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Eilenburg Neue Ausstellung erinnert an das Leid vieler Heimkinder in Eilenburg
Region Eilenburg Neue Ausstellung erinnert an das Leid vieler Heimkinder in Eilenburg
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07:33 09.10.2018
Corinna Thalheim von der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ und Manuela Rummel, Bildungsreferentin in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, eröffneten die neue Dauerausstellung in Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

„Das ehemalige Spezialheim Ernst Schneller mit angeschlossenem Jugendwerkhof-Teil in Eilenburg war das größte Spezialheim zur Umerziehung von Kindern und Jugendlichen im Raum Leipzig. Es fungierte gleichzeitig als zentrales Aufnahmeheim des Ministeriums für Volksbildung“, erklärte Corinna Thalheim, die die Gäste im Namen der Betroffeneninitiative „Missbrauch in DDR-Heimen“ zur Eröffnung der Ausstellung „Eilenburg – Rödgener Landstraße eine deutsche Heimgeschichte“ begrüßte.

Mit Unterstützung des Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen, des Sächsischen Landtags, der Initiativgruppe Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, des Stadtmuseums Eilenburg und in Zusammenarbeit mit dem St. Martin Hilfeverbund, dem Träger der heutigen Heimeinrichtung, ist die Dauerausstellung entstanden, die am historischen Ort über die verschiedenen Epochen des Heimes seit 1928 informiert und gleichzeitig an die Opfer repressiver Heimerziehung erinnert.

2016 ist Film entstanden

Ein erster kleiner Schritt, um dauerhaft an das den Kindern und Jugendlichen zu DDR-Zeiten an dieser Stelle widerfahrene Leid zu erinnern, geschah bereits im Jahr 2015, als zwei Informations- und Gedenktafeln am ehemaligen Pförtnerhäuschen angebracht wurden. „Durch ein Schülerprojekt und historischen Dokumenten, Fotos und mit Hilfe von Zeitzeugeninterviews von Betroffenen, Archivsichtungen und Aktenrecherchen zur Geschichte des ehemaligen Spezialheims entstand im Jahr 2016 ein Film, welcher die Lebenswege vor, im und nach dem Heim nachzeichnet. Dieser ist künftig am historischen Ort in der Ausstellung zum Spezialheim Eilenburg und repressiver DDR-Heimerziehung integriert“, so Corinna Thalheim.

OBM Scheler mahnt zur Erinnerung

Schon zum zweiten Mal kam Eilenburgs Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos) in das ehemalige Spezialheim in der Rödgener Landstraße. Die Einweihung der Erinnerungstafeln war einer seiner ersten Termine als neuer OBM. Nun sei er glücklich, auch bei der Eröffnung dabei sein zu dürfen. „Es ist ein Thema, was immer wieder in Erinnerung gerufen werden soll, eine Vergegenwärtigung dessen, was in die Geschichte eingegangen ist.“ Er lobte die Arbeit und beschrieb die Ausstellung als sehr einprägsam und beeindruckend.

Grußworte von Wendt und Rathenow

Manuela Rummel, Bildungsreferentin in der Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau, konnte gleich drei Grußworte den Gästen präsentieren. Neben ihrem eigenen, indem sie auf die Wichtigkeit gut ausgebildeter Pädagogen einging, sprach sie im Namen von Marian Wendt, CDU-Mitglied des Bundestages aus Nordsachsen, und Lutz Rathenow, Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. „Das Leid, das die Kinder und Jugendlichen im Heim und auch im Jugendwerkhof durch die kommunistische Staatsdoktrin erfahren mussten, machen mich immer wieder wütend. Die tiefen seelischen Narben, die das Stigma Heimkind und Missbräuche hinterließen, sind für uns heute kaum fassbar“, so Wendt. Er kündigte seinen baldigen Besuch an.

„Es ist außerordentlich wichtig für die Fähigkeit, Realität wahrzunehmen, diese Fähigkeit immer wieder an vergangenen Realitäten zu trainieren, um zu begreifen, wenn Kindererziehungspläne zu Kinderzerstörungsrealitäten werden“, schrieb Lutz Rathenow.

Von Kristin Engel

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