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Eilenburg Peter Geus arbeitet seit 27 Jahren als Landarzt in Mockrehna
Region Eilenburg Peter Geus arbeitet seit 27 Jahren als Landarzt in Mockrehna
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00:21 06.03.2018
Peter Geus ist Praktischer Arzt in Mockrehna. Quelle: Matthias Klöppel
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Mockrehna

Hausärzte sind eine wichtige Säule im Gesundheitssystem – ob nun in einer pulsierenden Uni-Metropole oder in einer ländlich geprägten Region. Der Diplommediziner Peter Geus hat sich für die zweite Variante entschieden. Seit 1991 ist er in einer Einzelpraxis in seiner Heimatgemeinde Mockrehna niedergelassen. Im Gespräch mit dem 63-Jährigen wird deutlich, warum der Arztberuf trotz schwieriger Versorgungslage auch auf dem Land attraktiv ist.

Herr Geus, wie sieht bei Ihnen ein normaler Arbeitstag aus?

Um 7.30 Uhr beginnt die Sprechstunde. Die dauert bis 12 Uhr, manchmal auch etwas länger. Danach sind die Hausbesuche dran oder vorab vereinbarte Termine. Hinzu kommen ärztliche Anfragen, die geklärt werden müssen. Von 17 bis 19 Uhr ist noch eine späte Sprechstunde für Berufstätige. Das klappt alles. Mit drei Arzthelferinnen und mir ist die Praxis gut aufgestellt.

Wie viele Patienten versorgen Sie pro Tag?

Das ist unterschiedlich. Von 40 bis 140 war schon alles dabei. Erfahrungsgemäß sind wir montags am oberen Ende. Gerade jetzt, wo die Grippewelle rollt.

Rufen Sie Patienten privat an oder klingeln einfach?

Grundsätzlich respektieren die Patienten meine Privatsphäre. Dass jemand an der Haustür klingelt, kommt aber durchaus vor, wird jedoch seltener. Zumal es einen recht gut organisierten ärztlichen Bereitschaftsdienst gibt. An den kann man sich nachts und am Wochenende problemlos wenden.

War Arzt Ihr Traumberuf?

Seit der Jugend war klar, dass es in den medizinischen Bereich gehen wird. Ich kannte das ja von zu Hause. Mein Großvater und mein Vater hatten eine hausärztliche Praxis in Mockrehna. Die beiden waren schon Vorbild. Ich selbst habe in Leipzig studiert und am Eilenburger Krankenhaus meine Facharztausbildung für Innere Medizin absolviert. Sofort nach der Wende bestand die Möglichkeit, in meine Heimatgemeinde zurückzukehren. Da konnte ich nicht nein sagen.

Was schätzen Sie an Ihrer Tätigkeit besonders?

Die Nähe zu den Patienten, das Zwischenmenschliche. Bei mir ist jede Altersgruppe in Behandlung – vom Säugling bis ins hohe Alter, natürlich vorwiegend Senioren. Die Patienten und ihr Umfeld über mehrere Generationen hinweg nicht nur auf rein fachlicher Ebene kennenlernen zu dürfen – das ist schon toll. Im Krankenhaus wäre das nicht so.

Worin besteht für Sie die größte Herausforderung als Landarzt?

Unter den vielen Personen, die zu mir kommen, die wirklich Kranken in relativ kurzer Zeit mit eingeschränkter Technik herauszufinden. Das gelingt in einer großen Klinik wiederum leichter.

Gibt es bürokratische Hürden, die Ihren Arbeitsalltag erschweren?

In der Tat. Die Bürokratie ufert ja aus. Ein Großteil meiner Arbeit fällt inzwischen darunter. Die Datenmengen nehmen immer mehr zu, Diagnosen müssen immer umfangreicher verschlüsselt werden. Und noch etwas wiegt schwer: Rabattverträge führen dazu, dass wir teilweise Arzneimittel spritzen müssen, die fachlich nicht so handfest sind.

Noch vier Jahre, bis Sie in Rente gehen: Haben Sie sich schon Gedanken über Ihre Nachfolge gemacht?

Ich hoffe, dass meine Tochter die übernehmen wird.

Wie lautet Ihr Fazit nach 27 Jahren mit eigener Praxis?

Ich bin froh, mich so entschieden zu haben. Die positiven Eindrücke überwiegen. Man ist sein eigener Herr, wenn man von der Bürokratie absieht. Und Mockrehna ist ein durchaus attraktiver Standort – dank guter Infrastruktur. Genau die braucht es, um junge Kollegen auf das Land zu holen. Gleichwohl bin ich überzeugt: Wer Freude am Arztsein hat, wird den Beruf überall ausüben.

Von Matthias Klöppel

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