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Eilenburg Sparkassen-Rückzug im Eilenburger Stadtteil Berg trifft vor allem die Alten
Region Eilenburg Sparkassen-Rückzug im Eilenburger Stadtteil Berg trifft vor allem die Alten
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13:01 01.03.2018
In der Filiale im Stadtteil Berg werden ab 2018 nur noch Automaten präsent sein. Quelle: Wolfgang Sens
Eilenburg

Die Sparkasse Leipzig dünnt ihr Filialnetz aus – auch Eilenburg ist betroffen. Ab 2018 sollen nur noch die SB-Automaten in der Sparkassen-Filiale Eilenburg-Berg die Kunden begrüßen. Für Beratungen müssen sie in die Innenstadt kommen. „Eine Stadt kann sicher sehr wenig dagegen machen, wenn sich Kreditinstitute aus der Fläche zurückziehen“, erklärt Oberbürgermeister Ralf Scheler (parteilos). „Die Sparkasse lässt im Stadtteil Eilenburg-Berg immerhin ihre SB-Automaten in Betrieb. Andere Institute ziehen sich vollends zurück. Eine Entwicklung, die dem Zeitalter des Online-Bankings und vieler anderer Netzdienstleistungen geschuldet ist.“

Dass die Banken einen Teil ihrer Tätigkeit rationalisieren, sei aus betriebswirtschaftlicher Sicht nachzuvollziehen. „Wichtig, dass sie in der Stadt noch in vollem Umfang da ist. Es wird trotzdem gerade für ältere Menschen Probleme bringen“, schätzt das Stadtoberhaupt ein. „Letztlich sind wir aber alle an diesem Prozess selbst mit beteiligt, bei dem 60 bis 80 Prozent der Bankgeschäfte nur noch online abgewickelt werden.“

Commerzbank und Volksbank vor Ort

Die Sparkasse wird auch nach dieser Rationalisierung die am weitesten ausgebaute Infrastruktur unter den in Eilenburg vertretenen Kreditinstituten vorhalten. Sowohl mit Beratung als auch mit Geldautomaten und Kontoauszugdrucker sind ebenso die Commerzbank und die Volksbank vor Ort. Allerdings nur im Stadtteil Mitte.

Die Postbank in der Leipziger Straße hält hingegen nur noch Immobilien- und Finanzberatung vor, etwa zu Kontoeröffnung, Ratenkredit und Bausparen. „Diese Filiale bleibe aber definitiv erhalten“, erläutert Berater Volker Lachmund. Automaten sind keine mehr vorhanden. „Kunden können Geld am Bankomaten der Commerzbank in der Röberstraße abheben.“

Weder mit Filiale noch mit Automaten steht die Deutsche Bank in Eilenburg da. Das Geldhaus hat sich vor fast einem Jahr aus der Stadt vollkommen zurückgezogen. Wollen Kunden den Direktkontakt, sind sie in Wurzen willkommen. So ist es noch an den Schaufensterscheiben der einstigen Niederlassung in der Leipziger Straße zu lesen.

VdK-Chef: Viele sind unzufrieden mit dieser Situation

„Nicht einmal zu einer anderen Bank kann man wechseln, es ist einfach keine da“, fasst Jürgen Weiße die Lage für die Einwohner von Eilenburg-Berg zusammen. Der 72-Jährige wohnt nicht nur dort, er ist auch Vorsitzender Ortsgruppe des Sozialverbandes VdK, dem gerade viele Ältere angehören: „Wir überlegen schon, ob wir eine Unterschriftensammlung starten sollen. Ich wurde schon oft angesprochen, denn die Gerüchte gab es ja schon länger. Viele sind unzufrieden mit dieser Situation“, so der VdK-Chef. „Es ist schlimm, dass es immer wieder den Berg trifft. Gerade hier haben wir viele ältere Herrschaften. Die können nichts mit Online-Banking anfangen, brauchen Beratungsleistungen und sind schlecht zu Fuß. Für die Jüngeren ist das natürlich kein Problem, die setzen sich ins Auto. “

Das trifft tatsächlich auf Patrick Stecher zu. Dem 27-Jährigen, der auch am Berg zu Hause ist, würden die Automaten in der Filiale seines Stadtteils vollkommen ausreichen: „Und ansonsten gibt es ja noch zwei weitere in Eilenburg.“ Auf die in Stadt-Mitte vertraut indessen Melanie Schäffner. „Hier erledige ich alles“, sagt die 28-jährige junge Mutter, die Online-Banking allerdings nichts abgewinnen könne.

Verständnis für Sparkasse

Erbost über den Wegfall ist wiederum Manuela Papst aus Plagwitz bei Machern. Die 45-Jährige, die aus Eilenburg stammt und immer noch jeden Tag zur Arbeit hierher fährt, betont: „Dass wieder etwas wegbricht, ist sehr unschön. Viele Menschen wollen und brauchen einen Ansprechpartner vor Ort. Ich zähle mich da selber auch dazu.“ Seniorin Erna Poetzsch ist sichtlich bemüht, auch Verständnis aufzubringen. „Ich bin doch grundsätzlich zufrieden mit der Sparkasse. Die Mitarbeiter sind immer freundlich und hilfebreit, füllen mit mir zusammen sogar Formulare aus. Außerdem wohne ich in Stadt-Mitte“ Der Probleme, die durch die Schließung gerade für ältere Menschen entstehen, ist sich die 84-Jährige gleichwohl bewusst. „So viele Busse fahren ja nicht mehr vom Berg herunter in die Stadtmitte“, hält sie mit einem Stirnrunzeln fest.

Wer sich unter Passanten in der Innenstadt und im Umfeld des Einkaufzentrums Berg umhört, bekommt fast den Eindruck, dass alle auch Kunden der Sparkasse sind.

Von Heike Liesaus und Matthias Klöppel

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