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Eilenburg Neues Leben für alten Brauch: Kinder zembern durch Tiefensee
Region Eilenburg Neues Leben für alten Brauch: Kinder zembern durch Tiefensee
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08:53 12.02.2018
An einigen Gartenzäunen hingen mit Süßigkeiten gefüllte Tüten, über die sich Sabine Haffke und ihre Mitstreiter sehr freuten. Quelle: Fotos: Heike Nyari
Tiefensee

Mit lautem Tuten zog am Sonnabend eine kleine Schar bunt kostümierter Jecken von Haus zu Haus durch Tiefensee. Doch leider lief die ganze Sache nicht so ab, wie es sich die Landfrauen vorgestellt hatten. „Wir haben mit wesentlich mehr Teilnehmern gerechnet“, resümierte Sabine Haffke, die mit Frauen und Kindern in nur kleiner Runde durch das Dorf zog.

An einigen Gartenzäunen hingen mit Süßigkeiten gefüllte Tüten, über die sich Sabine Haffke und ihre Mitstreiter sehr freuten. Quelle: Heike Nyari

Die noch relativ junge Gruppe der Tiefenseer Landfrauen hatte am Samstagnachmittag zum Zempern geladen und startete damit einen alten Fastnachtsbrauch, der nicht nur in der Dübener Heide, sondern einst auch in den Dörfern der Mulde unter verschiedenen Namen gefeiert wurde. Diese Tradition – einigen auch bekannt als „Asche auskehren“ – wollen die Landfrauen im Muldedorf wieder zum Leben erwecken. Doch die Resonanz war mickrig und die Akteure mehr oder weniger enttäuscht. Nichtsdestotrotz machte sich die bunte Truppe auf den Weg und nahm Kiepe und Bollerwagen mit.

Tür und Tor öffnen sich

Das Dorf war wie ausgekehrt. Kaum jemand ließ sich auf der Straße blicken. „Ich bin der kleine König, gebt mir nicht zu wenig“, riefen die Kinder. Und siehe da: Hier und da öffneten sich Tür und Tor und allerlei Süßigkeiten wurden ausgereicht. Hin und wieder hing am Zaun auch ein mit Naschwerk gefüllter Beutel mit der Aufschrift: „Für’s Zempern“. Als das halbe Dorf durchschritten war, war die Kiepe schon mächtig schwer zu tragen und am Ende des Umzugs konnten sich die Teilnehmer über reichlich Beute freuen.

Bei Fleischermeister i.R. Siegfried Gräfe stärkten sich die Umzugsteilnehmer mit Wiener Würstchen. Quelle: Heike Nyari

„Bei mir gibt es was Herzhaftes“, sagte dagegen Siegfried Gräfe – und als die Frauen und Kinder in den Hof der ehemaligen Fleischerei einbogen, erhielt jeder erst einmal eine leckere Wiener Wurst auf die Hand. Die Damen wärmten sich an einem Gläschen Kräuter- oder Kirschlikör. Siegfried Gräfe ist einer derjenigen, der sich gut daran erinnern kann, dass er in seiner Kindheit selbst von Haus zu Haus zog, und den Spruch mit dem König aufsagte. „Bei Helene Krahnefeld gab es immer heiße Pfannkuchen und das war etwas ganz Besonderes in der kalten Jahreszeit“, erzählt der heute 75jährige.

Früher gab es auch Kräppelchen

„Außerdem gab es in manchen Häusern auch Kräppelchen“, fügt Axel Schulze hinzu und auch Andreas Scheeren war damals mit dabei, als die Jugend laut lärmend durchs Dorf zog. Irgendwie sei dieser Brauch dann in Tiefensee eingeschlafen und in Vergessenheit geraten. Umso erfreuter waren unter anderem diese drei Herren, dass die Landfrauen den Versuch starteten, das Zempern wieder aufleben zu lassen. „Schade, dass die Aktion nicht so wie erhofft angenommen wurde“, so Scheeren, der übrigens die Ankündigungsflyer persönlich in jeden Briefkasten des Dorfes gesteckt hatte.

Von Heike Nyari

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