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Eilenburg Nicht ohne meine Geige – der Eilenburger Stefan Löwe hat sie immer dabei
Region Eilenburg Nicht ohne meine Geige – der Eilenburger Stefan Löwe hat sie immer dabei
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23:00 14.06.2018
Stefan Löwe spielt gerne auch aktuelle Hits auf seiner elektronischen Geige. Quelle: Wolfgang Sens
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Eilenburg

Ein Tag der offenen Tür in der Musikschule Eilenburg. 15, 16 Jahre ist das her. Damals hatte Stefan Löwe als Vierjähriger das erste Mal eine Geige in der Hand. Eine Begegnung mit Folgen – elf Jahre Musikschule, Erfolge bei Jugend musiziert und den Austrian Master Classes, das jahrelange Mitwirken im Eilenburger Musikverein. Die Faszination Geige hat ihn bis heute nicht losgelassen und auch wenn sie sein Leben nicht bestimmt, spielt sie doch eine große Rolle.

Vor drei Jahren legte sich Stefan Löwe neben der klassischen eine elektronische Geige zu, die ihm künstlerisch mehr Entfaltungsmöglichkeiten bietet. Auch wenn sie als Instrument allein nicht wirkt. Für seine 30- bis 45-minütigen Auftritte braucht es daher eine Hintergrundmusik. Spielen kann der Eilenburger alles, „was eine Melodie hat“. Rock und Pop am liebsten, auch mal was Klassisches. Oft reicht es, „mir eine Melodie zu nennen, oder ich höre sie kurz und kann sie sofort spielen.“ Eine Virtuosität, die er sich auch von einem Mann abgeschaut hat, der gewissermaßen zum Vorbild geworden ist und der mittlerweile mit seiner Geige die Bühnen dieser Welt erobert hat: David Garrett.

Star-Sein ist nicht alles

Doch das Aufschauen zum Superstar zeigt ihm auch die Grenzen auf. Denn das Ganze zum Beruf machen will Stefan Löwe nicht: „Ich habe etwas Angst, dass es mir irgendwann keinen Spaß mehr macht.“ Mit den Großen vergleichen will sich der Muldestädter dabei gar nicht, aber Beispiele wie Avici, der schwedische Star-DJ, der im April mit nur 28 Jahren starb, machen ihn nachdenklich. Da könne man nur erahnen, welchem Druck ein Künstler auf dem Weg zum Star ausgesetzt ist. Das Showbizz als Hobby? Ok. Als Lebensinhalt aber nicht.

Ein Ausflug in die so scheinbar schöne TV-Glamourwelt hat Spuren hinterlassen. Vor fünf Jahren bewarb er sich bei der RTL-Show „Das Supertalent“. Mit seiner Geige spielte er bei der Vorrunde in Bremen die Rock-Ballade „21 Guns“ der amerikanischen Punkrock-Band Green Day. Er habe es einfach mal probieren wollen, weiter gebracht hat es ihn nicht. Das Prozedere rund um seinen Auftritt, die laxen Kommentare von Juror Dieter Bohlen – es war eine Erfahrung, mehr nicht. Abgehakt. Weitaus lehrreicher, weil ernsthafter, waren da Teilnahmen am Jugend- musiziert-Wettbewerb. Und Supertalent dürfe er sich ja schließlich trotzdem nennen – nach einem Sieg beim Dorffest Pehritzsch ...

Musik ist sein Leben

Eigentlich, so sagt Stefan Löwe, ist er ja ein Mensch wie jeder andere in seinem Alter auch: „Ich trinke gerne Kaffee, chille mit Freunden, mache mein soziales Jahr und gehe nebenbei arbeiten. Ich würde meinen, dass es nur einen Unterschied zu den meisten gibt: Die Liebe für Musik. Music is my life!“

Dass er nicht ganz untalentiert ist, bleibt Familie und Freunden schon früh nicht verborgen. Kannst Du nicht mal hier spielen, oder mal dort? Dank Mundpropaganda kommt ein Auftritt zum nächsten. Mal ein Geburtstag, mal eine Hochzeit, eine Firmen-Fete, eine Trauerfeier. Auch die jüngere Schwester ist ab und an dabei, dann spielt er die Geige, sie das Saxofon. Beim Abi-Abschluss-Ball vor zwei Jahr hören und sehen Olli und Tina von der Tanzschule Stefan musizieren, sagen: „Du spielst zur Tanz-WM in Leipzig!“ Sein wohl bisher bedeutendster Auftritt, vor rund 3000 Menschen.

Die Organisatoren Tina Spiesbach und Oliver Thalheim beim Showtanz - unterstützt durch Violinist / Geiger Stefan Löwe. Quelle: Christian Modla

Die ihm wichtigsten aber sind die in seiner Heimatstadt. Beim Stadtfest in Eilenburg zum Beispiel. Karsten Fiege vom gleichnamigen Veranstaltungsservice verschaffte ihm einst die ersten Auftritte. Und immer dann, wenn der junge Mann mit der E-Geige die kleine Bühne am Torbogen betrat, füllte sich die Fläche rasant. So unter Gleichgesinnten fühlt sich der 20-Jährige am wohlsten, „unter Leuten, die Musik wie ich abgöttisch lieben und mich unterstützen.“

Musik, Film. Video und mehr

Und es gibt es ja noch viel mehr: Er sei ein verdammt kreativer Mensch, schreibe gern, moderiere, drehe Videos und kleine Filme. Auch da überlässt er nichts dem Zufall. Das Know-how hat er sich bei Kursen der Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanäle in Leipzig geholt, absolvierte ein Praktikas beim Bayrischen Rundfunk oder Kurse im Synchronsprechen, Lichtgestaltung, Dramaturgie oder Moderieren, machte beim Radio-Campus bei Radio PSR und Energy Sachsen. Bei den Eilenburger Amateurfilmtagen und der Leipziger Medien- und Filmfestival Visionale räumte er Preise ab. Zwei Streifen ragen wohl heraus: 2015 spannte Stefan Löwe die gesamte Familie ein und drehte den 19-minütigen Krimi „Jenseits von Gut und Böse“. 2017 entstand ein 6-minütiges Werk, das dem Eilenburger Gymnasial-Lehrer Thomas Kolitsch im Januar zum Titel „Deutschlands bester Lehrer“ verhalf.

Die Liebe zur Musik, zum Film und zur Heimat hat er erst in dieser Woche im neuesten Clip vereint – in dreieinhalb Minuten „Despacito“: Luis Fonsi, Daddy Yankee ft. Justin Bieber. 2018 NEW Stefan Löwe VIOLINcover.https://www.youtube.com/watch?v=C4OOfCWtLbQ

Und all das hat dazu beigetragen, dass Stefan Löwe mittlerweile auch einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat. Vor allem eben mit seiner Geige. Aus einstmals vier, fünf Auftritten im Jahr sind 40 bis 50 geworden. Längst ist er auf allen denkbaren sozialen Netzwerken unterwegs, hat ein eigenes Firmen-Logo kreiert. Die Buchstaben S und L, für Körper und Steg einer Violine, prangen derzeit sogar auf zehn Lastern, die in Mitteldeutschland unterwegs sind – eine zeitlich begrenzte Aktion, mit der junge Leute bei ihren ersten Schritten im Business unterstützt werden.

Stefan Löwe bei einem Auftritt beim Eilenburger Stadtfest. Foto: Ilka Fischer Quelle: Ilka Fischer

Aber wie gesagt – es ist immer nur ein halber Schritt, wenn auch mit vollem Herzen. Auf der Suche nach dem, was er später mal machen will, hat Stefan ein soziales Jahr eingelegt, arbeitet an der Pestalozzi-Oberschule in Wurzen: „Die Schule find ich so Hammer. Das macht mir so viel Spaß, dort zu arbeiten“, ist er voll des Lobes. Die Begeisterung hat ihm eine Entscheidung leicht gemacht. Er möchte Sozialpädagogik studieren. Am liebsten ab nächstem Jahr.

Ab August geht es auf Kreuzfahrt

Ab August gibt es erstmal einen scharfen Cut. Bisher wissen es nur die Familie und die engsten Freunde: Der Eilenburger geht ein halbes Jahr auf Kreuzfahrt. Mit dem neuen „Mein Schiff 1“. In den ersten Monaten in den Norden, ab Herbst in Richtung Kanaren. Gebucht ist er eigentlich für die Kinderbetreuung. Bei der Bewerbung ließ er aber nicht unerwähnt, dass er leidenschaftlich gern Geige spielt. Und so wird es mit dem Instrument den einen und anderen Auftritt geben. Familie und Freunde weiß er hinter sich: „Sie haben mir zugeredet, weil sie wissen, dass man da Erfahrungen sammeln kann, die mir keiner nehmen kann.“ Er spüre eine große Vorfreude – darauf, jeden Tag einen anderen Hafen zu sehen, auf ein „verdammt cooles Flair“ und die Chance, sich künstlerisch zu präsentieren oder auch mal mit anderen Gleichgesinnten das „eine oder andere auszuprobieren“. Natürlich kommen auch Gedanken, wie es werden wird. Aber die Geige – die ist ja immer dabei.

Von Kathrin Kabelitz

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