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Eilenburg Nach Wirbel um Straßennamen: Eilenburg bekommt jetzt einen Henri-Weg
Region Eilenburg Nach Wirbel um Straßennamen: Eilenburg bekommt jetzt einen Henri-Weg
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19:10 09.03.2016
Einige Jahrzehnte lang führte die Eilenburger Süßwarenfabrik den Namen Henri, nun soll die Erschließungsstraße eines Mischgebietes so heißen. Quelle: Alexander Bley
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Eilenburg

Statt Artur-Henze-Weg wird die Erschließungsstraße für das Mischgebiet Schlossberg jetzt Henriweg heißen. Der Grund: Es konnte nicht eindeutig geklärt werden, ob der Mitbegründer der Süßwarenfabrik nicht doch dem Nationalsozialismus nahe stand. Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) hatte die Nachfahren im Vorfeld über die bevorstehende Änderung der im vorigen Jahr getroffenen Entscheidung informiert. Der Stadtrat wollte diese nicht vorher treffen.

Olaf Hirsch, Geschäftsführer der früheren Eilenburger Niederlassung der Henri Süßwaren GmbH und Co. KG, hatte im Zuge der angedachten Straßenbenennung mögliche Verstrickungen des Firmengründers mit dem Nationalsozialismus ins Spiel gebracht. Falls die Straße Henze-Weg genannt wird, habe er der Stadt signalisiert, sich an „die sächsische und die Bundesregierung und an die jüdische Gemeinde zu wenden“, sagte OBM Ralf Scheler. Den Vorwürfen sei nachgegangen worden. Unter anderem wurden Protokolle der Entnazifizierungskommission gesichtet. Es fand sich keine Bestätigung. „Doch was ist, wenn uns nach einem halben Jahr doch ein Nachweis ins Haus flattert?“, erklärte Scheler, als Stadtrat Hans Poltersdorf (CDU) zweifelte: „Müssen wir uns so verbiegen?“

„Es ist kein schöner Zug, Leute zu diffamieren“, kommentierte Paul-Tilo Geißler (CDU). „Aber mit Henriweg kann ich gut leben. Viele Leute verbinden mehr mit dem Namen Henri als mit Henze.“ Die Entscheidung fiel mit großer Mehrheit.

Arthur Henze und Martin Friedrich gründeten 1903 das Süßwaren-Unternehmen in Eilenburg. Ab 1922 firmierte es als Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik Henze AG. Diese wurde nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet. Sie wurde zum VVB/VEB Süßwaren und aus dem Namen Henze Henri. Mit der Wende übernahm der Storck-Konzern das Unternehmen. Er trennte sich jedoch bald wieder: 1991 ging die Firma an das Familienunternehmen Hirsch aus den alten Bundesländern. Später zog sie vom Areal am Schlossberg, wo die Gebäude später abgebrochen wurden und nun das Mischgebiet entsteht, ins Gewerbegebiet Schanzberg. 2012 wurde Henri Süßwaren in Eilenburg geschlossen, verloren 50 Mitarbeiter ihren Job.

Von Heike Liesaus

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