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Sekt mit Carlos Santana: Der Ex-Produktionsleiter vom Palast der Republik blickt zurück

Sekt mit Carlos Santana: Der Ex-Produktionsleiter vom Palast der Republik blickt zurück

Hohenprießnitz. Der Name Roland Kalke - seit 1993 in Hohenprießnitz heimisch - ist in dieser Zeitung hin und wieder unter Leserbriefen abgedruckt. Erst jüngst hat der 74-Jährige seine Sicht auf die Verbreitung des Wolfs in der Region geäußert, mit der bekanntlich Einiges an Pro und Kontra verbunden ist.

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Roland Kalke blättert gern in einer Publikation seines Freundes Heinz Günther Behnert, der wie er früher Produktionsleiter im Palast war. Die Auflage von 2000 Exemplaren ist vergriffen. "Es gibt nur wenige authentische Bücher dieser Art", so Kalke.

Quelle: Karin Rieck

"Auch mal böse sein und nicht nur gutartig etwas kund tun, sonst bewegt sich nichts", beschreibt der gründliche und interessierte LVZ- und Zeitungsleser sein Credo, wenn es ihn juckt, hier und da seine Meinung "als kulturpolitisch denkender Mensch" beizusteuern. Ja, kulturvoll und fundiert - das ist für den studierten Diplom-Kulturwissenschaftler eine Maxime. Immerhin steckt hinter dieser Überzeugung auch langjährige Berufserfahrung als Produktionsleiter im früheren Berliner Palast der Republik, dem bedeutendsten Kulturtempel der DDR. Der Bitte, von dieser Zeit aus erster Hand zu erzählen, kam der Senior dieser Tage gern nach.

Mit vielen, die seinerzeit - und teils bis heute - Rang und Namen hatten und haben in der nationalen wie internationalen Kultur- und Kunstszene, bekam es Roland Kalke während seiner Jahre in Berlin zu tun. Seine berufliche Laufbahn begann er im Schiffbau als Dreher und Schlosser in der Stralsunder Volkswerft Mitte der 1960er- Jahre. Als Klubleiter im Fischwerk in Saßnitz entdeckte er seinen Faible fürs Kulturmanagement. Nach zehn Jahren (Abend)Studium, zuletzt an der Humboldt-Uni in Berlin, bewarb sich Kalke "ganz normal wie jeder andere", wie er versichert, Mitte der 1970er-Jahre für eine Tätigkeit im "Palazzo prozzo", "Honeckers Lampenladen". Synonyme, die der Volksmund dem dennoch vielgelobten, aber auch - aus Sicht Kalkes zu Unrecht - verteufelten und einst prominentesten Kulturhaus des Landes verlieh. Seit Frühjahr 1976 habe er 14 Jahre lang in diesem Haus "die schönste und erfolgreichste Zeit seines Lebens" verbracht. "Ich hatte eine Arbeit - keinen Job - die mir unendliche Freude bereitete", so der Hohenprießnitzer. Viele Großevents hat er als Produktionsleiter maßgeblich mit organisiert. Darunter die beliebten Palastbälle, Jugendtanzveranstaltungen, die Tage der Volkskunst der Bezirke der DDR, die Eigenproduktion "Spaß muss sein", Gastspiele vieler bekannter Künstler wie Karel Gott, Andy Borg, Peter Hoffmann, Miriam Makeba, Wenke Myhre oder Mirelle Mathieu. Auch an die legendäre Reihe "Rock für den Frieden" mit sämtlichen namhaften Bands zu DDR- bis in die heutigen Zeiten sowie Größen wie Harry Belafonte oder Udo Lindenberg erinnert sich Roland Kalke gern. Darunter das Konzert mit Carlos Santana - eines der größten, das je im Palast stattfand. "Das Management von Santana übermittelte uns im Vorfeld sehr spezielle Wünsche, was sein vegetarisches Catering betraf", fällt Kalke spontan zur Begegnung mit dem Ausnahme-Gitarrenkünstler ein. Auch die technischen Möglichkeiten des Palastes, die seinerzeit an internationalen Standards messbar waren, seien nahezu ausgelastet worden. Doch als Santana schließlich auf der Bühne Räucherstäbchen zu seiner Inspiration entzündete - im Theaterbetrieb ging und geht offenes Feuer an dieser Stelle gar nicht - war Organisationstalent gefordert. Die Veranstaltung wäre für Löscharbeiten fast geplatzt, wenn im Auftrag Kalkes ein Kollege der Bühnenmannschaft sich nicht spontan mit einem Eimer Wasser und einem feuchten Lappen in der Nähe des Musikers postiert hätte, um den "Brandherd" gegebenenfalls zu löschen.

Nach den stehenden Ovationen für Carlos Santana und mehreren Zugaben sei es üblich gewesen, erzählt Roland Kalke weiter, sich im Bühnencasino bei den Mitwirkenden der Show mit einem Glas Sekt zu bedanken. Dabei habe er den gebürtigen Mexikaner, noch ganz gerührt vom Beifall Tausender, erlebt, wie er mit Tränen in den Augen seinerseits Dank sagte. Nach dem ersten Auftritt im sogenannten Ostblock habe er viele Vorurteile korrigieren müssen, sei überwältigt gewesen von der Sympathie und Begeisterung des Publikums. "I'm happy, I'm happy" - so brachen sich Santanas Emotionen Bahn.

"Ich verspürte Genugtuung und auch ein wenig Stolz, wenn die Gäste erfreut nach einer Veranstaltung das Haus verließen." Diese und andere schöne Erinnerungen kann dem ehemaligen Produktionsleiter niemand nehmen. "Geschichtsklitterung" mag er gar nicht, betont er, vor allem bezüglich der Palast-Jahre. Deshalb möchte er heutzutage eigentlich gar nicht mehr groß darüber nachdenken, was sich bekanntermaßen im Umfeld der umstrittenen Schließung in den 1990er- Jahren und des Abrisses des Kulturhauses 2006 abspielte. Vielfach wurde dafür der verbaute Asbest ins Feld geführt. Den zu entsorgen es übrigens schon in den 1980er-Jahren Pläne gab, die aber nicht umgesetzt wurden. Für Roland Kalke war das Ende seiner Arbeitsstätte "politische Barbarei". Auch die Stahlträger des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Westberlin, weiß er, seien wie der Palast im Osten der Stadt aus Brandschutzgründen mit Asbest verkleidet worden. Das ICC wird bekanntlich nach wie vor genutzt. Genauso andere bekannte Veranstaltungshäuser mit diesem Makel. Die Träger des Palastes tragen, nunmehr ohne Asbest, inzwischen zur Standfestigkeit eines Wolkenkratzers in Dubai bei.

Ab einem Alter von 50 Jahren hat sich Roland Kalke mit diversen ABM-Projekten, darunter bei der Awo in Bad Düben, bis zur Rente auch in anderen Bereichen, so gut es ging, engagiert. Dank seiner Frau kam er nach Hohenprießnitz. Heute pflegt er seine kulturellen Ambitionen im örtlichen Schlosschor, arbeitet in der BUND-Regionalgruppe mit, mag das politische Erzählcafé mit Moderator Andreas Biskupek in Eilenburg. Denn kulturvoll, aber auch politisch kommunizieren, das hat er nie verlernt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.02.2014
Karin Rieck

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