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Eilenburg Ökumene praktisch: In Wöllnau engagiert sich ein Katholik für die evangelische Kirche
Region Eilenburg Ökumene praktisch: In Wöllnau engagiert sich ein Katholik für die evangelische Kirche
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02:02 08.05.2018
Winfried Hauck zieht die Uhr des Wöllnauer Kirchturms auf. Ein Ritual, das täglich wiederholt werden muss und bei dem sich acht Familien des Ortes wochenweise abwechseln. Gibt es was zu reparieren, macht Winfried Hauck das selbst. Quelle: Fotos: Wolfgang Sens
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Wöllnau

Die Wöllnauer Kirche bekommt ein neues Leader-Dach. Auf bis zu 100 000 Euro belaufen sich die Schätzkosten für das Vorhaben, zu dem auch zwei Fledermausgauben sowie ein barrierefreier und damit gepflasterter Zugang zur Kirche gehören. 60 000 Euro aus dem Fördertopf stehen dafür in Aussicht. Die Leader-Arbeitsgruppe Dübener Heide hat auf ihrer Sitzung im März die Wöllnauer Kirche als eines von 34 Vorhaben ausgewählt.

Die Kirchturmuhr ist schuld

Dass das Projekt auf die Liste kam, daran ist streng genommen aber die Kirchenuhr schuld. Denn diese Uhr, die am Wöllnauer Kirchturm seit 1870 zeigt, was die Stunde schlägt, hatte es Winfried Hauck sofort angetan, als er 1981 von Leipzig-Mitte nach Wöllnau zog. Der Katholik gibt zu, dass er sich vor allem wegen ihr seit Jahrzehnten für die evangelische Kirche im Dorf engagiert und letztendlich damit auch die Leader-Förderung auf den Weg gebracht hat.

2007 wurde die Kirchturmspitze saniert. Seit der Wende flossen bereits 100 000 Euro in die Sanierung der Wöllnauer Kirche. Quelle: LVZ Archiv

Wenn der 61-Jährige das mechanische Uhrwerk auf dem Dachboden aufzieht, kommt er ins Schwärmen: „Das ist nicht irgendeine Uhr, sondern eine, die in Pressel und damit in unmittelbarer Nachbarschaft angefertigt wurde.“ Nachdem sich jahrelang Horst Merker um den Zeitmesser gekümmert hatte, stand er etliche Jahre still. Doch noch zu DDR-Zeiten nahm Winfried Hauck die Uhr unter seine Fittiche. Dass er dabei viel Unterstützung hat, freut den Erzieher. „Denn die Uhr muss jeden Tag von Hand aufgezogen werden. Wir sind derzeit acht Familien, die jeweils für einen Monat dieses Amt wahrnehmen“, erzählt er. Der Stolz auf „seine“ Uhr ist durchaus herauszuhören, wenn er erzählt, dass sie bis heute genau geht. Klar sei das Pendel temperaturfühlig und schlage bei 30 Grad nun mal schneller als bei Minusgraden aus. Doch mit Hilfe von Magneten am Pendel habe er das inzwischen gut ausbalanciert.

Die Fördermittel kräftig veredelt

Auch der Riss der Glocke in der Wöllnauer Kirche wurde schon nach der Wende saniert. Quelle: Archiv

Nachdem die Kirche, die zu DDR-Zeiten im Rahmen der Möglichkeiten erhalten wurde und getreu dem Motto „wenn Farbe da war, kam sie eben dran“, erhalten wurde, taten sich nach der Wende neue Möglichkeiten auf. „Wöllnau hat sie genutzt“, kann Winfried Hauck mit Fug und Recht behaupten. Denn die rund 100 000 Euro, die für die Kirche seit der Wende ausgegeben wurden, veredelten die Wöllnauer mit vielen Eigenleistungen. Nur so konnten seitdem Kirchturm und Glockenstuhl, ein Riss in der älteren Glocke repariert, die Elektrik, Außenputz und Fenster erneuert werden. „Beim neuen Außenputz, der 2003 draufkam, haben wir alle Wöllnauer rangeholt, die irgendwie dafür geeignet waren. Die Technik stellte unser Bauer Heinze. Und dann haben sich acht Männer immer sonnabends ein Stück vorgenommen, während sich die Frauen um die Versorgung kümmerten“, erinnert er sich.

Stürme rüttelten am Dach

Reparaturen am Glockenstuhl in der Wöllnauer Kirche. Quelle: Archiv

Winfried Hauck bedauert, dass es heute leider nicht mehr möglich sei, Arbeitsleistungen als Eigenmittel für Fördermittel einzubringen. Fast 40 000 Euro Eigenmittel aufzutreiben, ist auch für ihn als erfahrenen Fördermittelbeschaffer nicht einfach. In den nächsten Wochen geht es für ihn aber vor allem darum, mit dem Architekten das Projekt planerisch so weit voranzutreiben, dass es als offizieller Fördermittelantrag eingereicht werden kann. Das grüne Licht von der Leader-Arbeitsgruppe ist ein ganz wichtiger, aber dennoch nur ein erster Schritt. „Doch wir schaffen das“, gibt sich der Katholik, der die evangelische Kirchgemeinde da voll hinter sich weiß, kämpferisch. Aus seiner Sicht gibt es ohnehin keine Alternative. Denn bei den letzten beiden Stürmen hat das Dach einiges abbekommen. „Das hat Fachdach Freimann, eine in Wöllnau ansässige Dachdeckerfirma, zwar uneigennützig und notdürftig geflickt, doch jetzt müssen wir da unbedingt was machen.“

Etliche Klinken von Firmen hat er schon geputzt und den einen oder anderen Euro in Aussicht gestellt bekommen. Mit seiner Frau Isolde, die im Gemeindekirchenrat mitarbeitet, hat er dorthin einen guten Draht. Doch es werden auch die Spenden der Wöllnauer gebraucht. Ein Handzettel, mit dem jeder der 244 Wöllnauer um eine, wenn auch noch so kleine Spende für das Kirchendach gebeten wird, ist bereits vorbereitet. Denn Winfried Hauck, der im Nebenerwerb einen Reiterhof führt und studierter Agraringenieur ist, weiß natürlich: Kleinvieh macht auch Mist, sprich, selbst kleine Beträge summieren sich.

Spenden werden unter der Angabe des Verwendungszweckes „Wöllnauer Kirchendach“ auf dem Konto der Bank für Kirche und Diakonie, IBAN 95 3506 0190 1551 5860 45 entgegengenommen.

Von Ilka Fischer

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