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Eilenburg Schwimmhallen-Bau: Eilenburger hatte das Kommando
Region Eilenburg Schwimmhallen-Bau: Eilenburger hatte das Kommando
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18:51 09.11.2018
Hans-Peter Lerche (79) aus Eilenburg vor der Schwimmhalle in Eilenburg. Er war 1978 der Bauleiter für dieses Objekt. Quelle: Nico Fliegner
Eilenburg

Die Eilenburger Schwimmhalle wird am 13. Dezember 40 Jahre alt. Sie zählt mit jeweils über 86 000 Besuchern zu den beliebtesten Freizeiteinrichtungen in der Stadt. Aber wie begann 1978 alles, wer war am Aufbau beteiligt, wer wirkte und wirkt heute in der Schwimmhalle und was wird geboten? In einer kleinen Serie wollen wir die Menschen vorstellen, die was zu erzählen haben. Heute: Hans-Peter Lerche (79), damaliger Bauleiter auf der Großbaustelle Schwimmhalle.

Braune Lederjacke, Schiebermütze und einen flotten Schritt – so kommt der Eilenburger Hans-Peter Lerche zum Vor-Ort-Termin an die Schwimmhalle. Die sieht freilich längst nicht mehr so aus, wie er sie aus den Anfangsjahren kennt, weder von außen noch von innen. Wie auch – inzwischen sind 40 Jahre ins Land gezogen.

Sport und Erholung fürs arbeitende Volk

Als damals die Planungen beendet waren, suchte die Stadtverwaltung nach einem Betrieb, der die Schwimmhalle im Arbeiter- und Bauernstaat für eben jene errichtet, die Freizeitvergnügen, sportliche Betätigung und Erholung finden sollten. „Eigentlich sollte das der VEB Bau machen“, erinnert sich der 79-Jährige. Doch dazu kam es nicht. Der größte Baubetrieb in Eilenburg, die ZBO Landbau, erhielt den Auftrag. „Warum der VEB nicht wollte, weiß ich nicht. Für uns war das ja kein typischer Auftrag. Wir haben in erster Linie für die Landwirtschaft Ställe oder Bergeräume gebaut.“

Die Eilenburger Schwimmhalle ging 1978 an den Start. Die Eröffnung wurde damals groß gefeiert. Hier historische Aufnahmen von damals.

Die ZBO Landbau war also am Zug – und mit ihr der 39 Jahre junge Hans-Peter Lerche, der als Bauleiter eingesetzt wurde. Für ihn war es zur damaligen Zeit keine besondere Aufgabe, war er doch davor im Industriebau tätig, bei dem viel größere Bauvorhaben zu stemmen waren, unter anderem in Piesteritz beim dortigen Stickstoffwerk oder in Schwarze Pumpe, wo er am Aufbau beteiligt war. Lerche, der gelernte Maurer und studierte Bauingenieur, ging trotzdem ehrgeizig an die Umsetzung des Eilenburger Schwimmhallen-Projekts.

Jeden Tag 15 Mann auf der Baustelle

„Wir waren jeden Tag auf der Baustelle. Meistens waren wir so um die 15 Mann.“ Fundemant, Rohbau hochziehen, Becken ausbetonieren, Fliesen legen, Putzarbeiten – all das stemmten seine Mannen. „Mit Herrn Spötter, der den Bau seitens der Stadt leitete, war ich damals sogar extra nach Meißen gefahren, um spezielle Fliesen zu besorgen. Die für die obere Kante mussten nämlich gebrannt sein. Ich weiß noch, wie wir die aus einem großen Stapel rausgesucht und mitgenommen haben. Einfach liefern, das ging nicht so ohne Weiteres.“

Eines Tages standen Soldaten da

An den genauen Bauverlauf kann sich Hans-Peter Lerche nicht mehr im Detail erinnern, aber an eine weitere Episode. Als seine Brigade eines Tages ein Stromkabel vom Eilenburger Chemie-Werk zur Schwimmhalle verlegen sollte, stand plötzlich die Rote Armee da. Es waren Sowjets aus der Muna in Mockrehna. „Die waren ohne vorherige Ankündigung da, sollten uns unterstützen. Da bin ich aufs Dach geklettert und habe das Kommando übernommen, damit auch jeder wusste, was er zu tun hatte.“

Betriebe arbeiteten zuverlässig

Auch wenn in der ehemaligen DDR oft Mangelwirtschaft herrschte, an Material hat es für den Schwimmhallen-Bau seines Wissens nie gefehlt. „Das Laußiger Betonwerk hat zum Beispiel immer pünktlich und zuverlässig geliefert.“ Einmal musste sogar der komplette Beton aus dem kleinen Nichtschwimmer-Becken noch mal rausgestemmt werden. „Beim Gefälle war irgendwas schief gelaufen“, erzählt er.

Der Sprung ins Becken

Drei Tage vor der Schwimmhallen-Eröffnung – „wir haben damals auch noch abends lange gearbeitet, es musste ja alles fertig werden“ – hat es den jungen Bauleiter dann gepackt. Das große Becken war schon gut gefüllt mit Wasser, da riss sich Hans-Peter Lerche alle Klamotten vom Leibe und sprang hinein. Gut möglich, er war damals der erste überhaupt, der ein paar Bahnen zog.

Zur Eröffnung durfte Hans-Peter Lerche dann eine Rede halten. Statt Arbeitssachen war gute Kleidung gefordert, der Zimmer- und der Maurermeister wurden von oberster Stelle sogar angehalten, ihre traditionelle Arbeitskluft zu tragen. Für ihn eine schöne Feierlichkeit.

Auch wenn er in den Jahren danach nur ein paar Mal selbst schwimmen war, denkt er heute immer gern zurück an die Entstehungszeit der Schwimmhalle. Besonders dann, wenn er an der Halle vorbeikommt. Ein wenig stolz ist er schon, beim Aufbau dabei gewesen zu sein.

Von Nico Fliegner

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