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"So lange ich diese Tätigkeit ausüben kann, werde ich das tun"

"So lange ich diese Tätigkeit ausüben kann, werde ich das tun"

Ein originelles Gewächs kommt Heinz Bela, Eilenburgs bekanntem Pilzberater, erst dieser Tage wieder unter: Aus dem Hut einer Nebelkappe reckt sich ein weiterer Vertreter dieser Art in die Höhe.

Eilenburg. "So selten kommt das nicht vor", relativiert der 79-Jährige das Staunen über die Laune der Natur. Der Senior ist im Landkreis Nordsachsen einer von sieben ehrenamtlich tätigen, geprüften Pilzberatern. Und in diesem Fach in der Muldestadt seit 33 Jahren eine Institution. Wer sich bei Bela nach erfolgreicher Waldfrüchte-Pirsch kostenlos beraten lassen möchte, weil er unsicher ist, ob alle Funde auch wirklich genießbar sind, sollte sich aber vorher telefonisch bei Belas in der Puschkinstraße 7 b anmelden.

"Ich muss mich jetzt mehr um meine kranke Frau kümmern, komme nicht mehr so oft raus", vertröstet er die Pilzfreunde, die noch vor zwei bis drei Jahren gern mit dem Experten auf Exkursion gegangen sind. Jetzt sind der Blick ins Fachbuch und eine Menge Erfahrung von Nutzen, um Rat Suchenden zu helfen. Horst Eidam saß just in dem Moment, als sich die LVZ-Reporterin angesagt hatte, mit dem Exemplar eines glockenstieligen Hexenröhlings bei Belas auf der Couch. "Der ist essbar", bekommt der Eilenburger, ein guter Bekannter, zu hören. "Ich war mir unsicher nach dem Ausflug in die Dübener Heide in die Nähe von Falkenberg", räumt der Gast ein. Für zwei Pilzmahlzeiten hat er außerdem, verrät er, noch einen Korb voll gesammelt. Darunter vor allem Maronen und Birkenpilze. Nun darf also auch der Hexenröhrling mit in die Pfanne.

Bis zu 120 Beratungen hat Bela in guten Pilzjahren in der Saison zwischen April und November schon registriert. "Das richtet sich immer nach dem Aufkommen", so der Fachmann, der im Alter von 19 Jahren seine ersten Erfahrungen in diesem Bereich sammelte. Stetig hat sich Heinz Bela in Lehrgängen, die es für seinesgleichen regelmäßig gibt, weiterqualifiziert. Denn um bei einem Vorkommen von zirka 3500 Pilzarten im örtlichen Einzugsbereich immerhin bis zu 300 sofort abrufbereit zu haben, sind nicht nur 70 Jahre Sammelleidenschaft ausschlaggebend. Auch wenn das, was das Gedächtnis nicht speichern kann, in einschlägiger Literatur bestimmt wird. "So lange ich diese Tätigkeit ausüben kann, werde ich das tun", versichert der Senior, der im April nächsten Jahres das achte Lebensjahrzehnt vollendet und der "eher keinen Nachwuchs sieht", der in seine großen Fußstapfen treten könnte.

Mit dem Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt der Kreisverwaltung Nordsachsen sei abgesprochen, dass Heinz Bela trotz aktueller Einschränkungen seine Tätigkeit als Pilzberater in der Region Eilenburg weiter ausübt.Dafür gibt es eine kleine finanzielle Aufwandsentschädigung je Pilzmonat, wird das Ehrenamt über den kommunalen Schadensausgleich zudem Haftpflicht versichert. Pilzberater müssen, hieß es im Amt zudem, sich autodidaktisch das notwendige Wissen aneignen, in einigen Führungen ihr Wissen unter Beweis stellen und eine Prüfung ablegen. Eine Richtlinie, die eine bestimmte Anzahl von Pilzberatern in einem bestimmten Umkreis vorschreibt, gebe es nicht. Karin Rieck

iPilzberater Heinz Bela, Puschkinstraße 7 b in Eilenburg, Telefon 03423/602955

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2013
Rieck, Karin

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