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Eilenburg Paletten fallen von Lkw auf Pkw – Eilenburger Gericht verhandelt nach Unfall
Region Eilenburg Paletten fallen von Lkw auf Pkw – Eilenburger Gericht verhandelt nach Unfall
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08:04 23.08.2017
Der Unfall im November 2016. Quelle: Christine Jacob
Delitzsch/Eilenburg

Es war ein verhängnisvoller Moment, in dem es das Schicksal mit den Betroffenen offenbar nicht gut meinte. Klaus R. befuhr im November 2016 mit seinem Sattelzug die Benndorfer Landstraße und war in Richtung Delitzsch unterwegs. In einer leichten Rechtskurse lösten sich Paletten von der Ladefläche und trafen einen vorbeifahrenden Pkw. Das Holz der Paletten durchschlug die Windschutzscheibe des Pkw, traf auch das Dach und verletzte den 24-jährigen Fahrer erheblich.

Er musste mit einem Rettungshubschrauber in eine Klinik geflogen werden, wo die Ärzte dann um das Leben des jungen Mannes kämpften. Gesichtsbrüche und ein schweres Schädelhirntrauma waren die schwerwiegendsten Verletzungen. Dauerhafte Schäden sind bis heute nicht auszuschließen.

Einspruch gegen Strafbefehl

Die Staatsanwaltschaft verfolgte den Fall wegen des besonderen öffentlichen Interesses und sah darin eine fahrlässige Körperverletzung des Lkw-Fahrers. Sie beantragte beim Eilenburger Amtsgericht einen Strafbefehl gegen den 59-jährigen Lkw-Fahrer. Das Gericht erließ den Strafbefehl. Der Lkw-Fahrer ging jedoch dagegen in Einspruch und ließ seine Leipziger Rechtsanwältin nun in der Hauptverhandlung für ihn kämpfen.

Amtsrichterin Carmen Grell hatte den Angeklagten vom persönlichen Erscheinen entbunden. Der Einspruch richtete sich lediglich gegen die Rechtsfolgen, also auf die Geldstrafe in Höhe von 70 Tagessätzen zu je 40 Euro.

Der Verteidigerin war es dann wichtig zu betonen, dass es ihrem Mandanten sehr leidtut, dass es zu diesem Unfall kam. Er könne sich auch nicht erklären, wie es dazu kommen konnte. „Seit 2011 fährt mein Mandant zweimal in der Woche mit dieser Ladung diese Strecke und es ist vorher noch nie etwas passiert, weil er eben die Ladungssicherung mehrfach überprüft“, betonte die Rechtsanwältin. Das soll auch an diesem Tag so gewesen sein.

Anwältin: Gurt war fest

Natürlich seien dem Lkw-Fahrer die schweren Folgen des Unfalls bewusst und er werde auch dafür die Verantwortung tragen. „Doch wie hoch ist die Schuld tatsächlich“, fragte die Anwältin. Das Sachverständigengutachten, das nach dem Unfall veranlasst wurde, ging nicht von einem technischen Versagen des Gurtes aus. Er sei weder gerissen, noch gebe es andere Auffälligkeiten. „Der Gurt war fest, als er losgefahren ist“, behauptete die Rechtsanwältin im Namen ihres Mandanten.

Staatsanwältin Birgit Kraft benannte dagegen den siebenten Gurt, der nicht angezogen war und monierte, das keine Plane über den gestapelten Paletten gelegen habe.

Das Dekra-Gutachten, welches von der Richterin verlesen wurde, geht davon aus, dass der siebente Gurt nicht die erforderliche Vorspannung gehabt habe und bezog sich dabei auf Spuren, vor allem Abdrücke im Holz der Paletten, die gefehlt hätten. Der sogenannte Zurrgurt habe sich deshalb bei Schwingungen des Aufliegers oder bei Unebenheiten der Straße aushängen und lösen können.

Ordentlicher Fahrer

Staatsanwältin Kraft ging davon aus, dass der Lkw-Fahrer nicht noch einmal geprüft habe, ob die Gurte tatsächlich vorschriftsmäßig gespannt waren. Sie verwies auf die erheblichen Folgen des Fehlverhaltens. „Der Geschädigte hatte keinerlei Schuld an diesem Unfall“, betonte sie und fügte hinzu: „Keine Strafe macht das Geschehen wieder rückgängig.“ Die Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro sah sie als tat- und schuldangemessen. Das einzig Positive für den Angeklagten sei, dass kein Mensch gestorben ist.

Für die Verteidigerin war die Höhe der Tagessätze „eindeutig zu hoch“. Es war keine Vorsatztat. Und das Dekra-Gutachten stelle lediglich eine Vermutung da. Die Anwältin erklärte nochmals: „Mein Mandant hat alle Gurte geprüft.“ Die Schuld sei deshalb als äußerst gering anzusehen. Zudem sei er ein sehr ordentlicher Fahrer, was, so sagte sie, „keinesfalls bei allen Lkw-Fahrern der Fall ist“. Zudem verfolge ihn der Unfall bis heute. Allein das sei schon Strafe genug. Sie plädierte für eine Verwarnung mit Strafvorbehalt.

Fahrlässiger Pflichtverstoß

Richterin Carmen Grell sah in dem Fall auch etwas Besonderes. „Es gibt keinen Eintrag im Verkehrszentralregister.“ Zudem hatte der Fahrer die Schuld eingeräumt, hält noch heute Kontakt zur Familie des Geschädigten. Es sei ein fahrlässiger Pflichtverstoß gewesen, allerdings mit schweren Folgen. Dennoch sah die Richterin eine Geldstrafe als entbehrlich an. Sie verwarnte den Angeklagten und legte als Bewährungszeit ein Jahr fest. Zudem habe er binnen drei Monaten 1500 Euro an die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsgruppe Delitzsch, zu zahlen.

Von Ditmar Wohlgemuth

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