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Ralf Scheler: "Hektik und Angst sind schlechte Ratgeber"

Ralf Scheler: "Hektik und Angst sind schlechte Ratgeber"

Die Widerspruchsfrist nach der Wahl ist vorbei. Ralf Scheler, der 67,1 Prozent der Wählerstimmen auf sich vereinigen konnte, tritt das Amt des Eilenburger Oberbürgermeisters am 1. August an.

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Ralf Scheler (51), Eilenburgs neuer Oberbürgermeister.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Wir trafen den 51-Jährigen an seiner aktuellen Arbeitsstätte als Geschäftsführer bei Schlüssel-Kratzsch und fragten nach, wie er sich auf die neue Arbeit vorbereitet.

Ihr Büro hier hat ähnliche Nordlage wie das im Rathaus. Haben Sie den Chefsessel dort schon mal ausprobiert?

Nein. Aber ich hatte bereits mit Oberbürgermeister Hubertus Wacker sowie dem Leiter des Oberbürgermeisterbereichs und mit der Leiterin des Bürgersevice Gesprächstermine. Und es wird weitere geben, um die Abläufe der Arbeit vorzubereiten. Zwischendurch ist aber auch noch eine Woche Urlaub.

Das heißt also derzeit: Abwicklung des alten und Vorbereitung des neuen Geschäftsfeldes?

Ja, ab 1. August gebe ich die Geschäftsführung bei Schlüssel-Kratzsch ab. Mein Nachfolger ist Ralph Schernekau. Ich werde ab neuem Jahr auch nicht mehr Gesellschafter der GmbH sein. Ich will mich voll auf die Aufgaben als Oberbürgermeister unserer Heimatstadt konzentrieren können.

Die Eilenburger haben Ihnen ein recht eindeutiges Votum gegeben. Haben Sie ihren Wahlsieg schon verkraftet?

Im ersten Moment war ich selbst überrascht, dass das Ergebnis so deutlich war, dass wir nicht noch in die Stichwahl gehen mussten. Es gab ja im Wahlkampf Vorfälle, die mich wirklich geärgert haben. Letztlich haben sie aber eher für uns gesprochen. Es ist natürlich gut zu wissen, dass die Bevölkerung derart hinter mir und meinen Mitstreitern steht. Die erste Aufregung hat sich gelegt. Der erste Arbeitstag ist am 3. August. Amtsübergabe ist am 31. Juli um 10 Uhr im Bürgerhaus.

Dann gibt es die Amtskette. Wird es noch eine Übergabe der Geschäfte seitens des Amtsvorgängers geben?

Ja. In den letzten beiden Juli-Wochen werden wir beide tageweise Übergabe machen. Das ist schon abgesprochen.

Sind Ihnen denn bei den Erstkontakten im Rathaus bereits Dinge aufgefallen, die Sie schnell ändern wollen?

Das hebe ich mir für den 3. August auf. Um 8.30 Uhr will ich alle Mitarbeiter zusammennehmen. Aber alles ist auch nicht in den ersten Tagen anzupacken. Außerdem sollte erst einmal beobachtet werden. Die Verwaltung funktioniert ja. Motivation ist mir wichtig, Begeisterung. Leistung muss anerkannt und gewürdigt, aber ebenso müssen Probleme angesprochen werden. Ich möchte auch zu guter Zusammenarbeit untereinander motivieren, damit zielführend und effizient gearbeitet werden kann.

Die erste Stadtratssitzung nach der Sommerpause ist am 7. September und findet dann erstmals unter ihrer Leitung statt.

Zuerst werde ich vereidigt. Mit den Grundlagen für die Sitzungs-Leitung muss ich mich auch befassen. Das passiert dann im Urlaub. Ich habe mir aber auch schon Zeit genommen, einen großen Teil der Gewerbetreibenden in der Stadt zu besuchen.

Welche Themen wurden da angesprochen?

Ich habe erst einmal meine uneingeschränkte Zusammenarbeit angeboten. Es sind auch schon einige Probleme auf den Tisch gekommen, die ich mitgenommen habe. Ich war ebenfalls bei den Betrieben mit kommunaler Beteiligung wie Remondis, den Stadtwerken, der Wohnungs- und Verwaltungsgesellschaft und dem Versorgungs- und dem Abwasserzweckverband.

Gut vorgearbeitet. Das verringert die Zahl der Antrittsbesuche im ersten Monat.

Hier habe ich den Vorteil: Ich kenne schon fast alle. Als ich Präsident der Handwerkskammer wurde, hatte ich in den ersten 14 Tagen 60 Antrittsbesuche getätigt. Ich war aber auch sogar bei zwei Bestattungsunternehmen, ich habe den Kontakt zum Landratsamt aufgenommen, damit die Zusammenarbeit zielgerichtet funktioniert. Es gab auch schon Gespräche mit Bürgermeistern der Nachbargemeinden wie Ralf Tauchnitz, Jesewitz, und Roland Märtz, Doberschütz. Dabei ging es zum Beispiel darum, wie wir künftig das Freizeit- und Erholungszentrum und das Umfeld am Kiessee weiterentwickeln. Weitere Amtskollegen kommen auch noch dran.

Haben Ihnen die vergangenen Wochen bereits neue Erkenntnisse vermittelt?

Als ich mich mit dem Gedanken befasste, OBM Eilenburgs zu werden, dachte ich noch: Was ist da den ganzen Tag über zu tun? Da hatte ich als Handwerkskammer-Präsident ja fast alle europäischen Hauptstädte durch. Inzwischen hat sich das stark relativiert. Ich sehe mich vor einer neuen, interessanten Herausforderung. Es ist abzusehen, dass es eine Mammut-Aufgabe wird.

Sie wirken trotzdem sehr entspannt.

(Lacht) Hektik und Angst sind schlechte Ratgeber. Respekt ist dagegen ein guter.

Interview: Heike Liesaus

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 07.07.2015
Heike Liesaus

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