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Eilenburg Nach Bau-Skandal: Stadträte wollen sich mit Zukunft des Eilenburger Kiessees befassen
Region Eilenburg Nach Bau-Skandal: Stadträte wollen sich mit Zukunft des Eilenburger Kiessees befassen
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00:18 09.04.2017
Bis Donnerstagnachmittag ist der Zustand der Bungalows am Kiessee äußerlich unverändert. Die Schwarzbauten sollen abgerissen werden. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Die ungenehmigt am Ufer des Eilenburger Kiessees errichteten Bungalows werden abgerissen. „Wir haben die Eigentümer aufgefordert, sie bis Mitte April zurückzubauen.“ Mit der Betreibergesellschaft des Freizeit- und Erholungszentrums (FEZ) soll über die weitere Entwicklung gesprochen werden. „Es ist beabsichtigt, das Gebiet trotzdem gemeinsam zu entwickeln, sonst könnten wir den Wald dort auch wieder aufwachsen lassen“, erklärte Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos). Bereits verlegte Leitungen im Bereich des Südstrandes müssten nicht aus dem Boden genommen werden, ebenso die Bodenplatten. Denn anders als die „personengebundenen Hochbauten“ könnten sie später Verwendung finden. Erneut wurde in der Einwohnerfragestunde des Stadtrates gefordert, den Vertrag mit den Pächtern zu lösen. Scheler erklärte, dass die Verwaltung darüber gemeinsam mit den Stadträten entscheiden werde. Die LVZ hat in den Rats-Fraktionen nachgefragt, wie es im und mit dem FEZ, aber auch allgemein am Kiessee weitergehen soll.

Christiane Prochnow, Fraktion die Linke: „Alle Beteiligten sollten angehört werden. Es wurde sich darauf verständigt, eine Arbeitsgruppe zu gründen, an der alle Fraktionen beteiligt sind. Sicher sollte bei dieser Gelegenheit auch die Perspektive des gesamten Sees in den Blick genommen werden, doch hier müssten finanzielle Möglichkeiten und Konsequenzen betrachtet werden. Aber soweit sind wir noch nicht.“

Torsten Pötzsch
,
SPD-Fraktion:
„Es wurde nicht allein gegen Baurecht, sondern auch gegen Eigentümerrechte verstoßen. Wenn die Schwarzbauten abgetragen sind, stehen die Dinge erst einmal auf Null. Es wird nicht im Sinne der Stadt sein, sich von der FEZ-Gesellschaft zu trennen. Potenzielle Betreiber stehen nun mal nicht gerade Schlange. Es ist dringend geboten, dass sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen und diskutieren, was getan werden sollte. Was lässt sich dort machen? Auf der einen Seite ist die öffentliche Nutzung gewollt, ohne dort öffentliche Gelder zu investieren. Auf der anderen Seite muss es für die Betreiber wirtschaftlich darstellbar sein. In Hinblick auf den gesamten Kiessee haben wir generell das Problem, dass für die Hälfte noch Bergrecht aufgrund des Betriebs des Kieswerks herrscht. Solang erobert die Natur die Ufer. Und wenn das Bergrecht irgendwann nicht mehr gilt, gibt Probleme mit den Naturschutz. Mit einem B-Plan-Verfahren kann abgeklopft werden, was überhaupt möglich ist.“

Steffi Schober, CDU-Fraktion: „Die CDU möchte im Interesse der Bewohner von Eilenburg, seiner Gemeinden sowie der Nachbargemeinden und aller Nutzer des FEZ eine transparente und juristisch saubere Aufarbeitung dieser Vorkommnisse, welche auch eine sehr gründliche Überarbeitung des Pachtvertrages umfassen muss. Auf dieser Basis und der Erarbeitung eines schlüssigen Nutzungs- und Sicherheitskonzeptes durch die FEZ GmbH kann dann eine zukunftsweisende Überplanung des FEZ erfolgen.“

Ellen Häußler,Fraktion Freies Bündnis: „Das FEZ soll bestehen bleiben und entwickelt werden. Sich von der Betreibergesellschaft zu trennen, geben schon die Verträge nicht her und es ist auch nicht wünschenswert. Die FEZ GmbH hat Fehler gemacht. Doch Waldabholzung wurde bereits geahndet. Die Fehler lassen sich korrigieren. Wenn jetzt der Bebauungsplan fürs Gelände entwickelt wird, sollte ausgelotet werden, was überhaupt an der Kiesgrube möglich ist. Da ist auch die Frage zu klären, welche touristischen Nutzungen am Ufer erlaubt werden. Wären zum Beispiel Hausboote wie an der Goitzsche möglich? Wenn Bungalows/Mobilheime gebaut werden können, warum nicht? Aber es sollte jeweils eine öffentliche Nutzung sein, es sollte sich also um mietbare Domizile handeln. Der Strand sollte nicht für andere Nutzer gesperrt werden. Außerdem sollte ermittelt werden, was sich die Camper wünschen. Wie kann die Anlage für die Zukunft gerüstet werden? Das müssen aber Fachleute klären, nicht die Stadträte. Denn wer von uns weiß, welchen Bedarf Camper haben? Es gibt ebenso Visionen für den gesamten Kiessee. Da ist schon lange, bereits zu Zeiten des vorigen Oberbürgermeisters, ein Radrundweg im Gespräch, auch gemeinsam mit der Nachbargemeinde Doberschütz. Aber es gibt viele Eigentümer. Das Bergrecht gilt noch.“

Von Heike Liesaus

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