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Eilenburg Regional einkaufen in Region Eilenburg ist ein Erlebnis
Region Eilenburg Regional einkaufen in Region Eilenburg ist ein Erlebnis
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08:22 28.09.2017
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Eilenburg

Es muss nicht alles bio sein. Doch was ist mit dem frischen Gemüse, das gerade noch vor wenigen Stunden auf dem Beet stand, wo ist der Bäcker oder der Fleischer, der die Backstube oder die Schlachterei noch hinter dem Laden hat? Produkte direkt vom Erzeuger? Wer die will, muss heute meist weite Wege auf sich nehmen. Angebote sind da, aber verstreut.

Das sieht zum Beispiel Andrea Weiland so. Ihr und ihrer Familie schmecken Produkte aus dem Supermarkt einfach nicht mehr, die in Plastefolien verpackt sind und denen der industrielle Hintergrund anzumerken ist. Seitdem die Familie in Steubeln bei Eilenburg einen alten Bauernhof gekauft und saniert hat, dort auch selbst Tiere hält und Gemüse zieht, ist das Verhältnis zu Nahrungsmitteln anders. „Wir haben den Unterschied kennengelernt. Da wollen wir nichts anderes mehr. Dabei werden unsere Tiere auch nicht mit purem Bio gefüttert und aufs Beet dürfen auch geringe Mengen Kunstdünger“, erklärt Andrea Weiland. „Doch ein Huhn, das die Sonne gesehen hat, ist einfach etwas anders“, stimmt sie mit Dieter Dottermusch, Inhaber des gleichnamigen Obsthofes in Wöllmen, überein.

Agraringenieurin Sina Weißbacher ist stolz auf die Bio-Eier, die die Hühner in Wildenhain legen. Quelle: Wolfgang Sens

Bei ihm hat Andrea Weiland gerade einige Äpfel gekauft. Im Obsthof ist die Saison nun wieder angelaufen. Dabei war die Pause für Eigentümer eines Gartens nicht so schlimm, denn Gemüse wie Gurken und Tomaten wächst im Sommer auch daheim. Doch selbst in der angebotsarmen Zeit sind im Obsthof immer noch regionales Geflügel und Säfte zu kaufen, auch die Äpfel, die hier dank spezieller Lagerung fast bis zur neuen Ernte vorrätig sind. Die neue Saison ist mit dem Hoffest eingeläutet und nun sind die verschiedenen Anbieter, die freitags auf dem Hof ihre Stände aufbauen, wieder regelmäßig da. Allerdings ist Einkauf hier nur begrenzte Zeit möglich. Nachmittags sind die Stände schon wieder abgebaut. Wenn sie zu spät kommt, hat selbst Andrea Weiland, die verkürzt arbeitet, Pech. „Klar, dass Leute, die voll arbeiten gehen, das nicht schaffen“, stellt sie fest. Einkaufen vor Ort ist nicht allein eine Frage der Zeit, sondern kostet auch Treibstoff. Zu Fuß oder per Rad sind die Strecken oft nicht zu schaffen.

Gefragtes Handwerk

Sie hat eine ganze Liste an regionalen Anbietern, die sie regelmäßig frequentiert. Dazu zählen auch ganz normale Fleischereien und Bäckereien. Ein Kriterium ist, dass der Handwerksmeister noch selbst in der Werkstatt arbeitet. Während gerade zum Jahresende der alteingesessene Bäcker in Weltewitz aus Altersgründen schloss – es war der letzte in der Gemeinde Jesewitz – hat in Eilenburg der Glauchaer Landbäcker Nagorny eine Filiale aufgemacht. „Echtes Roggenbrot und das Opa-Brot, Vollkornbort mit Saat und Dinkelvollkornbrot haben wir auch“, erklärt dort Verkäuferin Silvia Petzold das Angebot.

Herangerückt

Auch die frische Milch aus Hohenossig ist näher an die Eilenburger herangerückt: So einige Wege erspart Gunter Kahlo den Verbrauchern in der Muldestadt. Vor seinem Trüffel-Geschäft, das immer nur wenige Stunden oder auf Abruf geöffnet hat, installierte er einen Selbstbedienungs-Kühlschrank, in dem verschiedene Molkereiprodukte stehen. Über seine Trüffelzucht ist er auf den Käse gekommen, so darauf, auch Milch anzubieten. Dank der speziellen Lösung kann hier bis in die späten Abendstunden und auch am Wochenende zugegriffen werden. Außerdem gibt es selbst- und damit in Eilenburg hergestellten Käse und Joghurt. Auch hier gilt: Nicht immer ist alles vorrätig. „Die machen wir wieder frisch am Mittwoch“, erklärt er gerade einem Mann, der nach Molke Ausschau hält.

Kerstin Wenger (rechts) und ihre Mutter Simone Römhild packen Milch aus dem SB-Kühlschrank von Gunter Kahlo in den Kofferraum. Bezahlt haben sie an der Kasse des Vertrauens. Quelle: Wolfgang Sens

Indessen kommt Anita Niepner angeradelt. „Wir sind sonst immer mit dem Auto nach Hohenossig gefahren“, erzählt die 65-Jährige aus dem Stadtteil Berg, die nun auf ihren täglichen Bewegungs-Runden am SB-Kühlschrank vorbeikommt. „Mein Mann will nur noch diese Milch trinken“, erzählt sie. „Wir gucken auch donnerstags auf den Markt. Und wir bauen wieder mehr Gemüse selbst im Garten an. Aber das hat vielleicht auch damit zu tun, dass man jetzt in der Rente mehr Zeit für all das hat.“ Die Milch zieht auch Kristin Wenger und ihre Mutter Simone Römhild an: „Seitdem der Kühlschrank da ist, holen wir sie von hier. Aber wir probieren auch sonst alles aus.“

Dank der Nachfrage hat Kahlo seit einigen Wochen zum ersten Kühlschrank einen zweiten gestellt. „Da kommen auch junge Familien, die ihren Kindern etwas Gutes tun wollen“, erzählt er. Er rät ab, zu viel auf einmal zu nehmen. Denn die Waren werden ohne Konservierungsstoffe hergestellt, die Milch ist nicht homogenisiert. Somit halten diese Produkte nicht so lange wie es viele aus dem Supermarkt tun. Den Anspruch auf Bio-Qualität erhebt das, was in den Fächern steht, nur zum Teil. „Das Siegel wird ja nicht erteilt, das muss man bezahlen und dann ist für jedes der zugesetzten Kräuter der Nachweis zu erbringen. Bis hin zum Putzmittel, das verwendet wird“, erklärt Kahlo. Darauf wurde also verzichtet. Regionaler könne die Milch aber fast nicht bezogen werden.

Bio-Ernte

Wenige Kilometer vom Obsthof Wöllmen entfernt wird es aber tatsächlich bio. Auf der Straße zwischen dem Jesewitzer Ortsteilen Gotha und Groitzsch zeigt ein Schild: „Bioladen“. „Wir haben immer freitags auf“, ist von Claudia Hennig zu hören. Gerade hat sie sogar eine Kindergruppe vom Reiterhof aus dem Nachbardorf Pehritzsch zu Gast. Die jungen Städter sollen hier sehen, wie das Gemüse fürs Abendessen wächst. Deshalb dürfen sie gleich selbst ernten. „Meine Mutter kauft sonst meist alles im Supermarkt. Aber das hier schmeckt mir auch“, zeigt sich die zehnjährige Laura aus Leipzig tolerant. Im Korb haben sie gesammelt, was auf den Beeten zu finden war: Kohlrabi, Zucchini, sogar der Paprika ist dabei.

Im Laden, der nur auf ein Klingeln geöffnet wird, weil auch die Beete ringsum zu betreuen sind, gibt es eine kleine Auswahl an Bio-Nährmitteln wie Hirse. Frisch sind ebenso Mangold, Schalotten, Zwiebeln, Kartoffeln, Möhrchen und Blumenkohl zu haben. „Die Nachfrage wächst eigentlich“, stellt Claudia Hennig fest. Vor allem auch, weil immer mehr Haushalte zwischen Delitzsch, Taucha und Schildau die Gemüse-Kisten, die Hennigs ausliefern, bestellen. Eine Variante, bei der nun doch Zeit gespart werden kann.

Fleisch von Tieren, die in der Region aufgewachsen sind, ist zum Beispiel beim Biohof Prautzsch im Krippehna zu haben. Dort war der Laden allerdings über den Sommer geschlossen. „Dafür sprechen mehrere Gründe“, erläutert Werner Prautzsch, Senior in der Familie. „Wir sind in der Erntezeit. Außerdem ist die Nachfrage gering: Die Leute sind im Urlaub. Und im Sommer wird eher Leichtes und kein Rindfleisch gegessen.“ Aber jetzt, Ende September geht es wieder los.

Gemüse indessen wächst auf dem Biolandhof von Roland Reiche auf der anderen Seite der Mulde. „Die Nachfrage nach den Gemüsekisten ist bei uns nicht so hoch. Sie werden nur vereinzelt bestellt. Manche rufen auch an und holen sie selbst ab“, erklärt die Frau des Inhabers. „Wir liefern hauptsächlich an die Naturkostläden in Leipzig.“

Wege in die Küche

So suchen die regionalen Produzenten auf ganz unterschiedliche Art den Weg zum Verbraucher: Die Wildenhainer Geflügelproduktion wiederum ist sowohl auf Wochenmärkten als auch in Supermärkten präsent. Am Marktstand sind dann Geflügel, Kaninchen und Pute aus dem Mastbetrieb zu erhalten. Und wenn zum Beispiel gefragt wird, wo denn die Bio-Eier herkommen, kann auf das Gelände am Leitpflock im Mockrehnaer Ortsteil Wildenhain verwiesen werden. Hinterm Maschendrahtzaun leben die Hühner dort ihr Öko-Leben im Grünen. Und weil die Eier über die Erzeugergemeinschaft Mitteldeutsches Bauernhof-Ei, die in Torgau ansässig ist, vermarktet werden, landen sie auch in verschiedenen Supermärkten, die Regional-Produkte mittlerweile ebenfalls für sich entdeckt haben. Und Matthias Böbel, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft, sagt: „Regionalität ist die einzige Chance, als mittelständischer Betrieb zu überleben.“

Von Heike Liesaus

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