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Eilenburg Neue Wege in Heimerziehung: Caritas in Eilenburg setzt auf Erlebnispädagogik
Region Eilenburg Neue Wege in Heimerziehung: Caritas in Eilenburg setzt auf Erlebnispädagogik
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00:18 13.02.2017
Gemeinsame Paddeltouren gehören zum Angebot. Quelle: Foto: privat
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Eilenburg

Reden und Spielen hilft in der Heimerziehung. Das Wichtigste aber ist, dass Kinder etwas erleben. Möglichst etwas Positives, das ihnen hilft, ihre oftmals traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, Selbstbewusstsein zu entwickeln, Widerstände zu überwinden, die ihnen bisher den Alltag erschwerten. Für Anja Zabel und ihre Kollegen vom gruppenbegleitenden Dienst des Caritas-Hilfeverbundes in Eilenburg sind das keine neuen, aber dennoch wichtige Aspekte. Rund 100 Kinder und Jugendliche haben sie in ihrer Obhut, die in Tages- und Wohngruppen in Eilenburg, Bad Düben und Delitzsch leben. Mädchen und Jungen, die nicht die Chance haben, in einem stabilen, familiären Umfeld aufzuwachsen und die zeitweise oder dauerhaft in Einrichtungen betreut werden. Hinzu kommen 30 unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge, die ebenfalls in dieser Gemeinschaft groß werden.

Wanderungen und Tagesausflüge in die Natur

Seit rund zehn Jahren wendet sich die Caritas-Trägergesellschaft St. Mauritius in Eilenburg immer mehr dem Bereich Erlebnispädagogik zu, einer von Kurt Hahn entwickelten reformpädagogischen Bewegung aus den 1920er-Jahren. Diese setzt unter anderem auf Gruppen-Erfahrungen in der Natur, um die Persönlichkeit und soziale Komponenten zu entwickeln und die immer mehr an Bedeutung gewinnt, weil soziale Kompetenz, Wagnisbereitschaft und Persönlichkeit eine zunehmenden Rolle  spielen. „In der Heimerziehung in Westdeutschland ist das schon verbreiteter, und auch bei uns verfolgen wir diese Richtung seit einem Jahr recht intensiv. Jetzt wollen wir das noch professioneller gestalten“, so Zabel. Was heißt, verstärkt Wanderungen, Tagesausflüge, Ferien in der Ferne, Paddel- oder Radtouren zu planen, kurz, Erlebnisse, die den Kindern neue Erfahrungen vermitteln und sie eigene Grenzen austesten lassen. „Dies gibt uns die Chance, die Kinder von einer Seite kennenzulernen, die wir nicht kannten, oder sie auch nicht. In Grenzsituationen kommt die Persönlichkeit zum Tragen.“ Erkenntnisse, die weiter helfen.

Reisen nach Schweden und Bulgarien

Der Blick in die Chronik zeigt die Vielfalt: Wandern im Vogtland, Paddeln auf Saale und Unstrut, Kanu-Fahren auf der Mulde, ein Girlscamp in den Höhlen der Sächsischen Schweiz, Wanderreiten, Angeltage, Skilanglauf im Erzgebirge. „Höhepunkte sind natürlich Reisen wie nach Schweden oder Bulgarien,“ sagt Anja Zabel. Einzelaktivitäten, auch mal getrennt nach Geschlecht und Alter wie Bogenschießen, Geocaching, Teamaufgaben, Schnipseljagd, Klettern im Kletterturm Mockau und vieles mehr, gehören ebenso dazu. Bei alldem werden die Kinder und Jugendlichen in die Verantwortung genommen. Das beginne beim Packen der Tasche. „Sie wissen, wie lange wir wo unterwegs sind, dass es regnen oder kalt werden könne, dass sie entsprechend gekleidet sein sollten. Oder wir mieten einen privaten Bungalow mit geringem Standard an. Das Einkaufen müssen die Jugendlichen selbst koordinieren, sie sind fürs Holzhacken, Kochen, Abwaschen, Saubermachen zuständig.“ Respekt und Hilfsbereitschaft sind gefragt, ebenso Rücksichtnahme.

Caritas benötigt Spenden

Für 2017 gibt es zwar schon viele Pläne. Das Problem, so Zabel, aber sei die Finanzierung. Das Jugendamt könne bei diesen Aktionen nicht helfen, „wir sind immer wieder auf Spenden angewiesen.“ Deshalb hofft die Caritas auf Unterstützer.

Weitere Infos und Kontakt bei Anja Zabel, Rödgener Landstraße 16, Eilenburg, Tel.: 03423 682444, E-Mail: eilenburg@ctm-magdeburg.de, Internet: www.ctm-magdeburg.de. (Spenden: Bank für Sozialwirtschaft Magdeburg, BIC: BFSW DE33MAG IBAN: DE29 81020500 0001 480400)

Von Kathrin Kabelitz

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