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Polizei warnt vor Bescheiden

Polizei warnt vor Bescheiden

Lieselotte Petzold hat in ihrem langen 78-jährigen Leben noch nie bei einer Kaffee-Fahrt mitgemacht: „Da hatte uns doch mein Bruder, der schon vor der Wende im Westen lebte, gewarnt.

Eilenburg. " Jahrelang ignorierte sie also die bunten Kärtchen, die in ihrem Briefkasten landeten. Doch neulich kam ein Brief, der sah amtlich aus: Schriftformat und Erscheinungsbild alles wie vom Amt. „Bescheid über Gewinn-Zulassung" stand darüber. „Nach anwaltlicher Prüfung sei die persönliche Zulassungs- Nummer dem autorisierten Teilnehmerkreis einer Renten-Bonus- Zahlung durch die Info-Zentrale zugewiesen", so die Nachricht. „Da lag so eine gelbe Karte dabei, die man zurückschicken sollte.

Das habe ich gemacht", erzählt die Rentnerin. Immerhin ist in diesem Schreiben nicht allein von der zusätzlichen Renten-Zahlung die Rede, die sich nach der Zahl der Arbeitsjahre richtet. Das beigefügte Dokument sei außerdem sorgfältig aufzubewahren und vor dem Zugriff Dritter zu schützen. Die Warnung vor diesen Schreiben, die bereits am 24. April in der Kreiszeitung stand, hatte Lieselotte Petzold leider übersehen. „Aber später habe ich darüber nachgedacht: So ein Quatsch, die Rentenstelle müsste doch alle meine Angaben haben." Ihr wurde klar, dass sie nun doch eine Anmeldung zur Kaffeefahrt abgeschickt hatte. Aufgrund der hohen Summe werde der Betrag in Raten abgewickelt, wurden die Empfänger gelockt, die erste Rate solle bei einer Veranstaltung der Info-Zentrale ausgezahlt werden, für die weiteren Modalitäten stünden Mitarbeiter vor Ort bereit. Nach wenigen Tagen flatterte der Eilenburgerin die Bestätigung zum „Abwicklungstermin" am 4. Mai ins Haus. „Genehmigt", prangt ein riesiger Stempel am Ende.

Zwei Tage vorher kam eine Erinnerung in Rot: Eine Stornierung sei nicht mehr möglich. Schließlich sei das „Mittagsbuffet von 9,50 Euro pro Person vorab beim Restaurantleiter bezahlt. „Zusätzlich mussten wir eine Buspauschale von 15,00 Euro pro Person überweisen", hieß es da. Die Eilenburgerin aber hatte sich mit ihrer Tochter beraten. An der Fahrt wollte sie auf alle Fälle nicht teilnehmen. Die beiden gingen stattdessen ins Bürgerbüro im Rathaus, wollten dann bei der Polizei Anzeige erstatten. Aber so lang noch kein Schaden entstanden ist, liegt aber keine Straftat vor, erfuhren sie dort. Klaus Kabelitz, dem Leiter der Kriminalabteilung im Revier Eilenburg, kamen in den vergangenen Tagen mehrere solcher Fälle zur Kenntnis: „Wir hatten jetzt auch jemanden aus Taucha. Es geht also weiter. Doch dahinter steckt eine normale Verkaufsveranstaltung", so die Erkenntnisse des Kriminalisten.

Das Vorgehen, mit dem die älteren Menschen in die Irre geleitet werden, sei an der Grenze zur Illegalität, aber es überschreite diese Grenze nicht. Bundesweit werde aber vor dieser Firma gewarnt, wie berichtet, auch in Eilenburg. Doch den Initiatoren von vornherein das Handwerk zu legen, sei nach der aktuellen Lage bisher nicht möglich. Denn laut Buchstaben des Gesetzes lassen sie sich nichts zu Schulden kommen. Ein echtes Problem, dass auch den Polizeibeamten ärgert: „Da kann Ihnen jeder eine Rechnung über 99 Euro stellen." Gegen die Rechnung über die Stornierungszahlung sei deshalb sofort Widerspruch einzulegen. „Das geht formlos: Ihre Forderungen entbehren jeder Grundlage. Ich weise die Zahlung zurück." Auf keinen Fall sollten Kontodaten preisgegeben werden. Denn darum, so vermutet der Kriminalist, gehe es vor allem.

Heike Liesaus

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