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"Sie war nicht mein Typ"

"Sie war nicht mein Typ"

Zweimal in seinem Leben habe er an entscheidender Stelle - auch mit etwas Glück - die Kurve gekriegt, sagt Jürgen Clauß. Das zweite Mal, als er vor zehn Jahren im Eilenburger Studienkreis startete und ihn vor vier Jahren übernahm.

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Die Parallel-Seminargruppe 303 an der Uni Leipzig mit Jürgen Clauß (hinten, 6. von links) im April 1976.

Quelle: Privat

Eilenburg. Das erste Mal, als er während seines Physik-Studiums in Leipzig unter den zehn Besten beim Professor seiner Wahl zusätzlich ein spezielles Fach belegen durfte. Damit verknüpft sind außerdem Erinnerungen an eine Kommilitonin im gleichen Studien- jahrgang, deren Lebensweg er bis heute mit Interesse verfolgt: Angela Merkel, damals Kasner, die erste deutsche Bundeskanzlerin. Und wie Clauß promovierte Physikerin.

"Wenn wir den Bundeskanzler direkt wählen könnten, würde ich sie wählen und nicht Steinbrück", macht der nunmehr als Pädagoge für Physik, Mathematik und eine spezielle Rechenschwäche-Therapie bekannte Inhaber des Studienkreises in der Muldestadt keinen Hehl aus seinen Gedanken angesichts der bevorstehenden Bundestagswahl. Auch wenn sein Herz eher links schlägt, er ein Mandat der Linkspartei im Eilenburger Stadtrat vertritt und mit den politischen Verhältnissen in diesem Land nicht immer einverstanden ist. Als Beispiel nennt der 59-Jährige die Arbeitslosigkeit und dass es nicht immer nur an den Finanzen liegen könne, wenn Langzeitarbeitslose keine Beschäftigung finden. "Ein-Euro-Jobs sind dafür keine Lösung", so Clauß, den außerdem der Begriff "Humankapital" maßlos aufregt. "Dass in diesen Tagen der Jahrestag des Abwurfs der Atombombe auf Hiroshima nur eine Randnotiz wert war", kreidet der Eilenburger der Kanzlerin und Physikerin persönlich als Makel an. "Auch wenn ich ihr den Urlaub gönne." SPD-Gegenkandidat Steinbrück bekommt bei Clauß keine Punkte. "Das ist ein Wolf im Schafspelz", so sein knappes Urteil.

Von Ex-Kommilitonin Angela Kasner, die in der Seminargruppe 305 war, er in der 303, hat er vor allem ein Bild vor Augen: Bei den Freitagsvorlesungen habe sie im großen Hörsaal der Physiker "immer ganz weit oben, in der Nähe des Ausgangs gesessen". Wenn Schluss war, vermutet er, habe sie wohl schnell zum Zug nach Templin gewollt, der Heimat ihres Elternhauses. Er erzählt außerdem, dass sie bei den Besten-Seminaren am Wochenende wohl ebenfalls dabei gewesen ist. "Aber beschwören kann ich das nicht mehr." Denn als junge Frau hat er die Kasner als eher zurückhaltend, aber als sehr gute Studentin in Erinnerung. "Ich hatte damals, weil das Studium viel Kraft und Zeit forderte, ohnehin kaum einen Blick für Frauen. Und Angela Kasner war nicht mein Typ." Wäre es auch niemals gewesen, weil sich später außerdem herausstellte, dass für sie Kinder und Karriere nicht zusammenpassten. "Zudem lebte ich zu dieser Zeit in Engelsdorf bei Leipzig und nicht wie sie im Internat in der Philipp-Rosenthal-Straße. Allein schon daraus ergaben sich keine großen privaten Kontakte."

Nach der Wende, als der Name Kasner bei den politischen Umbrüchen mit ins Spiel kam, hat Clauß die Entwicklung der früheren Mitstudentin wiederum "mit großem Interesse" verfolgt.

Mehr darüber nahm er erst dieser Tage bei der Lektüre von "Das erste Leben der Angela M." - einer der jüngeren Bestseller der westdeutschen Autoren Ralf Georg Reuth und Günther Lachmann - zur Kenntnis. Und kann das Buch weiterempfehlen: Es sei alles sehr realistisch wiedergegeben, nicht tendenziös, und der Geist der Zeit, in der die heutige Bundeskanzlerin ihren Weg gegangen ist, sehr sachlich getroffen worden. Gesellschaftliches Engagement habe sich schon zu DDR-Zeiten bei ihr abgezeichnet. "Denn kein Staat fördert Leute, die gegen ihn sind", so Clauß. Die Kontakte ihres Vaters, den in evangelischen Kreisen bekannten Pfarrer Horst Kasner, habe Merkels Weg in die Politik befördert. "Wer hätte das damals gedacht, wo sie doch eigentlich so unscheinbar war."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 15.08.2013

Rieck, Karin

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