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Eilenburg Nordsachsens Feuerwehr kritisiert neue Ausrückeordnung
Region Eilenburg Nordsachsens Feuerwehr kritisiert neue Ausrückeordnung
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14:00 24.04.2016
Feuerwehrleute aus Nordsachsen sprechen mit ihren Landrat Kai Emanuel. Quelle: Ditmar Wohlgemuth
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Eilenburg

Das Treffen hat Tradition. Landrat Kai Emanuel (parteilos) lud jetzt wieder nordsächsische Wehrleiter, Vertreter der Kreisfeuerwehrverbände, aber auch Kreisbrandmeister und Kreisjugendfeuerwehrwarte zu einer lockeren Gesprächsrunde nach Eilenburg ins dortige Gerätehaus ein. Die Atmosphäre war entspannt, es wurde ein Gedankenaustausch, von dem beide Seiten, Feuerwehrleute und Landkreisverwaltung, etwas mitnahmen. In der Runde wurde Offenheit gewünscht, Probleme kamen auf den Tisch, die den Führungskräften in den blauen Uniformen unter den Nägel brannten.

80 Menschenleben gerettet

Zunächst aber bedankte sich Landrat Emanuel bei den Gästen, die im Zusammenwirken mit anderen Feuerwehrleuten einen effektiven Brandschutz und eine qualifizierte technische Hilfeleistung im Landkreis Nordsachsen gewährleisten. Im vergangenen Jahr gab es über 2100 Einsätze, bei denen sich die freiwilligen Feuerwehren auch in schwierigen Situationen überaus bewehrten. 80 Menschenleben konnten gerettet werden. Landrat Emanuel begrüßte die Bildung von Einsatznachsorgeteams unter der Regie des Landesfeuerwehrverbandes. Er hob zudem hervor, dass 2015 die 58 ehrenamtlichen Kreisausbilder 550 Kameraden das nötige Rüstzeug vermittelten, um im Einsatz zu bestehen. So gab es unter anderem 65 Kurse mit 735 Teilnehmern, in denen besonders die Sprechfunkausbildung mit Blick auf die Einführung des Digitalfunks im Mittelpunkt stand. Dass der Freistaat die Mittel für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz für dieses Jahr kürzte, will Kai Emanuel so nicht hinnehmen. Der Bedarf sei nach wie vor da. Emanuel teilte mit, dass derzeit 81 Positionen auf dem Maßnahmeplan mit einem Gesamtinvestitionsumfang von 2,4 Millionen Euro stünden. Zu Verfügung stehen aber nur etwa 1,56 Millionen Euro.

Er kündigte an, dass es für die Wehrleiter Ende April, spätestens Anfang Mai einen Termin in der neuen Integrierten Regionalleitstelle (ILS) in Leipzig geben wird. Der Leitstellenrechner sei zwar mit den erforderlichen Daten gefüttert worden, jetzt komme es jedoch darauf an zu prüfen, ob die entworfenen Zyklogramme für die Alarmierungen und das Ausrücken der Feuerwehr auch praktikabel umsetzbar sind. Wann konkret die Leitstelle Delitzsch nach Leipzig zieht, wurde nicht thematisiert.

Mit der Drehleiter zum Eingeschosser?

Hinterfragt wurde von den Feuerwehrleute jedoch, ob die neuen Ausrückeordnungen und Bereichsfolgen – welche der nächstgelegenen Feuerwehren gegebenenfalls hinzugezogen wird – sinnvoll sind. Festgelegt ist beispielsweise, dass bei einem Gebäudebrand immer ein Hubrettungsgerät, also eine Drehleiter, alarmiert werden muss. „In ländlichen Gegenden gibt es sie erstens kaum bis gar nicht und zweitens gibt es in den Dörfern fast nur anderthalb- und zweigeschossige Gebäude. Dafür reichen die Leitern der Ortswehren aus“, bemerkte ein Schildauer Feuerwehrmann. Aus seiner Sicht werde zu viel Technik alarmiert, die zudem mehr Kosten verursacht. Ordnungsdezernentin Angelika Stoye konnte den Einwurf nachvollziehen. „Uns als Landkreis gefällt manches auch nicht, was die Landesrettungsdienstplanverordnung nun festlegt. Aber wir haben wenig Spielraum anders zu entscheiden.“ Dass das vorangegangene System auch funktioniert habe, darin waren sich alle Beteiligten einig. „Wir müssen uns jedoch an die neuen vorgegebenen Rahmenbedingungen halten und die sieht einheitliche Anforderungen in ganz Sachsen vor, wenn die Integrierten Regionalleitstellen in Betrieb gehen“, ergänzte Stoye.

Für individuelle Entscheidungen sei jetzt kein Platz mehr. Dass bestätigte auch der Leiter der Delitzscher Leitstelle Klaus Bechstedt, der in der ILS Leipzig bereits tätig war. Allein im März seien dort 560 Feuerwehreinsätze zu koordinieren gewesen. „Das ist ein Viertel von dem, was wir in Delitzsch in einem ganzen Jahr haben“, so Bechstedt. Die Vorgaben seien wichtig, um Fehler zu vermeiden. Auch Löschhilfevereinbarungen mit Nachbargemeinden in Sachsen-Anhalt und in Brandenburg wurden angemahnt. „Was früher einfach zwischen den Landkreisen geregelt wurde, ist heute leider in der Form nicht mehr möglich“, bestätigte Angelika Stoye und verwies auf notwendige Staatsverträge, die es noch nicht gibt.

Von Ditmar Wohlgemuth

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