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Eilenburg Prozess wegen sexuellen Missbrauchs vor Amtsgericht Eilenburg
Region Eilenburg Prozess wegen sexuellen Missbrauchs vor Amtsgericht Eilenburg
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22:36 26.10.2017
Das Amtsgericht Eilenburg. Quelle: Wolfgang Sens LVZ
Eilenburg

Kein einfacher Fall: Nach zwei Stunden Verhandlung unterbrach Jugendrichter Ruben Franzen jetzt am Amtsgericht Eilenburg die Beweisaufnahme und setzte für kommende Woche einen neuen Termin an. Geladen werde dann auch jenes Mädchen, mit dem der Angeklagte Thomas S. (Name geändert) den Geschlechtsverkehr vollzogen hat. Weil das Mädchen damals unter 14 Jahre alt war, stufte die Staatsanwaltschaft Leipzig die Tat als schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes ein und klagte den 22-jährigen, heute in Leipzig wohnenden Mann an.

Rechtsanwalt beigeordnet

Staatsanwalt Thomas Kannegießer beschrieb, was an jenem Tag passiert sein soll. Demnach muss Thomas S. mit dem Mädchen abends auf einer Schlafcouch gelegen haben, die in dem Zimmer stand, das von dem Mädchen bewohnt wurde. Thomas S. vollzog dort offenbar den einvernehmlichen Beischlaf mit dem Mädchen. Dabei sei es aber nicht geblieben, so die Staatsanwaltschaft. Er habe sich beim Masturbieren gefilmt und den Clip dann per WhatsApp an das Mädchen geschickt. Auf dem Handy von Thomas S. wurden zudem Bilddateien mit kinderpornografischem Inhalt gefunden. Zwei weitere Straftaten kamen damit noch hinzu. Weil bereits die Strafhöhe des einfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern bei bis zu zehn Jahren Freiheitsstrafe liegt, ordnete Richter Franzen die Beiordnung eines Rechtsanwaltes an. Verhandelt wurde nun vor dem Jugendschöffengericht in Eilenburg.

Tat gestanden

Der Verteidiger sprach zunächst im Namen seines Mandanten und erklärte, dass es am von der Staatsanwaltschaft dargelegten Sachverhalt „nichts zu rütteln“ gebe. Es sei auch klar, dass Kinder ein hohes Schutzgut seien und deshalb Straftaten zu ihren Ungunsten konsequent verfolgt und hart geahndet werden müssten. Er habe bei seinem Mandanten aber deutliche Reifedefizite feststellen müssen. Er sei deshalb auch ein „besonderer Heranwachsender“, der auf dem Stand eines höchstens 14-Jährigen handelt. Ein eigenständiges, eigenverantwortliches Leben hatte der junge Mann, der ohne Schulabschluss und Beruf ist, bislang noch nicht auf die Reihe bekommen. Erst vor Kurzem sei er bei seinen Eltern ausgezogen. Eigentlich kannte er das Mädchen auch kaum. Er habe nicht gewusst und auch nicht nachgefragt, wie alt es war.

Kontakt zu Schwester

In einer zähen Beweisaufnahme gelang es dem Richter zumindest herauszuarbeiten, dass Thomas S. wahrscheinlich vom Alter des Mädchens erst nach dem verhängnisvollen Tag erfahren haben könnte. Der Angeklagte war offenbar davon ausgegangen, so die Auffassung des Verteidigers, dass es keinen so großen Altersunterschied zu der bereits volljährigen Schwester des Mädchens geben könnte. Wie sich herausstellte, hatte der Angeklagte überwiegend Kontakt zu der Schwester, war über einen längeren Zeitraum fast jedes Wochenende bei ihr. Zu sexuellen Handlung sei es da aber nie gekommen. „Wir waren nur beste Freunde“, erklärte der Angeklagte. Damit dürfte es jetzt vorbei sein. In einem Telefonanruf habe sie ihm das auch klargemacht.

Zweifel des Staatsanwaltes

Ob es tatsächlich so ist, dass der Angeklagte erst im Nachhinein wusste, wie alt das Mädchen war, zweifelte Staatsanwalt Kannegießer dagegen an. Es habe mal ein zweistündiges Telefonat zwischen dem Tatverdächtigen und dem Mädchen gegeben, bei dem möglicherweise beider Alter eine Rolle spielte. Wann dies allerdings stattfand, konnte nicht erforscht werden. Zum Inhalt wusste der Angeklagte auch nichts mehr.

Hinweise erhofft sich Richter Franzen nun in der kommenden Woche unter anderem von den Aussagen des Mädchens und ihrer älteren Schwester. Die Befragung begrenzt er dabei ausschließlich auf die Thematik des Alters. Andere Aussagen bleiben dem Mädchen erspart, weil der Angeklagte die Taten bereits einräumte.

Von Ditmar Wohlgemuth

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