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Sehbehinderte bekommt Aufgabe auf Zeit

Sehbehinderte bekommt Aufgabe auf Zeit

Einige Zeit sah man eine dunkelhaarige junge Frau mit ihrem Taststock täglich im Eilenburger Straßenverkehr auf dem Weg zum Mansberg. Sie kam mit dem Bus aus Laußig in die Muldestadt und war unterwegs zur Sternwarte, zu ihrer Arbeit.

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Mit Hilfe einer besonderen Software konnte Carmen Naundorf ihre Arbeit im Planetarium gut bewältigen.

Quelle: Birgit Rabe

Eilenburg. Die heute 35-jährige Carmen Naundorf wurde mit einer massiven Sehbehinderung geboren. Nach der Schulzeit in der Sehbehindertenschule in Leipzig erlernte sie den Beruf einer Fachkraft für Textverarbeitung und qualifizierte sich als Telefonistin. Es gibt nicht viele Möglichkeiten für sie, sich beruflich zu verwirklichen. Denn es gibt kaum noch passende Stellen für diese Ausbildung. Deshalb kam eine Umschulung für die junge Frau vorerst wie gerufen - Call-Center-Agentin. Danach ging die Suche nach einem Arbeitsplatz weiter. Call-Center gibt es genug. Aber diese Tätigkeit ist, wie ebenso bekannt, nicht besonders befriedigend. Der Druck, unter dem die Agenten stehen - wegen der Menge der Anrufe, der Abschlüsse, der Bestellungen - ist enorm.

Die Kollegen seien deshalb nicht immer freundlich und zu jemanden, der sehbehindert ist, oft noch aggressiver, hat Carmen Naundorf erfahren. Die Folge: Stress und damit verbunden auch Krankheit. Es folgten also weitere Bewerbungen. Private Arbeitsvermittlungen, ungezählte persönliche Vorstellungen brachten ihr ebenfalls keine Arbeit, dafür jede Menge negative Erlebnisse, erzählt sie. In ihrem Beisein sei über die "Blinde" gelästert, Unterlagen seien durcheinandergebracht worden, um sie hilflos dastehen zu lassen, berichtet die Laußigerin.

Eine Wende bedeutete für Carmen Naundorf der Moment, als sie sich persönlich ins Büro der Eilenburger Sternwarte begab, ihr Anliegen nach einer befriedigenden Arbeit vortrug. Es hat geklappt. Sie bekam eine Stelle im Bundesfreiwilligendienst. Mit viel Freude und Elan ging sie ihren Aufgaben nach. Ein Ende war jedoch abzusehen. Solch ein Vertrag ist nur befristet. Telefondienst gehörte in dieser Zeit genauso wie Schreibarbeiten zum Alltag. Diese erledigte sie mit einer besonderen Software, so dass sie auch lesen und kontrollieren konnte, was sie geschrieben hatte. Ab und zu hörte sie in einen Vortrag im Haus rein, führte regelmäßig Besucher ins Planetarium. Norbert Morch, Leiter der Kreisvolkshochschule, zu der die Sternwarte gehört, lobte die Arbeit, die Carmen Naundorf geleistet hat. Er möchte ihr Licht auf keinen Fall unter den Scheffel stellen. "Sie hat nicht nur allgemeine Büroarbeit erledigt, sondern eine Datenbank für uns erstellt. Dazu hat sie Fachzeitungen, auch historische, sowie Wissen aus anderen Printmaterialien katalogisiert und archiviert. Nun ist ein fachspezifischer Zugriff auf die Daten möglich", erklärte Morch.

Nun geht die Arbeitssuche für Carmen Naundorf weiter, die Hoffnung stirbt zuletzt. "Die Absage vom Naturpark Dübener Heide" erzählt sie, "war die erste in meinem Leben, die wirklich schön war. Man hat sie mir genau begründet und die Begründung war schlüssig, warum ich dort nicht beschäftigt werden kann. Das gab wieder Mut für weitere Bewerbungen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.09.2014
Birgit Rabe

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