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Schüler und Sozialverband testen: Wie barrierefrei ist Eilenburg?

Schüler und Sozialverband testen: Wie barrierefrei ist Eilenburg?

Tabea Danzmann mag Bücher. Doch wie kommt sie in die Eilenburger Buchhandlung? Wegen spastischer Lähmungen ist sie auf den Rollstuhl angewiesen und vor der Tür des Geschäfts gibt es zwei Stufen.

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Lieblingsort trotz Schwelle: Beim Stadtrundgang von Lebenshilfe, Vdk-Sozialverband und Tschanter-Schule wird auch an der Buchhandlung Halt gemacht.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Trotzdem ist es einer ihrer Lieblingsorte in der Stadt. Bestimmt auch, weil Buchhändlerin Kristin Hennig und ihre Kolleginnen der 33-Jährigen das, was sie interessiert, zum Anschauen vor die Tür bringen. Freundlichkeit, die hilft, eine Barriere ein bisschen niedriger zu gestalten.

Um Schwellen, Hindernisse, aber vor allem auch beliebte Anlaufpunkte ging es bei der Tour, auf die sich Mitglieder der Eilenburger Lebenshilfe-Verein und des Sozialverbandes VdK gemeinsam mit Siebtklässlern aus der Tschanter-Oberschule machten. Diese beschäftigen sich auch sonst in ihrem Neigungskurs mit "Menschen wie du und ich". Sie hatten aufmerksam zugehört, als Betreuer Enrico Mehnert ihnen von Tabea Danzmann erzählte, und wie sie trotz ihrer Handicaps kommuniziert. "Sie hat einen Computer, der sich mit den Augen steuern lässt. Da ist sie auch auf Facebook. Beim direkten Kontakt geht die Verständigung mit dem Ja-Nein-Prinzip, mit Kopfschütteln oder Nicken."

Nicht allein das Buchhaus, auch das Eiscafé Petzold, der Dönerladen am Markt, die über ebenerdige Zugänge verfügen, wurden dann zu den Sehenswürdigkeiten dieses Stadtrundgangs der besonderen Art. Selbst der Zugang zum altersgerechten Wohnhaus an der Ecke Bernhardistraße/Torgauer Straße bot Grund für einen Halt: Er ist rollstuhlgerecht mit Rampe ausgeführt. Manche Geschäfte, war zu hören, halten inzwischen mobile Rampen bereit. Dass die Diskussionen um Barrieren nicht immer im freundlichen Ton geführt werden, zeigte sich am Ärztehaus in der Goethestraße. Jürgen Weiße, dem Vorsitzenden des VdK-Sozialverbandes in Eilenburg, war diese Station wichtig: "Wir erhalten immer wieder Beschwerden von unseren Mitgliedern. Sie kommen nicht in die Praxen." Er verwies auf die Treppen am Haupteingang. "Stimmt nicht. Alles ist zugänglich. Hinterm Haus gibt es einen Lift", schimpfte einer der Eigentümer, der gerade dazukam. Weiße zeigte es anders: Zwar gibt es den Lift, der auch funktioniert. Aber der führe letztlich nur zur Physiotherapie-Praxis im oberen Stockwerk. "Das ist quasi Privateigentum. Ich bezahle die Wartungs- und Instandhaltungskosten", bestätigte dort Inhaberin Katja Claus. Nur eine der Arztpraxen nutze den Fahrstuhl regulär mit.

Unbefriedigend ist ebenso die Situation am Bahnhof. Auch dort stand die Gruppe auf ihrer Tour vor Treppen, die mit dem Rollstuhl, aber ebenso mit Rollator oder Kinderwagen nicht passierbar sind. Die Bahnsteige bleiben somit unerreichbar. "Wir fahren deshalb immer erst einmal mit dem Bus zum Bahnhof Eilenburg-Ost, wenn wir nach Leipzig wollen", berichtete Methner. Das sind sechs Kilometer Umweg. Sonst wären es vom Lebenshilfe-Domizil 200 Meter zu Fuß. Hoffnung ist, dass die Bahn, wie geplant, 2017 den barrierefreien Zugang schafft.

"Solch eine gemeinsame Aktion ist schon mal keine schlechte Idee, um Probleme aufzuzeigen und mehr Verständnis zu wecken", zog Marina Lemke vom Vdk ihre Bilanz. Bei den Tschanter-Schülern traf das auf alle Fälle zu: "Sie müssen sich für alles viel mehr anstrengen als wir", fassten Emelie Scholz und Saskia-Desireé Hager-Pingel zusammen, was sie über die Mitglieder der Lebenshilfe-Gruppe erfahren hatten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 12.05.2015
Heike Liesaus

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