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Nach tödlichem Unfall in Eilenburg: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu Geldstrafe

Amtsgericht Nach tödlichem Unfall in Eilenburg: Gericht verurteilt Lkw-Fahrer zu Geldstrafe

An der Kreuzung Torgauer Landstraße/Rosa-Luxemburg-Straße in Eilenburg starb im November ein 78-jährige Radfahrer. Ein 55-jähriger Lkw-Fahrer hatte ihn übersehen. Der Mann war bis dahin unfallfrei unterwegs. Er fuhr die letzten 20 Minuten für seine alte Firma auf dem Lkw und somit zum letzten Mal auf dieser Strecke. Der tragische Fall wurde jetzt vor dem Amtsgericht verhandelt.

Inzwischen steht ein Stopp-Schild an der Unfall-Stelle. Außerdem ist die Haltelinie weiter nach vorn gerückt.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Er konnte sich nur entschuldigen. Aber die Zeit zurückdrehen kann er nicht. So sehr er es, wie wohl jeder im Gerichtssaal, gern wollte. Das, was am 10. November auf der Kreuzung an der Torgauer Landstraße/Rosa-Luxemburg-Straße geschah, ist nicht rückgängig zu machen. Der 55-jährige Berufskraftfahrer musste sich deshalb wegen fahrlässiger Tötung eines 78-jährigen Radfahrers vor dem Eilenburger Amtsgericht verantworten. In seinem Lkw hatte er aus der Nebenstraße kommend den Mann, der auf dem Radweg an der Torgauer Landstraße und damit auf der Hauptstraße unterwegs war, übersehen. Es kam zum Zusammenstoß, der Radfahrer stützte, erlitt schwere Schädelverletzungen, starb noch am Unfallort.

Allein, was der Dekra-Gutachter, der das Geschehen gemeinsam mit der Polizei aufgenommen hatte, erklärte, machte die Tragik deutlich: Die Kreuzung war gut beleuchtet. Das Rad hatte Vorder- und Rücklicht. Der Senior hatte sich zudem mit Blinklichtern an den Armen ausgerüstet. Er war, so ließ sich aus den Aufprallspuren erkennen, relativ flott unterwegs: mit 15 bis 18 Kilometern pro Stunde. Er hatte offenbar auch keinen Grund, nicht zügig vor dem Laster vorbeizufahren. Er hatte vermutlich beobachtet, was die Auswertung des Fahrtenschreibers zeigte: Der Lkw-Fahrer hatte von 56 Kilometern pro Stunde abgebremst, war an der Haltelinie nur noch 13 km/h schnell. Aber danach hatte er wieder Gas gegeben und bis zum Radweg wieder auf 18 km/h beschleunigt. Er habe zuvor nach rechts und links geschaut, als er sich der Kreuzung näherte.

„So leid es mir tut. Ich weiß wirklich nicht, wo der Radfahrer herkam“, hatte der Angeklagte zu Protokoll gegeben. Er hielt an, als er ein Aufprallgeräusch hörte. Im technischen Gutachten wurde auch der tote Winkel berechnet, den A-Säule und Rückspiegel erzeugen. Die Person auf dem Radweg war demnach für entscheidende Augenblicke für den Mann im Lkw nicht zu sehen. Doch der Fahrer kannte die Kreuzung, kannte sein Fahrzeug. „Der Angeklagte hatte sich zwar der Sicht versichert, aber er hätte es mehrfach tun müssen“, ließ der Staatsanwalt keinen Zweifel an der Schuldfrage: „Die Vermeidbarkeit war gegeben.“ Er beantragte eine Verurteilung zu 120 Tagessätzen á 33 Euro.

Jener 10. November sollte letzter Arbeitstag bei der alten Firma sein. In 20 Minuten hätte er den Lkw zum letzten Mal auf den Hof gefahren, berichtete der Rechtsanwalt des Angeklagten über Hintergründe. Fünf Tage später trat dieser die Stelle bei seinem neuen Arbeitgeber an, bei dem er jetzt beschäftigt ist.

„Der Angeklagte hat durch seinen schweren Fehler einen Menschen aus seiner Familie gerissen.“ Daran erinnerte die Anwältin der Nebenklage. Sie vertrat die Angehörigen des Verstorbenen, die das Verfahren im Gerichtssaal verfolgten. Das Geschehene sei durch kein Geld der Welt wieder gut zu machen. Sie schloss sich dem Antrag des Staatsanwalts an, ebenso der Anwalt des Angeklagten. Dem folgte auch die Amtsrichterin in ihrem Urteil: „Er ist nicht über die Kreuzung gebrettert. Aber er hat auch nicht ausreichend geschaut. Es bleibt eine Vorfahrtsverletzung.“

In der Verhandlung vor dem Eilenburger Amtsgericht ging es um die strafrechtliche Verantwortung. Die zivilrechtlichen Ansprüche müssen in einem weiteren Verfahren geklärt werden.

Nach dem Ereignis hatte die Unfallkommission des Landkreises Nordsachsen die Kreuzung im Stadtteil Ost noch einmal geprüft. Daraufhin wurden im Dezember Markierungen erneuert und Stopp- statt der Vorfahrt-gewähren-Schilder aufgestellt. Kritiker sind weiterhin der Meinung, dass Hartmann-Straße und Rosa-Luxemburg-Straße durchgängig Hauptstraße sein sollten, weil dort die meisten Fahrzeuge unterwegs sind. Ortsunkundige würden zudem oft nicht wahrnehmen, dass die Hauptstraße abbiegt. Doch diese ist als Staatsstraße gewidmet, wurde deshalb entsprechend ausgebaut und beschildert.

Von Heike Liesaus

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