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Nach Öffnung der B 107: Neuer Mut in Glaucha

Nach Öffnung der B 107: Neuer Mut in Glaucha

Glaucha. In Niederglaucha ist seit der Juni-Flut wieder Hoffnung zu spüren. Seit Donnerstagnachmittag ist der untere Teil des Zscheppliner Ortsteils Glaucha, durch den die Bundesstraße 107 von Wellaune nach Eilenburg führt, nicht mehr vom Durchgangsverkehr abgekoppelt.

Dass die Landestalsperrenverwaltung in Zusammenarbeit mit Bau- und Haustechnik Bad Düben die Reparatur der Trasse, die das Hochwasser vor gut vier Monaten auf mehreren hundert Meter überflutet hatte, gut zwei Wochen vorfristig fertigstellen konnte (wir berichteten), wird vor allem bei örtlichen Geschäftsleuten mit Genugtuung zur Kenntnis genommen.

"Das ist großartig. Und ich hätte nicht gedacht, dass es klappt", freut sich Heidrun Jentzsch spontan bei einer Stippvisite im unmittelbaren Umfeld der Straßenbaustelle. In diesem Bereich wird bekanntlich bis Ende November außerdem am Hochwasserschutz gearbeitet. Die Mutter des Inhabers des in der unmittelbaren Nachbarschaft ansässigen gleichnamigen Raum-Design-Betriebes, Candy Jentzsch, betont: "Wir brauchen die Durchfahrt für unsere Kunden. Die Umwege bedeuteten finanzielle Einbußen." Das Einkommen von sechs Mitarbeitern, für die im Juni Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen werden musste, hängt am Geschäftserfolg, ergänzt der Sohn, der wie seine Mutter hofft, den Ausstellungsraum an der Bundesstraße Ende des Jahres wiedereröffnen zu können. Zur Reparatur der Hochwasserschutzanlagen, darunter des Siels an der 107, ergänzt die Ex-Chefin, die die Betriebsleitung 2011 an den Sohn abgab, seien aber noch einige Fragen offen. Das wird wohl auch eines der Themen sein, mit denen sich die erst jüngst gegründete Bürgerinitiative Glaucha 1349 bei ihren Freitags-Treffs ab 18 Uhr im Landhaus Böhm beschäftigt. Das wichtigste Ziel des inzwischen rund 60 Mitglieder zählenden Vereins: Der HQ-100-Schutz für Glaucha, also vor einem Hochwasser, wie es statistisch alle 100 Jahre vorkommt.

Dass eine solche Katastrophe Glaucha ein drittes Mal in relativ kurzer Zeit heimsuchen könnte, hat auch Edeltraud Böhm, die Inhaberin des gleichnamigen Landhauses an der B 107, durchaus im "Hinterstübchen". Die Wiederaufbauarbeit in den vergangenen Wochen haben die Gedanken daran zwar beeinflusst, aber auch verdrängt. Und auf einen Neuanfang gerichtet, räumt sie ein. "Wir beginnen das Programm in unserem Landhaus wieder am 19. Oktober, mit einem Apfelfest", freut sich die kreative Frau auf das vor allem symbolisch gedachte Öffnen ihrer Türen nach einer für die Alleinstehende schweren Zeit. Viele Freunde und Helfer hätten aber dazu beigetragen, wieder Mut zu fassen. "Deshalb will ich nun den Zugang zum Landhaus wieder schön gestalten, damit die Passanten der Ortsdurchfahrt erkennen: Wir schauen nach vorn und können uns auch wieder freuen." Übrigens nicht nur über die Öffnung der Ortsdurchfahrt, sondern auch aufs Jahresendangebot im Hause Böhm, das dieser Tage im Internet aktualisiert werden soll.

Getrocknetes Gemäuer, funktionierende Heizung, frisch reparierte und farbenfroh renovierte Wände - auch in Margitta Hagemanns Haus hat sich seit der Flut vieles zum Positiven verändert. "Heute kommt alles auf einmal", schildert die bekannte Terrier-Züchterin und Inhaberin eines Hundesalons nicht nur die Freude ihrer Kunden, jetzt wieder den kürzesten Weg zu ihr nutzen zu können, "was sich übrigens schnell rumgesprochen hat". Stolz zeigt sie die neue Küche, die sie sich vom Geld der Versicherung geleistet hat, kümmert sich nebenbei um den Handwerker, der gerade neue Türen einbaut und zeigt, wo noch etwas aufzumöbeln wäre, damit sie bald wieder vom Ober- ins Untergeschoss ziehen kann.

So euphorisch zeigt sich Evelin Nagorny von der Bäckerei in der Nachbarschaft noch nicht. Denn hier läuft der Betrieb teilweise immer noch mit geliehener Technik, konnten Probleme mit der Kurzarbeit bei den zehn Mitarbeitern nur dank der Hilfe des Fluthilfestabs beim Kreis geklärt werden. Und wie bei den Flutopfern, die auf die Unterstützung der Sächsischen Aufbaubank warten, ist Bares noch nicht in Sicht. "Aber wir bekommen gute Unterstützung von einem Gutachter. Und wir hoffen, dass nun auch die Kunden, die den Umweg gescheut haben, jetzt wieder den Weg zu uns finden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.10.2013

Karin Rieck

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