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Sebastian Vieweg: „Bürgernähe ist mir wichtig“

Wahl in Doberschütz Sebastian Vieweg: „Bürgernähe ist mir wichtig“

Am 12. März sind 3450 Doberschützer aufgefordert, ihr Gemeindeoberhaupt für die nächsten sieben Jahre zu wählen. Mit dem 31-jährigen Sebastian Vieweg hat Amtsinhaber Roland Märtz (CDU) einen ernst zu nehmenden Herausforderer bekommen.

Sebastian Vieweg vor der Turnhalle in Doberschütz. Er will künftig nicht nur als Tormann von SV Battuna Beach zupacken, sondern auch als Bürgermeister.

Quelle: Ilka Fischer

Doberschütz. Das nennt man doch mal Kandidatur mit Ansage. Schon als Kind, so erzählt Sebastian Vieweg, habe er immer zwei Berufswünsche gehabt: Zimmermann und Bürgermeister. Das erste ist er schon. Dass er sich den zweiten Berufswunsch jetzt auch erfüllen will, daran lässt der 31-Jährige, der parallel zur Zimmermannsausbildung die Fachhochschulreife erwarb und sich später an der HTWK in Leipzig zum Diplom-Wirtschaftsingenieur-Bau qualifizierte, keinen Zweifel.

Jeden Haushalt aufgesucht

Selbstbewusst sagt er, „wenn ich nicht davon überzeugt wäre, dass ich gewinnen kann, hätte ich das nicht gemacht.“ Mit „das“ meint er nicht nur die Kandidatur an sich, sondern auch das Mammutprogramm, das der Sprottaer, der derzeit berufsbedingt seinen ersten Wohnsitz bei Leipzig hat, in den vergangenen Wochen absolviert hat. Rund 2000 Haushalte zählt die Gemeinde Doberschütz, an allen Türen drückte er in den vergangenen Wochen den Klingelknopf. „Bei etwa zwei Drittel habe ich jemanden angetroffen, mich persönlich vorgestellt.“ Nur den Flyer mit seinem Wahlprogramm in den Briefkasten zu werfen, das hätte ihm nicht gereicht. Hinzu kamen etliche Vorstellungsrunden in den Dörfern. „Bürgernähe ist mir wichtig, die will ich auch als Bürgermeister leben.“

Bürger mehr einbeziehen

Dass er kontaktfreudig sei, keine Probleme habe, auf Menschen zuzugehen, komme ihm dabei zugute. Schon in der Jugend, so erzählt er, sei er gerne vorgeschickt worden, das „doch mal zu klären“. Er verstehe die Rolle als Bürgermeister jedenfalls auch darin, „zwischen Begehren und Wünschen der Bürger einerseits und im Rahmen des rechtlich Möglichen das Beste rauszuholen“. Frühzeitige Einbeziehung der Bürger will er auch unter Nutzung des Internets und der sozialen Medien auf einen zusätzlichen Kommunikationskanal erreichen. Er habe in seinem derzeitigen Job als fest angestellter Projektmanager im Industriebau die Erfahrung gemacht, dass sich Transparenz immer auszahle. Derzeit fungiere er als Bindeglied vor allem für den Bauherren Daimler und bauausführenden Unternehmen. „Als Projektleiter bin ich derzeit beispielsweise in Erfurt bei einer Motorenhalle für die Einhaltung von Kostenrahmen und Terminplan zuständig“, so der Sprottaer. Da gelte es, Besprechungen zu leiten und zu moderieren.

Bürgermeister ist Kindheitstraum

Immer pragmatisch und lösungsorientiert ranzugehen, das hat er auch als Führungssoldat bei seinem Auslandseinsatz in der Bundeswehr oder bei seiner zehnmonatigen Wanderschaft als Zimmermann in der Schweiz gelernt. „Mein Job“, so versichert er glaubwürdig, „macht mir Spaß.“ Auch weil seine Eltern und sein ein Jahr jüngerer Bruder das wissen, hat es im Spätherbst rund zwei Wochen Diskussionen gegeben, ob er denn wirklich seinen Job aufgeben wolle. „Doch letztendlich wussten sie ja, dass ich schon immer Bürgermeister werden wollte“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Dies auch bei seinem Arbeitgeber anzukündigen, an dem Kindheitstraum festzuhalten, fällt ihm auch leicht, da er sich mit Freundin Eileen, die derzeit noch in Leipzig Medizin studiert, einig ist: Spätestens nach Beendigung ihres Studiums in zwei Jahren wollen sie, auch unabhängig vom Wahlausgang, in die Gemeinde ziehen, ein Haus bauen.

Für Zuzug sorgen

Was den perfekten Übergang zu seinem Wahlprogramm bietet. Er zeigt sich überzeugt, dass die an der B 87 und S-Bahn gelegene Gemeinde für weit mehr Leute Heimat sein könnte. Er will deshalb mehr Bauplätze ausweisen. Richtschnur könne dafür ein zu erstellender Gemeindeentwicklungsplan sein. Daneben nennt er aber auch den Erhalt der derzeitigen Kinder-Betreuungsangebote und den Fortbestand der Schule und die Schaffung eines Seniorenbeirates als programmatische Schwerpunkte. Zudem möchte er unter anderem das Ehrenamt mit einem Gemeindefest an jährlich wechselnden Orten mehr in den Blickpunkt rücken.

In der Gemeinde hat Sebastian Vieweg nicht nur das ganze erste Vierteljahrhundert seines Lebens verbracht, hier hat er Kindergarten und Schule besucht. Hierher hat er als Fußballer bei Battuna Beach und SV Frisch auf Doberschütz, als Kegler bei Eintracht Sprotta oder Feuerwehrkamerad bei der Sprottaer Feuerwehr nie den Kontakt verloren. Im zurückliegenden Jahr hat er außerdem viele Gemeinderats- und Ortschaftsratssitzung besucht.

Von Ilka Fischer

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