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Nach derm Hochwasser: Wegziehen ist in Glaucha keine Option

Nach derm Hochwasser: Wegziehen ist in Glaucha keine Option

Glaucha. Noch ein Jahr, so denkt Gudrun Weise, wird es dauern, "bis wieder halbwegs Normalität einzieht". Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass das Grundstück der Weises wie die meisten anderen in Glaucha, Gemeinde Zschepplin, vom Mulde-Hochwasser überschwemmt wurde.

Die Eheleute Gudrun und Bernd Weise hat es wie eine knappe Handvoll weiterer Familien im Ort besonders hart getroffen: Sie fangen ganz von vorn an und bauen neu. Trotzdem nehmen sie sich die Zeit, neben den privaten Sorgen auch die örtliche Bürgerinitiative (BI) HQ-100-Schutz für Glaucha zu unterstützen.

 

 

Thomas Hartmann, der BI-Vorsitzende, und seine zweite Stellvertreterin Gudrun Weise sind Nachbarn in Oberglaucha. Gründe für den regelmäßigen Kontakt gibt es reichlich - nicht nur wegen der BI. Dieser Tage erzählt die Glauchaerin von ihrer "fünften Baustelle" auf dem Drei-Seiten-Hof mit dem 115 Jahre alte Wohnhaus. Das war Ende der 1980er-Jahre fertig saniert und nach der Flutung 2002 noch einmal seniorengerecht ausgebaut worden. Nun geben die Weises die "Lebensbeschäftigung Bauen" an dem betagten Gebäude auf. Nebenan soll eine ehemalige Scheune auf dem Gelände des Anwesens aufgestockt werden. 2,50 Meter weiter oben hoffen die Eheleute, die zurzeit in einem Übergangsquartier am Rand von Delitzsch leben, in einer neuen Wohnetage Frieden vor der ruhelosen Mulde zu finden. So weit das möglich ist. "Bei uns läuft zurzeit vieles auf Sparflamme und Stück für Stück", umschreibt die berufstätige Mittfünfzigerin zurückhaltend die Belastungen, die nicht nur finanziell - trotz der Versicherung - erneut zu stemmen sind. Geärgert hat sie sich dieser Tage über die Aussage eines Landespolitikers im Radio, dass Wohnen in schöner Flussauenlandschaft auch einen Preis habe. "Wir leben hier seit mehreren Generationen, nicht wegen der schönen Aussicht. Wegziehen ist keine Option, das zahlen weder Freistaat noch Versicherung", macht sich Gudrun Weise Luft. Und spricht damit für die meisten Glauchaer. Und die BI.

Diese hat in den vergangenen Monaten schon viel bewegt, wie mehrfach berichtet, um dem künftig notwendigen Hochwasserschutz in diesem Bereich bis in die höchsten Ebenen Gehör zu verschaffen. Eigentümer von 96 Wohngebäuden, 98 Haushalten, 87 Nebengebäuden, Einfriedungen und ähnlichem, 23 gewerblichen Betrieben und den beiden Kirchen beklagen in Nieder- und Oberglaucha insgesamt einen Flutschaden in Höhe von 15,5 Millionen Euro. Anfang März, ergänzt Thomas Hartmann, nahm sich auch Staatssekretär Fritz Jaeckel (CDU) mit Vertretern der Landestalsperrenverwaltung und der Umweltbehörde des Kreises über drei Stunden Zeit für einen Ortstermin an vorhandenen Hochwasserschutzanlagen und habe dabei "viele neue Erkenntnisse gewonnen". Zunächst gehe es darum, den Ort vor normal erhöhten Pegeln zu schützen. Ein HQ50-Schutz sei in Planung, wie in der jüngsten Mitgliederversammlung der BI informiert. Der HQ100-Schutz aber weiterhin das Ziel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.04.2014
Karin Rieck

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