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Rolli-Fahrt durch Eilenburg mit Hindernissen

Barrieren Rolli-Fahrt durch Eilenburg mit Hindernissen

Angelika Pethke (6) hat es nicht leicht. Sie ist wegen einer Erkrankung auf den Rollstuhl angewiesen. Doch sie versucht, das Beste draus zu machen, ist trotzdem beweglich, fährt nach Leipzig genauso wie nach Bad Düben. Doch es gibt auch immer wieder Hürden.

Und schon hängt der Rollstuhl am Stuhl fest. Am Freisitz an der Straße wird deutlich, warum Mindestabstände auf den Gehwegen frei gehalten werden sollen.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Elektro-Mobilität? Für die Eilenburgerin Angelika Pethke ist genau das Alltag. Allerdings ist das Gefährt, das sich nachts an der Steckdose vor ihrer Wohnung auflädt, ein Rollstuhl. Der muss einiges an Energie tanken. Denn die Frau, die ihn da mit Joystick und jede Menge Humor durch Eilenburg steuert, braucht eine Übergröße. Sie leidet an einem Lymphstau, der abnorme Schwellungen der Gliedmaßen bewirkt. Sie versucht trotz allem das Beste aus ihrem im Wortsinn schweren Leben zu machen. Dazu gehört es, rauszukommen aus ihrer Einzimmerwohnung an der Wallstraße. „Sonst kriege ich’s mit den Nerven“, sagt die 60-Jährige. „Drei bis vier Stunden am Tag bin ich unterwegs. Außer wenn es regnet. Dann geht das natürlich nicht.“

Kraftaufwand

Aber wie sieht die Eilenburger Infrastruktur aus? Um es gleich zu sagen: Selbst an der LVZ-Geschäftsstelle gibt es Stufen. Nicht zu überwinden für jemanden wie sie. „Manchmal würde auch ein Griff helfen, an dem man sich festhalten kann.“ Auch das Marktpflaster mit seinen Fugen sei nicht ohne, zeigt sie. Ihr Mobil schnurrt immerhin emsig über kleine Hürden hinweg. „Es hat Allrad. Aber hier ist es gar nicht so ohne“, zeigt sie eine kleine Schwelle am Torbogen, der aus dem Innenhof an der Rinckartstraße hinausführt. Es komme darauf an, den richtigen Winkel zu nehmen, andere blieben durchaus hängen. Auch Schlaglöcher in der Rollenstraße umrundet sie respektvoll. Möglich, dass ihr Gefährt damit zurecht käme. Doch das Gefühl, dass der Rollstuhl kippen könnte, ist kein Schönes.

Konfliktpunkte

Anderswo versucht sie Problemstellen zu meiden. Oft kollidieren Bemühungen der Gastronomen und Gewerbetreibenden mit Bedürfnissen der Rollifahrer. Am Leipziger Tor zum Beispiel: Die Tische und Stühle auf dem Trottoir vorm Lokal, ein gästefreundliches Muss im Sommer, machen den Weg für sie zum schmalen Grad. An dem sie fürchtet, neben dem Bordstein auf die Straße zu rutschen. An anderer Stelle vorm Antep-Bistro ist’s ebenfalls knapp zwischen Laternen-Pfahl und Stühlen. Immerhin. Sie passt gerade so durch. Demjenigen, der sie begleitet, wird schnell klar, wozu die Sondernutzungssatzung der Stadt vorschreibt, dass immer 1,50 Meter Gehweg frei bleiben sollen.

Bus-Fahrt

„Bis nach Bad Düben komme ich zum Beispiel mit dem Bus“, erzählt sie über ihre Erfahrungen mit dem Öffentlichen Personennahverkehr. Auch bis ins Paunsdorf-Center fährt sie. Ein Traum blieb es bisher für sie, in den Leipziger Zoo zu kommen. „Da war ich das letzte Mal als Kind.“ Im Eilenburger Tierpark ist sie indes regelmäßige Besucherin. „Da bin ich sogar im Verein und habe eine Jahreskarte.“ Der Weg dorthin ist ihr vertraut, es gibt einige Schlaglöcher in den Straßen, aber im Park rollt es gut. Allerdings birgt ihr Wohnhaus schon die erste Hürde: Es hat zwar einen Aufzug, mit dem sie bis in die untere Etage fahren kann, aber die Haustür kann sie nicht selbst öffnen. „Sie muss warten, bis jemand vorbeikommt. Ja, das hat auch schon mal eine Dreiviertelstunde gedauert.“ Nun wurde ihr aber Hoffnung auf einen Umzug gemacht. Jedoch muss das Haus mit der neuen Wohnung erst saniert werden.

Breite Gänge gefragt

Einfach so schnell entschlossen zur Haltestelle rollen und in den Bus einsteigen, das geht für sie jedenfalls nicht. „Ich rufe jeweils bei der Dispatcherin an“, erzählt Pehtke, damit dann tatsächlich ein entsprechend ausgestatteter Bus mit ausfahrbarer Rampe kommt. Sie hat ein Anliegen: „Es müsste einen weniger glatten Belag in den Bussen geben.“ Denn als der Fahrer auf dem Weg von Leipzig nach Eilenburg neulich in Taucha abrupt stoppen musste, verlor ihr Gefährt den Stand, rutsche so nach vorn, dass sie ihr Fuß gegen einen der Sitze stieß und sie sich einen Zeh brach.

S-Bahn-Zustieg

Lob gibt es von ihr für den neuen Busbahnhof. „Dort klappt das Einsteigen gut.“ Schlecht sieht es nach wie vor mit dem Zustieg zur S-Bahn aus, die sie deshalb nicht nutzt. Die Treppen sind schon für Menschen mit weniger Handicap nicht zu überwinden. Und bisher wurde das Vorhaben des barrierefreien Ausbaus immer wieder aufgeschoben. Laut Bahn ist er nur im Zusammenhang mit dem Umbau der Verkehrsstation samt Anheben der Bahnsteige möglich, der wiederum mit Streckenausbau und Bau eines elektronischen Stellwerks verknüpft ist. Angelika Pehtkes Fazit für die Rollstuhleignung Eilenburgs: „Es ist schon vieles möglich, aber immer noch vieles verbesserungswürdig.“

Von Heike Liesaus

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