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Skandal um Gift-Eier: Wildenhainer Betrieb bekämpft Hühnermilben ohne Chemie-Keule

Landwirtschaft Skandal um Gift-Eier: Wildenhainer Betrieb bekämpft Hühnermilben ohne Chemie-Keule

Der Skandal um Millionen giftbelastete Eier hat in Deutschland inzwischen weite Kreise gezogen. Doch wie gehen Eier-Produzenten in Nordsachsen gegen Hühnermilben vor? Die Erzeugergemeinschaft Wildenhain bei Eilenburg setzt Silkatstaub ein. Dieser wirkt physikalisch. Der Betrieb öffnete jetzt exklusiv seine Ställe für die LVZ.

Diplom-Agraringenieurin Sina Weißbacher ist stolz auf die Hühnerschar, die sich in Mockrehna tummelt.

Quelle: Wolfgang Sens

Mockrehna. „Fipronil? Das hatte ich noch nie gehört. Da musste ich mich erstmal kundig machen“, sagt Matthias Böbel, Geschäftsführer der Erzeugergemeinschaft Wildenhain sowie der Bauernhof-Ei GmbH. Seine Mitstreiter setzen auf ganz andere Stoffe, um zum Beispiel Milben an den Tausenden Hühnern zu bekämpfen.

Böbel wird in den vergangenen Tagen öfter nach dieser Substanz im Zusammenhang mit der Eierproduktion der Erzeugergemeinschaft Wildenhain gefragt. Denn wegen der Rückstandsbelastung mit Fipronil, einem Wirkstoff, der normalerweise bei Hunden und Katzen eingesetzt wird, werden derzeit Millionen Eier in Deutschland aus dem Verkehr gezogen und vernichtet. Bei Lebensmittel liefernden Tieren ist die Anwendung verboten. Fipronil kann toxisch auf das Nervensystem wirken. Das wurde zumindest in Tierversuchen bei höheren Konzentrationen festgestellt. Aber wie gehen die Wildenhainer gegen Milben bei Hühnern vor? „Wir bekämpfen die Milben zum Beispiel mit Silkatstaub. Das wirkt physikalisch“, erklärt Agraringenieurin Sina Weißbacher, die in der Erzeugergemeinschaft für die Hühner zuständig ist. Falls bei der Kundschaft, die zum Beispiel am Stand auf dem Eilenburger Wochenmarkt einkauft, Fragen bestehen, wie das Geflügel gehalten wird und wie es ihm geht, bekommt sie dort schon mal die Auskunft, einfach bei den Ställen Am Leitpflock in Mockrehna vorbeizuschauen.

So sieht es vor Ort in Wildenhain aus

Die LVZ schaute sich vor Ort in der Eierproduktion um: Wer Bilder von Käfighaltung aus dem Fernsehen im Kopf hat, erhält hier einen ganz anderen Eindruck: Hühner auf grüner Wiese. Seit vorigem Dezember gibt es die Biohaltung. Unterschied zur Freilandhaltung ist eigentlich nur, dass hier die Junghennen bio sein müssen und dann weiter bio gefüttert werden muss, beschreibt Böbel. Jedem Huhn muss ausreichend Grünland zur Verfügung gestellt werden. „Allerdings gibt es Grenzen. Das Land muss ja zur Verfügung stehen, es muss verpachtet werden. Am Ende wird es auch dem Ackerbau entzogen.“ Die Biohaltung schreibe vor, dass die einzelne Stallbereiche getrennt werden und ihnen getrennte Gärten zur Verfügung stehen.

Interessant, das Hühner-Verhalten zu beobachten: Die Geflügelschar erweist sich als durchaus neugierig und bildet auch mal eine glucksende Versammlung am Zaun, wenn sich Besuch davor tummelt. Nur zu aufgeregt sollte der sich nicht verhalten. „Das Verhalten der Halter spiegelt sich auch in der Herde wieder“, ist Sina Weißbacher überzeugt. Aber auch die hier gehaltene Rasse habe gute Eigenschaften. Grünland scheint den Tieren nicht zu jeder Zeit alles. Um die Nachmittagszeit wird gerade im sandigen Bereich vor den Ställen gescharrt, werden Kuhlen gebaut, im Sand gebadet. So erledigen die Hühner Schädlingsbekämpfung gleich selbst. Die ursprüngliche Hühner-Umgebung sieht Unterschlupf und Deckung vor, weiß Böbel. Deshalb sind auch Bäume im eigentlich kahlen Bereich vor den Ställen gepflanzt worden. Auch kleine Schutzhütten sind aufgebaut.

Böbel: „Der Eierpreis wird steigen“

Fipronil werde aber weder bei Boden-, konventioneller Freilandhaltung und erst recht nicht bei Bio eingesetzt, erklärt Böbel. Die inzwischen Gruppenhaltung genannte Käfighaltung komme bei der Erzeugergemeinschaft überhaupt nicht vor. „Eins ist klar, der Eierpreis wird erst einmal steigen“, schätzt Böbel. „Wir haben davon aber nichts.“ Zum großen Teil werden die Eier über Supermarktketten an die Kunden gebracht. Und dazu hat sich die Erzeugergemeinschaft vertraglich gebunden.

Millionen Hühnereier aus den Niederlanden waren mit dem Insektizid Fipronil belastet. Sie wurden auch in Deutschland verkauft. Große Lebensmitteldiscounter haben inzwischen Eier aus dem Verkauf genommen.

Von Heike Liesaus

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