Volltextsuche über das Angebot:

6 ° / -2 ° Regenschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Roland Märtz: „Es macht mir Spaß, Menschen zusammenzuführen“

Wahl in Doberschütz Roland Märtz: „Es macht mir Spaß, Menschen zusammenzuführen“

Am 12. März sind 3450 Einwohner der Gemeinde Doberschütz aufgerufen, ihr Gemeindeoberhaupt für die nächsten sieben Jahre zu wählen. Sie müssen sich dann zwischen Amtsinhaber Roland Märtz (57) und Herausforderer Sebastian Vieweg (31) entscheiden. Die LVZ stellt beide in Porträts vor. Heute: Amtsinhaber Märtz und sein Leben als Dorflobbyist.

Roland Märtz an der Bienenwabe vor der Grundschule, die der Naturpark-Verein Dübener Heide anlässlich der Zertifizierung als Naturparkschule schenkte.

Quelle: Wolfgang Sens

Doberschütz. Wenn Bürgermeister Roland Märtz (CDU) in das Doberschützer Gemeindebüro fährt, parkt er fast unter einem der zahlreichen Plakate seines Herausforderers Sebastian Vieweg (parteilos). Märtz, der am 12. März erneut zur Wahl des Bürgermeisters in der Gemeinde Doberschütz antritt, zeigt sich davon unbeeindruckt. „Ich habe mich 27 Jahre nicht aufgehangen und werde daran auch bei der sechsten Wahl nichts ändern. Selbst wenn ich deshalb verlieren würde.“ Doch er betont den Konjunktiv. Denn natürlich will er gewinnen. Der 57-Jährige lässt keinen Zweifel, dass er, der 1990 als Bürgermeister für Wöllnau begann, für weitere sieben Jahre den Job haben will. Das Wort Bürgermeister erklärt er dabei so: Das Wort „Bürger“ steht dafür, für diese da zu sein, das Wort „Meister“ für das Meistern der Gesetze. Unterstützt von der Familie hat er nicht nur Flyer verteilt, er lädt in diesen Tagen auch zu Informationsveranstaltungen ein.

Dass man als Bürgermeister mitunter zu unrecht für alles verantwortlich gemacht wird, selbst die jüngste Teerattacke auf sein Auto, das alles hat er weggesteckt. „Es macht mir nach wie vor einfach Spaß, Menschen zusammenzuführen, um das Dorf zu gestalten“, bringt er es auf den Punkt. „Ich bin Dorflobbyist“, sagt er, selbst wenn er eingesteht, dass das „sofort und jetzt“ auch im beschaulichen Doberschütz zugenommen hat.

Die Gesundheit spiele mit und so will der Wöllnauer zu Ende bringen, was mit der Vereinbarung der sechs 1996 zu Doberschütz zusammengeführten Dörfer begann. Möblitz und Battaune stehen da noch auf der Agenda. Danach gelte es „vor allem auch zu unterhalten, was wir geschaffen haben“. Und das, so weiß er aus Erfahrung, ist oft das Schwerere. Denn für Farbanstrich und Co. gibt es in der Regel keine Förderung. Auch ein Damoklesschwert, das 2019 über der Gemeinde schwebt, möchte er gerne noch entschärfen. Das Gewerbegebiet Paschwitz-Sprotta war 1992 mit Millionen gefördert worden. Damals, so findet der frühere Nachbar-Bürgermeister, eine richtige Entscheidung. Schließlich schien die B 87 n zum Greifen nah. Sie kam nicht und die Auflage, hier zu 50 Prozent förderfähiges Gewerbe anzusiedeln, blieb bis heute unerfüllt. Eine Rückzahlung von vier Millionen Euro droht. Dass sich Doberschütz dabei in guter Gemeinschaft vieler Gemeinden befindet, lässt Roland Märtz hoffen, auch wenn für ihn klar ist: „Da müssen wir noch viel Netzwerkarbeit leisten.“

Der gelernte Kraftfahrzeugschlosser, der nach dem Wehrdienst nach Wöllnau zog und Ende der 1980er-Jahre seinen Meister machte, weiß, dass das mit dem Gestalten Anfang der 1990er-Jahre einfacher war. Mehr Fördermittel standen weniger zu beachtende Gesetze und Regelungen gegenüber. Märtz, der sich bewusst nur in überregionalen Vereinen für die Gemeinde engagiert und so auch der Lokalen Aktionsgruppe in der Leader-Region Dübener Heide vorsteht, ärgert da besonders, dass beispielsweise heute auf jeden geförderten Leader-Euro 43 Cent für die Verwaltung kommen.

Dennoch, aus wenig Eigenkapital mehr machen, dieses Credo hat er verinnerlicht. Die Spielplätze nennt er dafür als Beispiel. Die sechs Ortschaften hätten jeweils 5000 Euro dafür bekommen, in fünf davon sei dank Eigeninitiativen und Sponsoren bereits das Doppelte oder gar Dreifache investiert worden.

Märtz geht pragmatisch ran. 1994, als er noch als Wöllnauer Bürgermeister in den Kreistag wollte, war die CDU-Liste schon geschlossen. Also trat er, der sich als realistischer Grüner einschätzt, für Bündnis 90/Die Grünen an. 2001 trat er dann in die CDU ein. Wegen dem „C“, sagt er. Nach dem Tod seiner Mutter war für den damals Elfjährigen mit zwei größeren Geschwistern das Kinderheim das Zuhause. „Ich habe auch gute Erinnerungen daran.“ Doch er, der über eine Freundin auch heimlich Zugang zur Christenlehre fand, sagt auch: „Wenn man in einem Kinderheim groß geworden ist, sieht man die Welt etwas anders. Man sollte in guten wie in schlechten Zeiten nie vergessen, auch mal Danke zu sagen.“ Sicher hat auch diese Kindheitserfahrung eine Rolle gespielt, dass er, der Vater zweier erwachsener Söhne ist, nun gemeinsam mit seiner zweiten Frau Isabel dem zwölfjährigen Pflegesohn André, den er längst als dritten Sohn ansieht, das Kinderheim erspart.

Für Hobbys, so sagt er, hat der Tag zu wenig Stunden. Denn die Familie, ein Onkel aus erster Ehe und nicht zuletzt das Haus warten nach dem Bürgermeisterjob. Und mit dem macht er ja ohnehin sein Hobby zum Beruf: als Dorflobbyist leben. Lesen Sie morgen ein Porträt über den Bürgermeister-Kandidat Sebastian Vieweg.

Von Ilka Fischer

Doberschütz Breite Straße 17 51.4988698 12.7448134
Doberschütz Breite Straße 17
Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Eilenburg
Eilenburg in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Nordsachsen

Fläche: 46,85km²

Einwohner: 15.452 Einwohner (Dezember 2015)

Bevölkerungsdichte: 330 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04838

Ortsvorwahlen: 03423

Stadtverwaltung: Marktplatz 1, 04838 Eilenburg

Ein Spaziergang durch die Region Eilenburg
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2017
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 13. LVZ-Fahrradfest lud am 14. Mai 2017 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Fotos, Videos und Infos finden Sie in unserem Sp... mehr

Fußball in Nordsachsen
  • Fußball in Nordsachsen
  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Touristik & Caravaning
    Themen, Tickets, Öffnungszeiten: Die wichtigsten Infos zur Messe Touristik & Caravaning (TC) 2017 im Special auf LVZ.de

    Urlaubsstimmung im Novembergrau: Alle Infos und News zur Reisemesse Touristik & Caravaning (TC) 2017 in unserem Special. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr