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Nach Parkplatzrempler weitergefahren – Eilenburger vor Gericht

Amtsgericht Nach Parkplatzrempler weitergefahren – Eilenburger vor Gericht

Die Staatsanwaltschaft warf einem Eilenburger Rentner unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor. Er habe auf einem Parkplatz einen Pkw beschädigt. Davon will der 79-Jährige nichts mitbekommen haben. „Wenn ich es bemerkt hätte, hätte ich gewartet“, sagte er vor dem Eilenburger Amtsgericht. Eine Gutachter geht davon aus, dass er den Anstoß gehört haben muss.

Das Amtsgericht Eilenburg.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. „Ich höre nicht schwer“, erklärte Siegbert K. (Name geändert) mit Nachdruck vor dem Eilenburger Amtsgericht. Auch habe er das Autoradio an diesem Tag nicht angehabt, fügte er noch hinzu. Warum er das so genau weiß, wollte Amtsrichterin Carmen Grell von dem 79-Jährigen wissen. Die Antwort verblüffte sie einigermaßen. „Wenn meine Frau mitfährt, also mit im Auto sitzt, ist das Radio aus. Sie mag das nicht“, antwortete der Angeklagte. Er war gegen einen Strafbefehl in Einspruch gegangen, weil er der festen Überzeugung war, nicht unerlaubt vom Unfallort verschwunden zu sein.

Drei Wochen später Totalschaden

Doch die Staatsanwaltschaft hielt ihm genau das vor. Es sei im August beim Ausparken in Eilenburg zwischen seinem Pkw Renault Twingo und einem Pkw Audi A 3 zu einer Kollision gekommen. Der Rentner habe den Audi mit der Stoßstange erwischt. Ein Gutachter habe einen Schaden am Audi in Höhe von über 900 Euro festgestellt. „Sie haben keine angemessene Zeit gewartet, sind einfach weitergefahren“, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Der Strafbefehl über 15 Tagessätze zu je 30 Euro, insgesamt 450 Euro, ereilte den ehemaligen Berufskraftfahrer völlig überraschend. „Ich wäre nicht weggefahren, wenn ich auch nur die Ahnung gehabt hätte, dass ich angestoßen wäre“, sagte der Mann, der auf einen Rechtsbeistand verzichtete. „So anständig bin ich“, versicherte er dem Gericht. Es habe auch an seinem Fahrzeug keine Beule gegeben, lediglich ein paar kleine Kratzer. Der Mann sei mit seiner Frau vom Parkplatz heruntergefahren und erst drei Stunden später zurückgekehrt. Die Hausverwaltung habe ihn dann aber darauf hingewiesen, dass es wohl zu dem Parkplatzunfall gekommen sei und er sich doch bei der Polizei melden sollte. Was der Rentner auch tat. Der Fall wurde aktenkundig. Auch das Fahrzeug des Unfallgegners wurde dokumentiert. Etwa drei Wochen später habe dieses jedoch einen Totalschaden erlitten.

Gutachter sagt aus

Die Anklagebehörde ließ einen Gutachter die Schäden an beiden Autos untersuchen. Dazu dienten auch die Fotoaufnahmen des geschädigten Pkw. Der Spezialist kam zum Ergebnis, dass die Spurenbilder zueinander passten, beide Fahrzeuge beteiligt waren. Zudem sollte untersucht werden, ob der Fahrer des Renault den Anstoß hätte hören können. Ihn zu sehen oder Erschütterungen wahrnehmen, schloss er bereits aus. Der Gutachter ist sich aber sicher: Der Rentner muss ihn gehört haben.

„Hatten Sie vielleicht doch das Radio an“, frage die Richterin nochmals beim Angeklagten nach. Kategorisch verneinte der es. „Tragen Sie ein Hörgerät?“ hieß die nächste Frage. Kurze Antwort: „Brauche ich nicht.“

An dieser Stelle riet die Richterin dem Angeklagten, nochmals zu überlegen, ob er bei seinem Einspruch gegen den Strafbefehl bleibt oder ob er ihn nicht lieber zurückziehen will.

Ausweglose Lage eingesehen

„Ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass ich es nicht wahr. Ich fahren seit 59 Jahren Auto und hatte noch nie einen Unfall“, machte sich der Rentner nochmal Luft, sah dann aber seine ausweglose Lage ein. Die Beweise sprachen gegen ihn und so zog er den Einspruch, auch wenn er nicht zu verstehen schien, was gerade passierte, zurück. Die Zahlungsaufforderung der Staatsanwaltschaft wird ihn also in den kommenden Monaten erreichen. Auf eine Ratenzahlung will der Eilenburger verzichten. Vielleicht, um nicht jeden Monat an den aus seiner Sicht Nicht-Unfall erinnert zu werden. Vielleicht hätte es sogar noch vor Gericht eine Wende in dem Fall gegeben, wenn der Angeklagte eingeräumt hätte, dass er nichts gehört habe, weil das Radio an war. Aber es war ja nicht an.

Von Ditmar Wohlgemuth

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