gibt schon einige Lücken.

„Ja, sie kaufen alles leer“, sagt Doris Fiedler. Dieser Tage ist nochmal größerer Andrang als sonst. Aber generell konnte die Bäckerei darüber nicht klagen. Fiedlers Backwaren mochten nicht allein Welte- und Jesewitzer. Die Kennzeichen der Autos, die vor dem Laden halten, lassen darauf schließen, dass so mancher Leipziger oder Wurzener den Haken von der Bundesstraße nach Weltewitz fährt. „Es ist nicht so, wie es oft in der Zeitung steht: Große Bäckereiketten machen kleine kaputt“, betont der Bäckermeister. Eigentlich wäre so viel zu tun wie nie. „Rente ist für mich kein Lebensziel. Aber irgendwann geht’s nicht mehr.“ Ein Trend, der nicht allein Weltewitz betrifft: Zwar sei die große Welle der Schließungen mittlerweile vorüber, aber die Zahl der Betriebe werde in den kommenden Jahren weiter abschmelzen. Überwiegend, weil die Inhaber aus Altersgründen aufgeben, so die Einschätzung des Obermeisters der Bäckerinnung Frieder Francke. In den Städten treten oft noch Filialen größerer Bäckereien die Nachfolge an, in den Dörfern sieht das anders aus.

Die Fiedlers haben seit einigen Wochen an ihr Geschäft ein Plakat gestellt, auf dem sie auf die Schließung hinweisen. „Das gefällt mir gar nicht“, betont eine Kundin. Aber sie wünscht noch alles Gute: „Ist nun mal nicht zu ändern.“ Allerdings sind die Fiedlerschen Bäckergene nicht ausgestorben: Eine der Töchter, Ines Fischer, ist Konditorenmeisterin und Inhaberin einer Biobäckerei, die in Gewerberäumen in Taucha produziert und die Waren an Bio- und Naturkostläden in und um Leipzig liefert.

Von Heike Liesaus

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