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René Goldschmidt aus Eilenburg ist Aphasiker – und hilft anderen Betroffenen

Heinzelpreis-Ehrung René Goldschmidt aus Eilenburg ist Aphasiker – und hilft anderen Betroffenen

Im Alter von 27 Jahren warf ein Schlaganfall den Eilenburger René Goldschmidt aus dem gewohnten Alltag. Heute steht der 44-jährige 2,02 Meter große Mann im wahrsten Wortsinn wieder voll im Leben, gibt als Chef des Aphasiker-Zentrums Nordsachsen anderen Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe. Dafür wurde er jetzt geehrt.

Im Aphasie-Zentrum Bad Düben ist Vorsitzender René Goldschmidt (3. von rechts) beim kreativen Gestalten mit Betroffenen und deren Angehörigen dabei.

Quelle: Heike Nyari

Eilenburg/Bad Düben. Zur traditionellen Ehrung Ehrenamtlicher in Eilenburg mit dem Heinzelpreis gingen zwei Einladungen auch an René Goldschmidt vom Aphasiker-Zentrum Nordsachsen, das seinen Sitz in Bad Düben hat. „Ich konnte leider nicht dabei sein, weil ich im Urlaub war.“ Die Einladungen wurden im Verein also weitergereicht. Die Urkunde für den 44-jährigen Eilenburger in der Kategorie Soziales nahm Margit Schwarze entgegen. „Groß war deshalb die Überraschung“, so der Ausgezeichnete nach seiner Rückkehr, „als sie mir in der Eilenburger Selbsthilfegruppe nachträglich überreicht wurde.“

„Stellen Sie sich vor, Sie kommen ins Krankenzimmer und möchten mit ihrem Angehörigen reden. Aber sie erhalten keine verständliche Antwort, nur unverständliche Laute sind zu hören. Was ist passiert?“, erklärte Laudatorin Annett Krause von der Stadtverwaltung Symptome der Aphasie, die nach Schlaganfällen, Hirnschädigungen durch Unfälle, Tumore oder Hirnentzündungen auftreten können.

Aphasie bedeutet Sprachverlust, oftmals Halbseitenlähmung oder Teilerblindung, hat mit geistiger Behinderung aber nichts zu tun. Ein solches Schicksal ereilte René Goldschmidt im Alter von 27 Jahren. Doch der 2,02 Meter große Mann kämpfte, steht heute im wahrsten Wortsinn auf eigenen Füßen und gibt seit gut 15 Jahren als Mitbegründer, stellvertretender und nunmehr Vorsitzender des Aphasiker-Zentrums anderen Betroffenen ein Stück seiner wiedergewonnen Kraft weiter. Das Credo des Vereins mit 55 Mitgliedern lautet: Hilfe zur Selbsthilfe geben, Patienten auf dem Weg vom Behandelten zum Handelnden begleiten und damit deren Souveränität stärken, ihre soziale Integration fördern und das Umfeld aufklären. All das hilft, die Folgen zu lindern.

Auch Goldschmidts Lebensmut lag zunächst am Boden, gibt er unumwunden zu. Der zu 90 Prozent Schwerbehinderte, der sein Leben in Eilenburg in einer eigenen Wohnung meistert, hilft nunmehr anderen Betroffenen zurück ins Leben. Auch wenn ihn das viel Kraft kostet und seine Sprache „eher alltagstauglich“ sei, sagt ein bescheidener Fast-Mittvierziger, dessen Leistung, übrigens auch sprachlich, großen Respekt verdient.

Mittwochs, von 9 bis 15 Uhr, ist Goldschmidt als Ansprechpartner im Aphasie-Zentrum in Bad Düben vor Ort. Einmal im Monat leitet er dort die Selbsthilfegruppe „Junge Aphasiker“ sowie die Aphasie-Selbsthilfegruppe Eilenburg, die sich monatlich in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität trifft. Bereits zum 15. Mal zog er maßgeblich mit die Fäden für den Tag der Aphasie. Vom Verein werden außerdem Vorträge, Bastelnachmittage, Ausflüge oder gesellige Treffen organisiert.

Dass all das jetzt mit einem öffentlichen Dankeschön gewürdigt wurde, freut René Goldschmidt sehr. „Das habe ich auch mit meinem Vati Gerd gefeiert und ihn zu einem Kaffee eingeladen.“ Denn von seinen Eltern, betont der Geehrte – die Mutter verlor er leider schon – habe er immer viel Unterstützung erfahren.

Von Karin Rieck

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