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Reh-Geschwister leben bei Familie Krause in Hainichen

Paarhufer-Jungtiere Reh-Geschwister leben bei Familie Krause in Hainichen

Zwei Reh-Geschwister Rehcardo und Rehbecca geben seit einigen Monaten dem Leben der Krauses im Eilenburger Ortsteil Hainichen zusätzlichen Schwung. Sie sind mittlerweile von Ziegenmilch auf Gras, Heu, Knäckebrot umgestiegen und so langsam wird überlegt, wo die Paarhufer-Jungtiere später unterzubringen sind.

Mit Geduld und Futter sind Rehcardo und Rehbecca auch gemeinsam mit einigen der Krauses, Nils, Aileen, Anna und Evelyn (von links) aufs Bild zu bannen.

Quelle: Wolfgang Sens

Eilenburg. Die Wildnis ist seit Mai bei Familie Krause in Hainichen eingezogen. Und sie trägt zwei Namen: Rehbecca und Rehcardo haben ihr Quartier im extra mit Maschendraht umzäunten Gehege im großen Garten bekommen. Die Namen machen klar: Es sind Rehe. Seit Ende Mai leben die Kitze im Eilenburger Ortsteil. Installateur Michael Krause (40) ist auch Jäger. Er wurde nach dem Wildunfall gerufen, dem die Mutter der beiden in der Fischeraue zum Opfer fiel. Als Jäger darf er solche Wildtiere auch großziehen. Vor zwei Jahren tummelte sich deshalb bereits ein kleines Wildschwein bei den Krauses.

„Eigentlich vergibt man keine Namen. Sie sollen sich doch gar nicht so an die Menschen gewöhnen“, erzählt Oma Elke Krause. Aber wie sollte es anders gehen, so wie der tierische Nachwuchs die drei Familien-Generationen, die da auf einem Grundstück wohnen, in Atem hielt? Neben den Großeltern Elke und Joachim machte sich auch die Michael Krauses Schwester Evelyn um die Betreuung verdient. Anfangs war alle zwei Stunden das Fläschchen zu geben. Zum Glück konnte ein Ziegenhof in der Region ausfindig gemacht werden, bei dem ausreichend Milch zu beziehen ist. Denn mittlerweile gibt es sowas auch in großen Supermärkten, aber die Bambis damit großzuziehen, das hätte das Familien-Budget arg beansprucht. Selbst Schafsmilch vertragen Rehe nicht. Inzwischen sind die beiden aber „abgestillt“. Die hellen Punkte im Fell sind verschwunden, wie große Rehe fressen sie nun Gras, Heu, Äste, aber auch Äpfel und Knäckebrot.

Eine urige Bank steht unterm Schleppdach gleich nebenan. Dort lässt sich gut sitzen und beobachten, was die beiden treiben. Auch die Kinder schauen gern zu. Am liebsten wär’s Großmutter Elke fast, wenn sie irgendwann einfach über den Zaun in die Freiheit springen. Denn dahin, das ist allen Krauses klar, gehören sie eigentlich. Beim Eilenburger Tierpark wurde schon angefragt. Aber dort wird Damwild gehalten und ansonsten ist kein Platz. Sie einfach im Wald auszusetzen, könnte im Fall der kleinen Ricke noch funktionieren. Aber bei Rehcardo ist schon zu sehen, wo das Böckchen mal das Geweih tragen wird. Zwar suchen beide das Weite, wenn sich Fremde dem Gehege nähern, „doch ist generell ist er die Nähe von Menschen gewöhnt. Hat weniger Scheu“, erklärt Michael Krause. „Wenn er geschlechtsreif wird, könnte das zu Problemen führen.“ Denn statt zu flüchten, könnte er sein Revier auch gegenüber einem Menschen verteidigen.

Wildtiere und damit herrenlose Tiere fallen unter das Jagd- oder Naturschutzrecht. Finder dürfen sie nicht einfach behalten, so das Sächsische Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft. Wer den Verdacht hat, dass ein gefundenes Tier krank oder verletzt ist, sollte das es zunächst aus sicherer Entfernung beobachten. „Prinzipiell gehören Wildtiere nicht in Menschenhand“, stellt auch Waltraude Wolf klar, die gemeinsam mit ihrem Ehemann Gerhard in Eilenburg bereits viele Wildtiere im Auftrag des Tierschutzzentrums aufgezogen hat. Geholfen werden soll nur im Notfall. Zum Beispiel wenn Tiere verletzt sind. Ein Nest junger Feldhasen oder ein Rehkitz mag verlassen scheinen. Aber es ist normal, dass die Mutter nicht ständig bei ihnen ist. Und auch wenn das Kleine mit herzerweichendem Fiepen nach seiner Mutter ruft, dann aber, weil es sich vom nahenden Menschen bedroht fühlt. Deshalb ist zuerst zu beobachten, ob sich tatsächlich kein Elternteil um das Junge kümmert. Auch Michael Krause war vorsichtig: Er hatte Rehcardo in der Nähe der verunglückten Ricke gefunden, doch erst nach einiger Suche weiter weg. Und er ließ das Tier erst einige Stunden an Ort und Stelle, so dass sicher war, dass es tatsächlich zur verunglückten Ricke gehörte. Er würde sich auch wegen der Rehe wünschen, dass am Fischerweg die Geschwindigkeitsbegrenzung zu jeder Zeit eingehalten wird. Gerade im Herbst sind die Tiere besonders aktiv und selbst am Külz-Ring seien sie schon angetroffen worden.

Kontakt bei Wildtierfunden: Tierschutzverein Eilenburg, Am Färberwerder 14, Telefon 03423 758928, Notfallnummer 0177 3876742. Bei Wildunfällen mit Schalenwild, zum Beispiel Reh, Hirsch, Wildschwein sind Fahrzeugführer verpflichtet, diese bei der Polizeidienststelle anzuzeigen.

Von Heike Liesaus

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