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Sachsens schönster Kleingarten gesucht – Bad Düben und Eilenburg mischen mit

Wettbewerb Sachsens schönster Kleingarten gesucht – Bad Düben und Eilenburg mischen mit

In Bad Düben erwartete die Jury ein tolles Frühstück, in Eilenburg verkürzte eine siebenjährige Schildkröte die Wartezeit. Die Jury hat bei ihrer Begehung der zwei Kleingartenanlagen, die sich am alle vier Jahre stattfindenden sächsischen Landeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ beteiligen, einiges erlebt.

Die Jury mit Peter Paschke, Tommy Brumm, Jörg Krüger und Hubertus Franke (von links) beim Blick über den Gartenzaun.

Quelle: Ilka Fischer

Bad Düben / Eilenburg. Das Wetter spielt mit. Johannisbeeren und Kirschen spiegeln sich im Sonnenlicht, als eine Jury die Bad Dübener Kleingartenanlage im Heidegrund und anschließend die vom Weinberg in Eilenburg besucht. Beide gehören zu den 22 sächsischen Kleingartenvereinen, die sich am Landeswettbewerb „Gärten in der Stadt“ beteiligen. „Heute endet die Besichtigungstour mit den Bewertungen der sächsischen Anlagen“, erklärt Peter Paschke, Präsident und Geschäftsführer der sächsischen Kleingärtner. Die Entscheidung fällt im August, die Prämierung der drei besten Anlagen, die im 2018 beim Bundeswettbewerb antreten, ist im November.

Start im Heidegrund

Mit einem „Herzlich Willkommen in unserer blühenden Oase“, begrüßte Manfred Trommer die vierköpfige Jury im . Sauber und ordentlich präsentierten sich die 44 Parzellen sowie Wege, Festplatz, Freiflächen und Parkplatz. Im Vereinshaus berichtete Manfred Trommer über Neuigkeiten und machte Werbung in eigener Sache. Ein Garten diene dem Anbau von Obst und Gemüse sowie von Blumen und Kräutern. Da alle Gärten so angelegt sind, dass sie gut eingesehen werden können, kann man sich von der kleingärtnerischen Nutzung gern überzeugen. „Unsere Gartenfreunde halten ihre Parzellen stets auf Vordermann und geben Gästen manch gute Anregung auf den Weg“, erklärt Manfred Trommer. Das wissen Einwohner und Kurgäste zu schätzen und machen davon regen Gebrauch. Der Vereins-Chef ließ nicht unerwähnt, dass auch Kindergartenkinder oft und gern vorbeischauen. Für die jüngsten Gäste stehen Spiel-, Bolzplatz und eine Tischtennisplatte bereit.

Auch im Bad Dübener Heidegrund schaute sich die Jury um

Auch im Bad Dübener Heidegrund schaute sich die Jury um.

Quelle: Heike Nyari

Blühende Landschaft statt wilder Deponie

Man kann es sich kaum mehr vorstellen, dass an dieser Stelle, wo es wundervoll blüht, eine wilde Deponie die Landschaft verschandelte. Vor 37 Jahren unter dem Namen Karl Liebknecht gegründet leisteten die Vereinsfreunde unzählige Arbeitsstunden. Auch der Naturschutz ist Programm. So gibt es ein Insektenhotel sowie zahlreiche Nistkästen und Futterhäuschen. Der Gebrauch von Unkrautvernichtungsmitteln ist verboten und wer Fragen zu Baumschnitt, Kompostierung und Düngung hat, kann sich an Reinhard Schulz, Fachberater für Ökologie und Umweltschutz wenden.

Weiter geht es im Weinberg

Ob die Kleingärtner vom Aussichten auf das Siegertreppchen haben, wurde nicht verraten. Doch es wäre eine Prämierung mit Hindernissen. Drei Viertel der Jurymitglieder verhedderten sich in der Umleitung auf dem Eilenburger Berg. Das nicht betroffene Jurymitglied Tommy Brumm nutzte daher die Gelegenheit, mit Angelika Petzold zu plauschen. Diese hat mit ihrem Mann Hartmut seit über einem Jahrzehnt den Garten Nr. 53. Und mit der siebenjährigen griechischen Landschildkröte Lucie einen Helfer beim Verputzen von Salat, Tomaten und Erdbeeren. „Wir haben hier bei uns viele Eidechsen“, erzählt die Eilenburgerin. Dass das „für eine gute Ökologie spricht“, weiß Tommy Brumm, der sich als Vizepräsident des Landesverbandes für ökologisches Gärtnern stark macht. Für die Blattläuse an Sträuchern hatte er auch noch einen Tipp. „Am besten mit einer zwei- bis dreiprozentigen Kernseifenlösung besprühen.“

Wein und Berge verleihen den Anlage den Namen

Dann war endlich die ganze Jury da. Vereins-Chef Michael Götzke konnte erklären, warum die Anlage Weinberg heißt, obwohl es weder Wein noch Berge gibt. „Am ersten Standort, an den Hängen der Fischeraue ist früher tatsächlich Weinbau betrieben worden. Mit der Wohnbebauung in der Lutherstraße wurden die Kleingärtner hierher aufs freie Feld umgesiedelt.“ Inzwischen ist die Stadt nach außen gewachsen, die neue B 107 führt nur wenige Meter parallel und hinter längst hoch gewachsenen Bäumen und Büschen vorbei. „Wir leben hier richtig ruhig“, bestätigte Thomas Schneider, der stellvertretende Vereinsvorsitzende.

Das Besondere ist, dass das Land dem Verein gehört. „Wir konnten das nach der Wende kaufen“, so Götzke. Der Kredit dafür sei abgezahlt. „Und das, obwohl wir mit sechs Cent je Quadratmeter und Jahr wenig Pacht nehmen.“ Dass hier Gurken und Kohlrabi besonders preisgünstig wachsen, spricht sich rum. Keiner der 57 Gärten steht leer. Im 58. Garten ist ein kleines Vereinsheim samt Küche gewachsen. „Die Feste, die der Verein feiert, sind besonders schön“, weiß Günter Bernstädt, Geschäftsführer des Kleingartenverbandes der Gartenfreunde Eilenburg. 2014 wurde hier das 90-jährige Jubiläum des Vereins groß gefeiert.

Seit dem hat sich einiges in der zwei Hektar großen Anlage geändert, die über fünf gemeinschaftlich genutzte Brunnen verfügt. Stabile Schaukästen wurden angebracht, ein Teil des Außenzauns erneuert. Und zudem wurde die Anlage wieder ein Stückweit kleingärtnerischer. Nicht nur, dass man sich mit einem Kaninchenzüchter auf eine Reduzierung seiner Zucht verständigt hat. Neben unerwünschten Walnussbäumen sind die allermeisten der 1990 noch zahlreich vertretenen Nadelbäume verschwunden.

Von Heike Nyari und Ilka Fischer

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