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Nordsachsens SPD-Kandidat Rüdiger Kleinke will Leiharbeiter besser bezahlen

Altersarmut Nordsachsens SPD-Kandidat Rüdiger Kleinke will Leiharbeiter besser bezahlen

Endspurt für Nordsachsens Direktkandidaten für die Bundestagswahl am 24. September: Der SPD-Kandidat Rüdiger Kleinke (48) hat sich am Montag als Wahlkampfverstärkung Petra Köpping, Mitglied des Sächsischen Landtags und Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, eingeladen. In Bad Düben debattierten sie mit den Bürgern über die Rentenpolitik und Altersarmut.

Der nordsächsische SPD-Bundestagsdirektkandidat Rüdiger Kleinke (48, Dritter von rechts) spricht mit Bürgern über das Thema Altersarmut und Rente in der Seniorenbegegnungsstätte der Arbeiterwohlfahrt in Bad Düben. Mit dabei Petra Köpping (neben Kleinke), SPD-Mitglied des Sächsischen Landtags und seit 2014 Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, sowie der Leipziger SPD-Bundestagsdirektkandidat Jens Katzek (re.)

Quelle: Nico Fliegner

Bad Düben. Geht es nun halb vier oder um vier los? In der Zeitung stand es so, auf Plakaten in Bad Düben anders. Doch als Rüdiger Kleinke, Nordsachsens SPD-Direktkandidat für die Bundestagswahl, kurz nach 15 Uhr mit Flyer und Kulis in der Hand in der Seniorenbegegnungsstätte auftaucht, legt er Gelassenheit hat den Tag, statt den schwarzen Peter für die Zeitpanne ausfindig zu machen. Dafür ist das Thema zu ernst, der Wahlkampf strapaziös genug.

Sozialer Frieden in Gefahr

Kleinke, der 48-jährige Unternehmer aus Delitzsch, der dort 1990 den SPD-Ortsverein mitbegründet hat und seit Jahren im Stadtrat mitmischt, hat sich an diesem Montag Wahlkampfverstärkung geholt: Petra Köpping, Mitglied des Sächsischen Landtags und Staatsministerin für Gleichstellung und Integration, ist der prominente Gast zum Schwerpunktthema Altersarmut und Rente. Die Runde ist überschaubar. Als es dann doch gegen vier Uhr losgeht, sind gut 20 Bürger da – die SPD-Genossen, die sowieso immer dabei sind, mit eingerechnet sowie der Leipziger SPD-Direktkandidat Jens Katzek.

Kleinke tritt souverän auf. Reden halten – das hat er inzwischen gelernt. Und dass er sozial eingestellt ist, muss er an diesem Nachmittag nicht explizit erwähnen, seine Wahlkampf-Erlebnisse machen es vielmehr deutlich. So erzählt er von einer Rentnerin, die er in Dahlen getroffen hat und die nur 500 Euro monatlich erhält, aber ihr ganzes Leben lang, wenn auch Teilzeit, in der Landwirtschaft „hart gearbeitet“ und drei Kinder groß gezogen hat. Solche Beispiele gebe es viele. Und wenn die Politik nichts ändere, sei der soziale Frieden irgendwann in Gefahr, warnt Kleinke. Auch Petra Köpping kennt etliche Beispiele von Eisenbahnern, Bergmännern und Ingenieuren, die eine Säule ihrer Rente einfach nicht bekommen, obwohl sie zu DDR-Zeiten Zusatzbeiträge für die Rente geleistet haben. Köpping macht sich seit Jahren für sie stark, scheitert aber an fehlenden Mehrheiten. Deshalb sei es wichtig für die SPD, Mehrheiten zu bekommen, macht sie deutlich.

Bürger machen ihrem Ärger Luft

Interessierte Bürger wie Christel Gerber aus Bad Düben machen indes ihrem Ärger unverhohlen Luft: Junge Leute würden als Leiharbeiter beschäftigt oder müssten weit pendeln – für sie ein schlimmer Zustand. Diese Menschen seien nicht abgesichert, würden deshalb keine Familie gründen. Auch Kleinke findet das nicht gut. „Leiharbeiter sollten vom ersten Tag an so bezahlt werden wie die Stammbelegschaft“, sagt er, und eigentlich viel besser, weil sie flexibler seien, legt er nach.

„Nicht alles ist schlecht in diesem Land, es ist fast alles besser, als es in der DDR war“, sagt wiederum der Bad Dübener SPD-Stadtrat Werner Wartenburger. Selbst die Renten seien gestiegen. Dem stimmt Kleinke zu, dennoch gebe es Menschen, denen es nicht gut gehe, entgegnet er. Der Delitzscher SPD-Stadtrat Reinhard Zänker hält indes das Rentensystem für problematisch. Einfacher müsste es sein, ohne dass bei der privaten Zusatzvorsorge wie der Riester-Rente noch Banken oder Versicherungen zwischengeschaltet seien. Petra Dautz aus Delitzsch ist der Auffassung, dass junge Leute erst einmal ausreichend Geld verdienen müssten, damit sie überhaupt private Vorsorge betreiben könnten.

Kleinke will mehr Polizisten

Geht es nach Rüdiger Kleinke, müsste der Sozialstaat vor allem gerechter werden. Aber auch andere Themenfelder wie innere Sicherheit reißt er an diesem Nachmittag an, fordert mehr Polizisten auf den Straßen und Videoüberwachung auf öffentlichen Plätzen. Das Thema Heimat ist ihm wichtig, die Menschen sollten auf dem Land leben und arbeiten können und nicht kilometerweit in die nächstgrößere Stadt müssen. Deshalb schwebt ihm für mehr neue Arbeitsplätze im ländlichen Raum ein Zuschuss in Höhe von 20 Prozent aufs Gehalt von Beschäftigten vor, den der Staat zahlt. Dafür müsse ein extra Programm her.

Nach gut eineinhalb Stunden löst sich die Runde auf, Rüdiger Kleinke muss zum nächsten Termin. Irgendwie ist er auch froh, dass der Wahlkampf zu Ende geht. Aber „egal, wie das Ding am Sonntag ausgeht, das war eine Bereicherung für mich“, lautet sein Fazit der letzten Monate.

Von Nico Fliegner

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