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Eilenburg Sowohl Mauern als auch Platz
Region Eilenburg Sowohl Mauern als auch Platz
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16:05 19.05.2015
Hubertus Wacker stellt in einer Präsentation den Werdegang des Eilenburger Hochwasserschutzes vor, der im Juni seine Bewährungsprobe bestand. Quelle: Heike Liesaus

Hier hatte der Flutschutz beim Juni-Hochwasser weitgehend funktioniert.

Hier wurde Geld klug angelegt. Denn es wurde beim Hochwasserschutz nicht allein auf Mauern vertraut, sondern dem Fluss auch Platz gegeben. Diese Erkenntnis zieht Antje Hermenau, Fraktionsvorsitzende der Grünen im sächsischen Landtag, gestern aus einem kurzen Besuch in Eilenburg. Gemeinsam mit ihren Kollegen Anja Siegesmund aus Thüringen, Claudia Dahlbert aus Sachsen-Anhalt und Axel Vogel aus Brandenburg sah sie sich zuvor am Gimritzer Damm und dem Mitteldeutsche Multimediazentrum in Halle und danach in Mühlberg an der Elbe um. Beim Hochwasserschutz sei Ziel: Wasser muss langsamer und niedriger werden, so Hermenau. In Eilenburg sei das so vollzogen worden. Doch nach der Flut 2002 habe Sachsens Staatsregierung 49 Deichrückverlegungen und Polder umsetzen wollen. Auf eine Nachfrage 2012 habe Umweltminister Kupfer erklärt, dass nur noch 34 der Maßnahmen relevant seien. Seit 2002 seien bisher nur zwei der Maßnahmen mit einem Flächengewinn von 111 Hektar realisiert worden. Das seien gerade mal 1,5 Prozent des ursprünglich angestrebten. Eine davon gibt es in Flöha mit rund zehn Hektar, die größere nun hier in Eilenburg, nennt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Zahlen.

Nach 2002 sei dem Hochwasserschutz in Eilenburg oberste Priorität eingeräumt worden, erklärte Oberbürgermeister Hubertus Wacker (parteilos) bei seiner Präsentation im Bürgerhaus. "Es gab auch keine größeren Diskussionen der Eigentümer der Flächen." Aber es seien auch kommunale Areale in Größenordnungen zur Verfügung gestellt worden. So auch am ehemaligen Chemiewerk. Und dabei habe es sich um hochwertige Flächen eines Industriegebietes gehandelt. Eines der Probleme: Landwirte, die bereit sind, ihre landwirtschaftlichen Flächen quasi vor die Deiche zu verlagern, dürften nicht gezwungen werden, diesen Acker nur noch als Grünland zu bewirtschaften, auf dem nur noch Tiere weiden dürften. Denn gerade dort handle es sich um die fruchtbarsten Böden. Sodass selbst Land und Bund solche Flächen nicht gern zur Verfügung stellen, "weil es wirtschaftlicher Unfug ist", sagte Wacker. Ihm habe dagegen ein Bauer gesagt, dass eher ein Totalausfall alle fünf Jahre zu verkraften sei.

Ob denn schon jemals Überlegungen angestellt wurden, welche Auswirkungen der Eilenburger Flutschutz auf die Anlieger weiter unten hat und welche Auswirkungen es haben würde, wenn Grimma seinen Hochwasserschutz umsetzt, fragte Gisela Kallenbach, Grünen-Landtagsabgeordnete aus Leipzig, nach. - Sicher sei Hochwasserschutz ein komplexes System. Aber er glaube nicht, dass Schutzmauern in Grimma den Pegel in Eilenburg maßgeblich beeinflussen, so Wacker. "Als Grimma volllief, gab es bei uns für zehn Minuten eine Absenkung. Dann stand das Wasser so hoch wie vorher." Er wolle auf alle Fälle die Lücken im Eilenburger Hochwasserschutz bis 2015 schließen. Einig waren sich Gastgeber und Gäste vor allem in dieser Frage: Wetterlagen wie die, welche zu den gerade überstandenen Überflutungen führten, können immer wieder und vor allem häufiger als alle 100 Jahre auftreten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 20.08.2013

Liesaus, Heike

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