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Nach Schelers überraschendem Triumph leckt Eilenburgs CDU ihre Wunden

Nach Schelers überraschendem Triumph leckt Eilenburgs CDU ihre Wunden

Als Ralf Scheler (parteilos) am Wahlsonntag auf der Ziegelstraße Höhe ECW unterwegs war, muss er zum ersten Mal richtig sauer auf seine Mitbewerberin Steffi Schober gewesen sein.

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Ausgelassene Stimmung beim Griechen: Wahlsieger Ralf Scheler (Mitte) und sein Team, darunter CDU-Anhänger, feiern den neuen OBM.

Quelle: Thomas Jentzsch

Eilenburg. Just vor seinem Wahlplakat hatte sich ein Kleintransporter mit dem Konterfei der 55-jährigen CDU-Kandidatin aufgebaut und sein Plakat verdeckt. "Das nehme ich jetzt wirklich persönlich! Was ist das für ein Kindergarten?", postete Scheler via Facebook. Und die Internetgemeinde stimmte fröhlich mit ein. Hätte er um diese Zeit bereits gewusst, dass er Schober und die anderen OBM-Kandidaten Torsten Pötzsch (40, SPD) und Jürgen Clauß (61, Die Linke) weit abgeschlagen hinter sich lassen würde, hätte der 51-Jährige wahrscheinlich darüber lachen können. Doch so klar war sein Durchmarsch nicht. Für die meisten Beobachter stand vielmehr fest: Es würde einen zweiten Wahlgang und möglicherweise ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Scheler und CDU-Hoffnungsträgerin Schober geben. Nicht wenige wiederum sahen Torsten Pötzsch als ärgsten Widersacher. Aber weit gefehlt. Scheler ist die Überraschung schlechthin bei dieser Wahl um den Chefsessel im Rathaus. Die politische Konkurrenz zollt ihm jetzt Respekt.

"Auch mich hat diese eindeutige Entscheidung für Ralf Scheler überrascht", räumte Steffi Schober gestern freimütig ein. Zuerst zeigte sie sich allerdings "froh, dass fast 45 Prozent in Eilenburg zur Wahl gegangen sind". Die demokratische Entscheidung der Urnengänger müsse man "akzeptieren und respektieren", so die 55-Jährige, der außerdem ein "Dankeschön meinen Wahlkampfhelfern und Unterstützern" am Herzen lag. Nunmehr hoffe sie "auf eine weitere positive Entwicklung der Stadt". Als Vorsitzende des Burgvereins, im Stadtrat sowie im Kreistag wolle sie sich dafür auch künftig einsetzen.

Torsten Pötzsch zeigte sich noch am Wahlabend als fairer Verlierer, gratulierte via Facebook. Der 40-Jährige verhehlt aber seine Enttäuschung nicht: "Mit dem großen Abstand habe ich nicht gerechnet." Eine klare Analyse, auch hinsichtlich der gesetzten Wahl-Themen, sei indes noch nicht möglich. "Ralf Scheler hat sicher mehr den Nerv getroffen, zum Beispiel, wenn es um die Zukunft der Stadt geht", spielte Pötzsch auf eine Wahlforum-Aussage Schelers an, als dieser als einziger der vier Kandidaten die Hoffnung nährte, der demografischen Abwärts-Entwicklung in Eilenburg entgegenwirken zu können. Doch Pötzsch zeigte sich kämpferisch. Er habe in den zurückliegenden Monaten viel gelernt, was er zum Wohle der Stadt in die Ratsarbeit einfließen lassen werde.

Jürgen Clauß gratulierte Scheler ebenfalls "ganz herzlich zu dem klaren Ergebnis", wünschte ihm "Gesundheit und viel Erfolg im Wirken für unser Eilenburg". Im Stadtrat wolle er auch weiterhin konstruktiv mitarbeiten, "solange dabei die freiwilligen Aufgaben der Stadt erhalten bleiben". Schließlich dankte Clauß seinen Wählern für das Vertrauen.

Ralf Scheler gelang in allen acht Wahlbezirken sowie bei der Briefwahl der überzeugende Durchmarsch. Unterm Strich steht allerdings auch: Nicht mal jeder zweite Eilenburger ist zur Wahl gegangen, die Wahlbeteiligung lag bei 44,7 Prozent. Ein schwacher Trost mag da sein, dass dieser Wert 2008, als der damalige Amtsinhaber Hubertus Wacker (parteilos) und Mathias Gürke (CDU) antraten, gar noch tiefer lag - 38,8 Prozent.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.06.2015
ka/kr/nf

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