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Nordsachsens Städtepartnerschaften sind noch lebendig

26. Jahre Wiedervereinigung Nordsachsens Städtepartnerschaften sind noch lebendig

Viele Partnerschaften zwischen Kommunen im Westen Deutschlands und im heutigen Landkreis Nordsachsen entstanden unmittelbar nach der Wiedervereinigung. Wir zeigen anhand der Beispiele Delitzsch, Eilenburg, Oschatz, Mügeln und Bad Düben, was daraus geworden ist.

Nach der Wende fanden viele ost- und westdeutsche Städte zueinander.

Quelle: Wolfgang Sens

Nordsachsen. Viele Partnerschaften zwischen Kommunen in Ost und West entstanden nach der Wiedervereinigung. Auch die Städte und Gemeinden im heutigen Landkreis Nordsachsen fanden damals in den alten Ländern neue Partner. Stand am Anfang noch die Hilfe für die ostdeutschen Kommunen im Vordergrund, so ist heute oftmals eine Freundschaft entstanden – mit vielen Kontakten zwischen Vereinen, aber auch zwischen den Menschen.

Delitzscher pflegen Dreiecksbeziehung

Die guten Beziehungen zwischen Delitzsch und seinen deutsch-deutschen Partnerstädten sind ein beredtes Beispiel für eine gelungene Ehe. Vergangenes Jahr feierte das Trio eine doppelte Silberhochzeit: Sowohl Delitzsch und Friedrichshafen wie auch Delitzsch und Monheim am Rhein sind seit nunmehr 26 Jahren ein Paar.

Den Anfang machte eine Kontaktanzeige: Überregional wurden in westdeutschen Amtsblättern Ost-Gemeinden aufgelistet, die Partner suchten. Ein heftig umworbener Heiratsmarkt. Delitzsch erhielt schon bald Avancen – die Wiege des Genossenschaftswesens und der Charme mittelalterlicher Reife dürften dabei eine Rolle gespielt haben. Friedrichshafen am Bodensee und Monheim, beide mit 58 000 beziehungsweise 43 000 Einwohnern deutlich größer als die Dame vom Lober, ließen sich auf die Dreiecksbeziehung ein.

Als die Liebe noch frisch war, waren die Zeiten so turbulent wie in anderen ostdeutschen Kommunen auch. Mit Fahrzeugen, Büchern und Verwaltungstipps leisteten Delitzschs Partner Starthilfe in die neuen Lebenswelten. Hinzu kamen wechselseitige Besuche. Die Starthilfe ist inzwischen erledigt, die Besuche stehen weiter im Kalender. Monheim etwa hat sich das nächste Mal für Sommer 2017 angekündigt: Da wird eine Delegation beim Delitzscher Stadtfest Peter & Paul eintreffen. Vergangenes Jahr zelebrierten die drei Städte ihre Silberhochzeit mit einem Festakt im Delitzscher Bürgerhaus. Darüber hinaus lebt das Miteinander vor allem auf Vereinsebene, zum Beispiel durch gute Kontakte unter den Chören.

Zu einer funktionierenden Ehe gehört aber auch die Freiheit des Einzelnen. Die drei Partner haben ganz eigene Hobbys, die sie sich gern gegenseitig vorführen. Das rheinländische Monheim zum Beispiel nennt sich Hauptstadt für Kinder, hat sich in dieser Hinsicht zu einer Vorzeigekommune entwickelt. Das württembergische Friedrichshafen pflegt seine Rolle als Tourismuszentrum im Dreiländereck. Und Delitzsch will seine Genossenschaftsidee im November zum Weltkulturerbe führen. Dass in dieser Ehe mal der Gesprächsstoff ausgeht, ist nicht zu befürchten.

Den Rackwitzern ist es allerdings so ergangen. Die Partnerschaft mit Mainhardt im Landkreis Schwäbisch-Hall besteht zwar offiziell noch, doch außer gegenseitiger Zusendung des Amtsblattes ist nicht mehr viel, heißt es aus der Gemeindeverwaltung. Ähnlich in Zschortau, jetzt ebenfalls Teil der Gemeinde Rackwitz. Schrozberg ist dort aus dem Blick gerückt. Immerhin: Ein Straßenname erinnert noch an die alte Liebe.

Butzbacher Platz für Eilenburg

Auf einer seiner letzten Dienstreisen als Eilenburgs Oberbürgermeister hat Hubertus Wacker im Juni 2015 auf dem Eilenburger Platz in Butzbach das neueste Zeichen der Partnerschaft enthüllt: ein Diabas aus Eruptivgestein. Nur ein Jahr zuvor war Amtskollege Michael Merle an der Mulde, um am Kreisverkehr den Namen Butzbacher Platz am Findling unweit des Mühlgrabens freizugeben. Sichtbare Zeichen einer Partnerschaft, die im letzten Jahr ein Vierteljahrhundert bestand.

Findling zeugt von der Städtepartnerschaft

Findling zeugt von der Städtepartnerschaft: Am Butzbacher Platz in Eilenburg.

Quelle: Alexander Bley

Bereits seit 1982 bemühte sich Butzbach um partnerschaftliche Beziehungen zu einer Kommune in der damaligen DDR. Was zunächst an bürokratischen Hemmnissen scheiterte, sollte später dann doch klappen. Aufbauend auf Beziehungen der evangelischen Markusgemeinde Butzbach mit Wöllnau, Wildschütz und Schöna kamen erste Kontakte zustande. Ernst wurde es 1990, drei Wochen nach der Wiedervereinigung, als die damaligen Bürgermeister Herbert Poltersdorf und Karl-Heinz Hoffmann den Partnerschaftsvertrag schlossen. „Eilenburg ist wie Butzbach ein Mittelzentrum und passt in der Gewichtung zu uns“, begründet der Partnerschaftsverein in der hessischen Stadt, warum Eilenburg trotz aller Erschwernisse die richtige Wahl war und ist. Der Verein wirbt mit dem Wunsch, dass sich Besucher „von der Herzlichkeit, dem Humor und der Scharfsinnigkeit unsrer Freunde“ zu einem Besuch in Eilenburg inspirieren lassen. Und auch in der Not ist man füreinander da. Zur Flutkatastrophe 2002 wurden in einer spontanen Nacht- und Nebel-Aktion 50 000 Sandsäcke nach Eilenburg gefahren und Butzbacher Vereine riefen zu Sach- und Geldspenden auf.

In der ersten Zeit nach der Wiedervereinigung waren es die Verwaltungs-Mitarbeiter aus dem Westen, die halfen, die Organisation im Rathaus neu aufzustellen. Heute spielt sich die Verbindung vor allem auf Vereinsebene ab, wird von Sportlern, Senioren, Feuerwehrleuten getragen. Aber auch von Oberschülern und Gymnasiasten. So gibt es seit einigen Jahren eine gut funktionierende Partnerschaft zwischen der Friedrich-Tschanter-Oberschule und der Butzbacher Schrenzerschule. Gegenseitige Besuche, Zusammenwirken bei verschiedenen Projekten und Ausstellungen – all das hat sich stetig entwickelt.

Eine neue Liaison soll in diesen Tagen begründet werden. Heute und morgen besucht der Butzbacher Gesangsverein 1938, der sich den Namen „Klangfarben“ gegeben hat, Eilenburg. Das Ensemble aus der hessischen Partnerstadt und der Volkschor der Muldestadt wollen sich besser kennenlernen und den Austausch pflegen. Mitreisen wird auch eine Delegation der Stadtverwaltung.

Blomberger Mohren besuchen Oschatzer Weihnachtsmann

Zu gleich zwei Städten im Westen Deutschlands pflegt Oschatz partnerschaftliche Beziehungen: zu Blomberg in Nordrhein-Westfalen und Filderstadt in Baden-Württemberg. „Kurios ist, dass bereits zu DDR-Zeiten Beziehungen zu Blomberg aufgebaut werden sollten“, erzählt der Oschatzer Oberbürgermeister Andreas Kretzschmar. Zweifach sei der Versuch unternommen worden, beim ersten Mal seien sogar schon die Punkte der Zusammenarbeit zu Papier gebracht worden. Doch stets kamen politische Ereignisse und das Veto der SED-Genossen dazwischen, die eine Zusammenarbeit verhinderten. Nach der Wende, genau am 9. Juni 1990, kam es dann doch zur Unterzeichnung eines Vertrages über die Städtepartnerschaft mit Blomberg. Seitdem wird auf vielen Ebenen kooperiert, haben sich Freundschaften entwickelt. So sind die Blomberger Mohren, eine Tradition aus den nahen Niederlanden, jedes Jahr auf dem Weihnachtsmarkt in Oschatz und erfreuen Kinder und Erwachsene mit ihrem Auftritt.

Die Mohren auf dem Oschatzer Weihnachtsmarkt

Die Mohren auf dem Oschatzer Weihnachtsmarkt.

Quelle: Dirk Hunger

Die Jubiläen der Städtepartnerschaften – der Vertrag mit Filderstadt wurde im August 1990 unterschrieben – wurden und werden mit beiden gefeiert und regelmäßig werden Erfahrungen ausgetauscht. Während in den Anfangsjahren vor allem Hilfe beim Aufbau der Verwaltungsstrukturen, bei der Gründung von Vereinen und Verbänden geleistet wurde, liegt die Zusammenarbeit inzwischen längst im beiderseitigen Interesse. Themen wie Stadtentwicklung und Stadtsanierung, Ausbau der Kindereinrichtungen und auch demografische Entwicklung bieten heute mehr als Gesprächsstoff. Zudem gibt es zu den Stadtfesten einen regelmäßigen Austausch von Kunst und Kultur, welcher auch die Menschen einander näherbringt. Viele Vereine arbeiten zusammen, besuchen sich gegenseitig. Sofort fallen dem Oberbürgermeister dazu das DRK, die Feuerwehr und der Oschatzer Lehrerchor ein. „Viele ganz private Freundschaften haben sich zudem entwickelt, auch das gehört für mich zu einer lebendigen Städtepartnerschaft“, fügt Andreas Kretzschmar hinzu.

Musikanten vom Bodensee spielen in Mügeln auf

Durch den Zusammenschluss der Gemeinde Schweta mit Mügeln, dann 2011 durch die Fusion mit der Gemeinde Sornzig-Ablaß gibt es heute gleich drei Partnerkommunen von Mügeln. Zumindest auf dem Papier – denn leider eingeschlafen ist die Zusammenarbeit mit Hirschau, der Mügelner Partner-Kommune.

Am intensivsten wird die Partnerschaft derzeit mit Bodman-Ludwigshafen – der Schwetaer Partnergemeinde – gepflegt. Was in der Anfangszeit als Hilfe im Amt durch die Baden-Württemberger geleistet wurde, hat sich später auf die Zusammenarbeit von Vereinen und der Feuerwehr ausgedehnt. Freundschaften entstanden obendrein. Regelmäßig gibt es gegenseitige Besuche. So reiste ein Bus mit Sachsen im vergangenen Jahr wieder zum Hafenfest an den Bodensee, wo die Kemmlitzer Blasmusikanten zum wiederholten Mal mit ihrem Spiel für gute Stimmung sorgten. Die Blasmusikanten sind zudem einer der Vereine, die mit gleichgelagerten in der Partnerstadt regen Kontakt pflegen. Persönliche Freundschaften entstanden so und die Brass Band aus Bodman-Ludwigshafen spielte schon zum Mügelner Altstadtfest, zum Schützenfest und beim Sornziger Blütenfest auf. Beispielgebend für die gute Partnerschaft ist auch die Zusammenarbeit zwischen der Schwetaer Feuerwehr und der in der Partnergemeinde.

Musikanten aus Bodman-Ludwigshafen in Sornzig

Musikanten aus Bodman-Ludwigshafen in Sornzig.

Quelle: Bärbel Schumann

„Auch zur Partnergemeinde von Sornzig-Ablaß, Öhningen, bestehen gute Verbindungen, gibt es nach einer kleine Flaute wieder Besuche und gute Kontakte“, erzählt Mügelns Bürgermeister Johannes Ecke. Im letzten Jahr weilte der dortige Bürgermeister Andreas Schmid in Mügeln, war bei der Einweihung der Einheitsbank dabei. Und bei Besuchen in Bodman-Ludwigshafen wurde in den vergangenen Jahren von Mügelner Reisegruppen auch ein Abstecher in die Orte der Gemeinde Öhningen eingeplant. Durch den Austausch zwischen den Partnerkommunen sind auch viele Mügelner auf die Bodensee-Region aufmerksam geworden. Gefördert durch persönliche Kontakte fanden einige vor allem nach der Wende ihr berufliches wie privates Glück in der Partnerregion.

Dübener feiern an der Lahn

Bei den auf Fünf endenden Jubiläen ist Diez dran, bei denen mit Null Bad Düben. Es ist jetzt 25 Jahre her, dass beide Kommunen ihre Partnerschaft begründet haben. Ein solcher Anlass muss gefeiert werden – und deshalb sind die Muldestädter am Wochenende in der Stadt an der Lahn zu Gast. Neben Bürgermeisterin und Stadträten sind Kurrende, Feuerwehr und Kirche dabei.

Renate Kuby (r) und Gretelore Herr (Mitte) aus Diez – hier mit der Dübener Bürgermeisterin Astrid Münster – zeigten ihre Kunstwerke auch i

Renate Kuby (r.) und Gretelore Herr (Mitte) aus Diez – hier mit der Dübener Bürgermeisterin Astrid Münster – zeigten ihre Kunstwerke auch in Bad Düben.

Quelle: Kathrin Kabelitz

1991 ist die Partnerschaft zwischen den Städten Bad Düben und Diez unterzeichnet worden, zwei Jahre später zog auch die katholische Kirche nach. Wer auf der Suche nach einer Partnerstadt zuerst den Namen Diez oder Bad Düben nannte, ist heute nicht mehr bekannt. Fakt ist aber, die Verbindung hält, auch wenn sie kein Selbstläufer ist. Voneinander lernen oder die Erfahrungen des anderen nutzen – auf vielen Ebenen klappt das gut. So bei der Feuerwehr und im Bereich der Kultur. Regelmäßig stellen Künstler der einen in der anderen Stadt aus. Zuletzt zeigten Gretelore Herr und Renate Kuby im Naturparkhaus ihre Werke. Jetzt ist es die Dübenerin Rita Janecek, die in Diez Fotos von vor 25 Jahren und heute gegenüberstellt. In Diez gibt es übrigens eine Bad Dübener Straße – ebenso wie die Kur-stadt eine Diezer Straße hat. Und wenn die Dübener jetzt in Diez sind, wollen sie einen Baum pflanzen.

Von Bärbel Schumann, Kathrin Kabelitz und Kai Würker

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