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Neujahrsempfang in Eilenburg: Ein Prosit auf 2015!

Neujahrsempfang in Eilenburg: Ein Prosit auf 2015!

Es war der 21. und letzte Neujahrsempfang seiner Amtszeit, zu dem Eilenburgs Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) am Mittwoch eingeladen hatte. Rund 130 Gäste waren im großen Saal des Bürgerhauses dabei.

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Eilenburgs Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) prostet den Gästen des Neujahrsempfangs zu. 130 kamen am Mittwochabend in den großen Saal des Bürgerhauses. Fotos: Wolfgang Sens

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Der Abend stand im Zeichen der Integration mit ihren unterschiedlichen Sprachen aber auch Facetten - hörbar und sichtbar. Denn neben Asylbewerbern waren unter anderem auch Vertreter von Behindertenverbänden, integrativen Einrichtungen und Jugendtreffs dabei.

Für Hubertus Wacker war es der Anfang seiner Abschieds-Auftritte. Im Juni wird sein Nachfolger gewählt, im August scheidet der 59-Jährige nach 21 Jahren aus. Erste Rückblicke wagt der Kospaer jetzt schon: "Für solch ein wichtiges Amt ist das eine sehr lange Zeit. Aber es macht Spaß, Bürgermeister zu sein." Er habe mit Verwaltung und Stadtrat vieles vorbereiten und realisieren dürfen. Auch 2014. Schlüsselübergaben und Band-Durchschnitte seien nicht sein Ding, Groß-Projekte wie der Straßenbau in Wedelwitz oder der Alte Mittelweg seien dennoch beendet worden. 2015 stehen die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, der Bau des Berg-Kreisverkehrs, die Bootsanlegestelle, der weitere Ausbau des alten Gefängnisses an.

Ein Thema wird ihn bis zum Ende seiner Amtszeit begleiten - die Flüchtlingsproblematik. Als im Oktober die Ideenfindung für das Motto des Neujahrsempfangs lief, war noch nicht klar, welch aktuellen Anstrich dieser Abend bekommen sollte. Zwar werde das Wort Integration auch in Chemie und Physik gebraucht, aber hier gehe es nun um die Integration von Menschen, fasste Wacker zusammen. Nicht nur von ausländischen. Integration betreffe letztlich jeden, spätestens dann, wenn er selbst älter werde und eventuell selbst Hilfe benötigt. Gegenüber den Bedingungen, die Anfang der 1990er Jahre herrschten, seien nun gute materielle Voraussetzungen da, um Integration zu leisten.

Doch was bedeutet der Begriff Integration überhaupt? Anke Thiedmann, Geschäftsführerin des Kreisverbandes Nordsachsen der Volkssolidarität, startete in ihrer Festrede aus Sicht eines Wohlfahrtsverbandes den Versuch, Antworten zu finden. Kein leichtes Unterfangen, wie der rund 50-minütige Diskurs zeigte. Ihr Verband beschäftige sich mittlerweile nicht allein mit der Betreuung von Senioren, sondern vor allem mit der von Kindern, Familien. So erfuhren die Gäste, was Integration selbst für ein Kind, das neu in die Kita kommt, aber ebenso für die Gruppe bedeutet. Das auf einen tragenden Vortrag eingestimmte Publikum bekam da auch kleine Unterrichtseinheiten vorgeführt, zum Beispiel Grafiken, die verdeutlichen sollten, wie Pädagogen Begriffe wie Integration (Einschließen) und Inklusion (Eingliedern) verstehen. Thiedmann gab den Gästen einige Botschaften mit auf den Weg: "Integration sollte jedem vernünftigen Menschen am Herzen liegen" oder "Integration bedeutet, dass sich alle Seiten darauf einlassen müssen."

Ganz praktisch mit Integration beschäftigt sich der Eilenburger Joachim Koppatz, der mit einer iranischen Familie am Tisch saß, die der Ruheständler seit dem Herbst 2013 betreut. Er hatte früher die Behindertenwerkstatt in Delitzsch geleitet und mit aufgebaut und erlebt nun selbst, wie ein Asylverfahren abläuft, das sich in diesem Fall seit 19 Monaten hinzieht. "Ich hatte von all dem vorher keine Ahnung, ich musste mich selbst überall durchfragen." Einige Bilder vom Malzirkel der Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt in Eilenburg verdeutlichten am Rande, zu welch kreativen Leistungen Menschen mit Handicap fähig sind.

Ebenfalls von aus der Werkstatt stammte die große Vase, zu deren Gestaltung alle Besucher aufgerufen waren. Diese trägt nun auch eine kleine Blumen-Zeichnung von Meet Kumari. Die Familie der 14-Jährigen ist ebenfalls Asyl suchend und wohnt derzeit in Eilenburg.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 09.01.2015
heike liesaus und kathrin kab

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