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Nach tödlichem Auffahrunfall – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Geldstrafe Nach tödlichem Auffahrunfall – Amtsgericht Eilenburg fällt Urteil

Bei einem Verkehrsunfall im Juni 2016 bei Wiedemar verliert ein Pkw-Fahrer sein Leben, ein Insasse wird so schwer verletzt, dass er dauerhaft ein Pflegefall sein wird. Ein Lkw-Fahrer war nur einem Moment nicht aufmerksam genug und löste damit eine Tragödie aus. Das Amtsgericht Eilenburg verurteilte ihn nun zu 8000 Euro Geldstrafe.

Rettungskräfte kümmern sich um den schwer verletzten Beifahrer. Der Fahrer verstarb im Fahrzeug. Ein Lkw hatte den Pkw von hinten gerammt.

Quelle: Ditmar Wohlgemuth

Eilenburg/Wiedemar. Es war eigentlich ein herrlicher Juni-Tag im vergangenen Jahr, sommerlich warm. Klaus D. (71/Name geändert) war gegen 13 Uhr mit seinem VW Golf unterwegs und hatte sich auf einen Nachmittag im Garten gefreut. Ein langjähriger Schulfreund begleitete ihn. Doch beide Männer kamen nicht an. Sie wurden Opfer eines tragischen Verkehrsunfalls. Klaus D. starb wenige Minuten nach einer Kollision mit einem Lkw, der Beifahrer erlitt lebensgefährliche Verletzungen und wird zeitlebens querschnittsgelähmt bleiben.

Angeklagt in Eilenburg

Der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung war jetzt der Fahrer des Lkw, Bert A., vor dem Amtsgericht Eilenburg angeklagt. Der 55-jährige Berufskraftfahrer aus dem Saalekreis war am Unfalltag mit einem Abschleppfahrzeug von Halle nach Radefeld unterwegs und musste dabei auch die Überfahrt über die Autobahn 9 bei Wiedemar passieren.

Pkw will abbiegen, Lkw fährt auf

An der Einmündung nach Kölsa hatte sich Klaus D. dann mit seinem Pkw bereits nach links eingeordnet, den Blinker betätigt und war fast zum Stehen gekommen. Er musste einem entgegenkommenden Motorradfahrer die Vorfahrt gewähren. Der Kradfahrer hatten die Situation bereits von Weitem im Blick. Sah auch, dass der Lkw mit etwa 60 Kilometer pro Stunde in Richtung des Pkw fuhr. Er fragte sich da schon, wann der Lkw endlich langsamer werden will. Als der Kradfahrer den Pkw passierte, war er sich sicher: „Das schafft der nicht mehr.“

Dank an die Ersthelfer

In dem Moment habe es bereits gekracht, Glassplitter flogen durch die Luft. Sie trafen auch den Motorradfahrer, der als Zeuge vor Gericht aussagte. Er habe dann kurz vor der Autobahnzufahrt gewendet und sei zum Unfall gefahren. Zwei Ersthelfer waren bereits da. Zu dritt kümmerte sie sich um die Verletzten. Dafür dankte ihm die Amtsrichterin Petra Wendtland ausdrücklich. Leider sei das heute keine Selbstverständlichkeit, sagte sie.

Geständiger Angeklagter

Das Geschehen räumte auch der Angeklagte über seinen Rechtsanwalt Johann Christoph Schaar bis dahin ein. Er selbst äußerte sich zunächst nicht, weil ihm davon nicht mehr viel im Gedächtnis geblieben sei und weil ihn alles psychisch sehr mitnehme. Was er aber noch wisse, ist, dass er sich wahrscheinlich auf den abseits der Straße stehenden Pkw konzentriert habe, weil er vermutete, dass eine der zwei dort daneben stehenden Personen auf die Fahrbahn treten könnte.

Bremslichter gesehen und gebremst

Bert A. habe die Bremslichter des Pkw wahrgenommen, auch versucht selbst noch zu bremsen. Wann das geschehen sei, konnte auch ein Gutachter nicht mehr feststellen. Beim heutigen Stand der Technik komme es bei eingeschaltetem Antiblockiersystem nicht mehr zum vollständigen Blockieren der Räder, machte der Dekra-Mann deutlich. Bremsspuren Fehlanzeige.

Verhängnisvolle Folgen

Dass der Auffahrunfall so verhängnisvolle Folgen hatte, führt der Experte vor allem auf die besondere Bauart des Lkw zurück. Er war im Frontbereich besonders versteift, um auch von dieser Seite Fahrzeuge bergen zu können. „Die volle Energie des Aufpralls bei etwa 55 Kilometer pro Stunde traf so den Pkw“, erklärte der Gutachter. Die Körper der Insassen wurden erst nach hinten, dann wieder nach vorn katapultiert, die Kopfstützen brachen dabei ab. Beim Fahrer zerbrachen die Brust- und Halswirbelsäule, zudem riss die Brustschlagader. Ähnlich schwer traf es den Beifahrer. Er überlebte, ist aber ein dauerhafter Pflegefall.

Erst den Sohn, dann den Mann verloren

Die besondere Tragik dieses Falles erklärte die Nebenklägervertreterin. „Vor 20 Jahren verlor die Mutter ihren Sohn, die Tochter ihren Bruder bereits durch einen Verkehrsunfall, jetzt war es der Mann und Vater.“ Die Angehörigen hatten vor allem den Wunsch nach einer Erklärung, nicht nach einer hohen Bestrafung.

Geldstrafe gefordert

Staatsanwalt Ronny Duckstein forderte eine Geldstrafe in Höhe von 180 Tagessätzen zu je 50 Euro (9000 Euro). Auch für die Verteidigung schien eine Geldstrafe angemessen. Ihr Mandant sei nicht vorbestraft, habe auch keine Einträge im Fahreignungsregister, was bei einem Lkw-Fahrer höchst selten sei.

Urteil rechtskräftig

Richterin Wendtland verurteilte Bert A. schließlich zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu je 50 Euro (8000 Euro). „Sie waren nicht aufmerksam genug, warf sie ihm vor.“ Zudem habe er sich mit den Hinterbliebenen und den Angehörigen des Beifahrers in Kontakt zu setzen, „um menschlichen Frieden zu schließen“. Bislang sei das nicht passiert. Das Urteil wurde noch im Gerichtssaal rechtskräftig.

Von Ditmar Wohlgemuth

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Landkreis: Nordsachsen

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