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Seit 50 Jahren geht’s rund unter der Kuppel des Eilenburger Planetariums

Sternwarte Seit 50 Jahren geht’s rund unter der Kuppel des Eilenburger Planetariums

Ein runder Geburtstag: Das Eilenburger Planetarium wird dieser Tage 50. Die Kuppel ist ein einmaliger Spezialbau aus dem damaligen Eilenburger Chemiewerk. Sie auf den Mansberg zu bringen, war eine Herausforderung. Sogar die sowjetischen Streitkräfte wurden in die Pläne involviert.

Edgar Otto und Peter Stapel (rechts) unter der Kuppel des Planetariums.

Quelle: Heike Liesaus

Eilenburg. Im vorigen Jahr feierte die Sternwarte auf dem Eilenburger Mansberg 50. Jahrestag. Nun hat das Planetarium ebenfalls runden Geburtstag. „Die Vorgeschichte klingt wie ein Märchen“, erzählt Edgar Otto junior. Der 92-Jährige ist Sohn des gleichnamigen Sternwartengründers und ersten Leiters, fungierte später selbst als Chef der Einrichtung.

Es war kurz nach der Einweihung der Sternwarte gewesen: Alle atmeten auf nach dem Trubel. Da hatte sich überraschend die staatliche Plankommission angekündigt, die sich das außergewöhnliche Objekt ansehen wollte. Das sei der schönste Tag im Leben, soll der Kommissionsleiter unterm blauen Himmel auf der Beobachtungsplattform angesichts der neu entstandenen Anlage festgestellt haben. Das konnte Otto senior ohne weiteres bestätigen. Als der Kommissionsleiter nachhakte, „sie müssen ja nun wunschlos glücklich sein“, soll Otto ebenfalls bei der Wahrheit geblieben sein: „Am schönsten wäre nun noch ein Planetarium.“ Denn das kannte er aus seiner Berliner Zeit, wo er einst Sekretär der Astronomie-Gesellschaft war. Damit löste er zwar erstmal Überraschung aus, aber am Ende wurde tatsächlich ein Planetarium genehmigt.

Der runde Betonunterbau war schnell errichtet. Doch woher sollte die Kuppel kommen? Die des Jenaer Planetariums war aus Beton. Es sollte nicht so teuer werden. Also wurde das Eilenburger Chemiewerk ins Boot geholt. Dort wurde mit Bauteilen experimentiert und eine Lösung gefunden: Ein Stahlskelett, das mit extra angefertigten, etwa 20 mal 30 Zentimeter großen, gewölbten Elementen aus Schaummaterial ausgekleidet ist. „Das musste alles verspachtelt und verschliffen werden, damit eine glatte Fläche entstand. Eine Heiden-Arbeit“, erinnert sich Otto junior. Über alles kam später das Blech-Dach. Aber wie sollte die Sechs-Meter-Kuppel von Eilenburg-Ost auf den Mansberg gelangen? Die Zufahrt ist eng. Selbst ein Transport per Hubschrauber der sowjetischen Streitkräfte wurde in Erwägung gezogen. Die fanden es aber offenbar zu gefährlich, mit einem solchen Bauteil am Haken über eine Siedlung zu fliegen. Am Ende blieb nur, den Schwerlaster über den Friedhof zu führen.

Im Inneren der Kuppel sorgt seit fünf Jahrzehnten das Zeiss Klein Planetarium, dass 3000 Sternlein pro Abend am künstlichen Himmelszelt stehen. Insgesamt kann das Gerät gar 5000 Sterne abbilden. In diesem Jahr haben das bis November bereits 3300 Besucher gesehen.

„Der Spaß ist, dass es drei verschiedene Daten für die Inbetriebnahme gibt“, erzählt Peter Stapel, der heutige Sternwarten-Leiter. Mal ist vom 21. Oktober, mal vom 12. und mal vom 19. Dezember die Rede. Dann hat er aber gemeinsam mit Edgar Otto den Nachweis gefunden: eine Einladung vom Vorsitzenden des Rates des Kreises Eilenburg zur „Einweihung des Kleinplanetariums unserer Volks- und Schulsternwarte Juri Gagarin am Sonntag, dem 19.12.1965, 10 Uhr“. An diesem Freitag wird Otto nun vor der Himmelsbeobachtung, die um 17 Uhr startet, ab 16 Uhr durch das Haus führen.

Von Heike Liesaus

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