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Eilenburg Ran an die Töpfe: Eilenburgs Küchenengel machen aus wenig viel
Region Eilenburg Ran an die Töpfe: Eilenburgs Küchenengel machen aus wenig viel
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00:18 20.07.2017
An den Töpfen: Die Küchenengel Angelika Wolf, Manuela Röhner, Saskia Bohlen (von links nach rechts) und Lars Sieler (im Hintergrund). Quelle: Mathias Schönknecht
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Eilenburg

Lernen, leben und gelegentliche Testessen. Die Küchenengel bieten Eilenburgern, die lange Zeit ohne Arbeit sind, Halt und Abwechslung im Alltag.

Ob Koch oder Gast: Das gemeinsame Angebot der SBH Südost GmbH Außenstelle Eilenburg, des Jobcenters und der Delitzscher Tafel gewinnt seit seinem Beginn im Jahr 2010 immer mehr Zulauf, berichtet Saskia Bohlen. Sie ist bei der SBH beschäftigt und in Eilenburg Standortkoordinatorin. Acht Frauen und zwei Männer befinden sich derzeit in einer Arbeitsgelegenheit (AGH) in der Rinckartstraße. Das heißt, sie bekommen ihren Lebensunterhalt weiterhin vom Jobcenter bezahlt und erhalten zusätzlich eine Aufwandsentschädigung von 1,50 Euro pro Stunde. Eine Erwerbstätigkeit sei die Arbeit als Engel nicht, sagt Bohlen. Aber die 20 Wochenarbeitsstunden im Restaurant bereiten die Teilnehmer darauf vor.

Lernen und helfen

Es gehe in erster Linie darum, wieder das Gefühl für einen geregelten Tagesablauf zu bekommen, im Team zu arbeiten und miteinander zu kommunizieren. Diese Schlüsselqualifikationen seien Grundvoraussetzung für die Arbeitswelt. Bohlen: „Die Teilnehmer lernen mit dem Stress des Arbeitsalltags im geschützten Raum umzugehen.“ Nach langer Zeit ohne Job seien sie nicht mehr allen Aufgaben von Beginn an gewachsen. Einige Teilnehmer seien bereits seit zehn oder gar 20 Jahren erwerbslos. Umso schöner sei es für Bohlen, die Fortschritte während des Kurses vom 1. März bis 31. August zu sehen.

Probieren erwünscht!

Damit die AGH überhaupt angeboten werden kann, müsse die Kursleiterin diese jedes Jahr wieder beantragen oder vom Jobcenter verlängert bekommen. Wenn die Hilfe des Jobcenters oder der Tafel wegfällt, könnten die Küchenengel nicht weitermachen. „Es ist eine feste Größe im Jahr“, sagt Bohlen, und erfülle zwei Aufgaben: Die Teilnehmer lernen etwas dazu und helfen anderen.

Die Woche in der Engelsküche ist fest strukturiert: Montag, Mittwoch und Freitag werden die warmen Mahlzeiten für einen Euro an Eilenburger mit niedrigem Einkommen abgegeben. Zehn bis 20 Personen kommen dann täglich, um in angenehmer Atmosphäre zu speisen. Seit Projektbeginn wurde das Restaurant „sehr gut angenommen“, sagt Bohlen. Den Dienstag und Donnerstag nutzen die Engel für die Reinigung, Inventur und dem Ausprobieren neuer Ideen und Rezepte. Ab und an gebe es auch ein Testessen, berichtet die Kursleiterin. Denn die Küche muss mit dem zurechtkommen, was die Tafel zur Verfügung stellt. „Manchmal bringen sie auch vier Eimer Knoblauchsoße“, sagt Bohlen. Dann heiße es, das Beste daraus zu machen. Und dafür müsse auch einmal ausprobiert und selbst verkostet werden. Bohlen weiß auch, dass die Lebensmittelpreise steigen und es dadurch von Jahr zu Jahr schwieriger wird. „Wir freuen uns immer, wenn die Tafel etwas bringt.“ Zusätzlich kaufe sie nur das ein, was fehle, um überhaupt ein Gericht zuzubereiten.

Besser als zu Hause rumsitzen

Es komme vor, dass Küchenengel direkt aus der AGH in ein Arbeitsverhältnis vermittelt werden. Dabei spiele es keine Rolle, ob dieses auch im gastronomischen Bereich ist. Ein Küchenengel zu sein, heiße nur, sich auf den Arbeitsmarkt vorzubereiten. Bei entsprechenden Angeboten helfe die SBH dann bei den Bewerbungsunterlagen.

„Ich kann mir viele Kniffe abschauen“, sagt Lars Sieler über seine Arbeit im Restaurant. Besonders gut ginge das bei Angelika Wolf. Wolf hatte, bevor sie arbeitslos wurde, 25 Jahre in der Küche gearbeitet. „Wir lernen voneinander“, ergänzt sie bescheiden. Die Arbeit mache Spaß, das Essen sei abwechslungsreich und könne auch zu Hause zubereitet werden. „Die Stimmung ist gut“, sagen die Teilnehmer unisono. „Das Team passt zusammen“, bestätigt Bohlen. Für Lars Sieler ist die Tätigkeit im Restaurant an der Rinckartstraße jedenfalls „besser als zu Hause rumzusitzen.“

Von Mathias Schönknecht

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